Gusel Jachina erhält den Georg-Dehio-Preis für „Wolgakinder“

Gusel Jachina hat allen Grund, zu lächeln. (Foto: Othmara Glas)

Die russische Autorin Gusel Jachina wird für ihren neuesten Roman Wolgakinder mit dem Georg-Dehio-Buchpreis 2020 ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt wird Helmut Ettinger für seine Übersetzung des Buches. Die studierte Germanistin stammt ursprünglich aus der russischen Republik Tatarstan und lebt heute mit Mann und Kind in Moskau. Über ihr im letzten Jahr erschienenes, jetzt preisgekröntes Werk berichtete die MDZ bereits.

In der Erklärung der Jury heißt es: „Mit großer Fabulierkunst versetzt die Autorin ihre Leserinnen und Leser in die Zeit der 1910er bis 1930er Jahre im Wolgagebiet und erzählt aus der Perspektive eines Dorfschullehrers und seiner Kinder die Geschichte der Wolgadeutschen in den Jahren der Revolutionswirren und des stalinistischen Terrors. Durch die Bildkraft ihrer erzählerischen Sprache und die Originalität der Handlungsführung, die geschult ist an den Techniken der Kameraführung im Film, gelingt es der Autorin, die Veränderungen und Gewalterfahrungen, denen die Minderheit der Wolgadeutschen in der Frühphase der Sowjetunion ausgesetzt war, auf unverstellte Weise zu zeigen. Gleichfalls ausgezeichnet wird der Übersetzer Helmut Ettinger, der es vermocht hat, den Roman in einer ebenso bildkräftigen deutschen Sprache nachzuschaffen.“

Hauptpreis für Ulla Lachauer

Der Hauptpreis ging indes an die Autorin und Dokumentarfilmerin Ulla Lachauer für deren Lebenswerk. In diesem setzt sich die 69-Jährige mit deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa, in Russland sowie in Kasachstan auseinander. Die siebenköpfige Jury lobte Lachauer vor allem für ihr differenziertes Vorgehen in der Arbeit: „Unvoreingenommen, ohne ideologische Absichten, mit großer Sensibilität und in ebenso zurückhaltender wie eindringlicher Sprache beschreibt Ulla Lachauer die Lebenswege von Menschen, die viel durchlitten haben und oft kollektiv zu Schuldigen erklärt wurden, und bewahrt diese vor dem Vergessen. Damit trägt sie zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur in Europa bei.“

Mit dem Georg-Dehio-Buchpreis ehrt das Deutsche Kulturforum alle zwei Jahre Autorinnen und Autoren, deren Werke sich mit der gemeinsamen Geschichte zwischen Deutschland und seinen osteuropäischen Nachbarn auseinandersetzen. Er wird in diesem Jahr zum insgesamt neunten Mal verliehen. Die Preisverleihung ist für den 1. Oktober 2020 in Berlin vorgesehen.

pmv

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