Für ein paar Rubel weniger: Mobiles Internet ist in Russland äußerst günstig

Die Russen lieben ihr Smartphone. Scheinbar unentwegt surfen sie im Internet. Möglich machen das eine gut ausgebaute Infrastruktur und äußerst günstige Preise. Doch letzteres könnte sich demnächst ändern.

Internet

Die Auswahl an Internetanbietern ist in Russland groß. /Foto: RIA Novosti

Russland ist ein Paradies für Menschen, die einen Großteil ihres Lebens online verbringen. Die Preise für mobiles Internet gehören zu den günstigsten weltweit. Vergleicht man die Preise in Moskau mit denen in anderen Metropolen, so betragen sie in Russland teilweise nur ein Fünftel dessen, was anderswo gezahlt werden muss.

Laut einer Untersuchung der Informations- und Analyseagentur Content Review vom Juni dieses Jahres befindet sich Russland im Vergleich der günstigsten Preise für mobiles Internet weltweit auf Platz acht. Im Vorjahr lag Russland noch auf Platz fünf. Dabei ist der Preis für mobile Daten in diesem Zeitraum um 35 Prozent gesunken. Kostete das Gigabyte 2017 noch durchschnittlich 100 Rubel (1,30 Euro), sind es dieses Jahr lediglich 62 Rubel (80 Cent). Zum Vergleich: In Deutschland muss der Kunde für das Gigabyte laut Content Review im Schnitt acht Euro bezahlen.

Die Preise für ein Gigabyte sinken seit 20 Jahren

Der Mobilfunkmarkt ist der einzige Wirtschaftsbereich in Russland, dessen Preise seit 20 Jahren stetig gesunken sind. Ein wichtiger Faktor für diese Entwicklung ist die hohe Konkurrenzsituation. Sieben Anbieter kämpfen aktuell um die Gunst und das Geld der Russen.

Der Zeitung „Kommersant“ gegenüber erläuterte der Analyst Timur Nigmatullin von der Otkrytie Bank, dass sich die Preisentwicklung auch den Einkommen der Menschen angepasst hat. „In Russland sind die Realeinkommen seit 2014 um ungefähr zehn Prozent gesunken, was viele Haushalte dazu veranlasst hat, bei mobilen Daten zu sparen. So neigten auch die Tarife zu einer Senkung“, so Nigmatullin.

Die Netzqualität ist hervorragend

Bei all dem können die russischen Verbraucher auf ein qualitativ gutes Netz zugreifen. Dieses ist oft zuverlässiger als in Industrienationen. Denn der russische Staat verfolgt seit 2013 die Strategie, durch einen massiven Ausbau der Infrastruktur die „digitale Ungleichheit“ in den Regionen des Landes zu überwinden.  Alle Orte mit mehr als 10 000 Einwohnern sollen flächendeckend mit LTE versorgt werden. Große Aufmerksamkeit kommt bei diesem Projekt Kommunikationssatelliten zu, die auch für das Breitbandinternet genutzt werden. Seit 2016 befinden sich zwölf dieser Satelliten in der Erdumlaufbahn.

Trotz staatlicher Unterstützung tragen die Mobilfunkunternehmen den Großteil der Kosten des Ausbaus. Die Akquirierung neuer Kunden rechtfertigt für die Anbieter die Ausgaben in ein flächendeckendes 4G-Netz.  Im letzten Jahr stieg die Zahl der Nutzer mobiler Daten in Russland um sieben Prozent auf 123 Millionen. Mittlerweile sind täglich 73 Millionen Russen mobil online. 23 Prozent der Verbraucher nutzen dabei ausschließlich Smartphone oder Tablet, um im Internet zu surfen. Und das nicht nur Studenten, sondern auch Hausfrauen und Beamte. Gemeinsam haben sie im Vorjahr 4480 Petabyte Daten übermittelt. Dies entspricht einer Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2016. Dabei verlief das Wachstum bei den einzelnen Anbietern durchaus unterschiedlich. Gewinner des Jahres 2017 war Tele2, das im letzten Jahr sein Netz stark ausbaute.

Ob die Russen auch in Zukunft niedrigste Preise für ihre Mobilfunknutzung zahlen werden, ist ungewiss. Während es Stimmen gibt, die durchaus noch Einsparpotential erkennen, gibt der Anbieter „Megafon“ offen zu, dass das aktuelle Preisniveau wohl kaum gehalten werden kann.

Demnächst könnte es teurer werden

Timur Nigmatullin erwartet, dass sich dieses Jahr die Preise an den Einkommen orientieren werden und entsprechend der Inflationsrate steigen werden. Zudem kommen auf die Mobilfunkanbieter größere Investitionen in die Infrastruktur und den Ausbau des Netzes der fünften Generation (5G) zu.

Ein Faktor, dessen Auswirkungen auf die Mobilfunkpreise noch nicht abzusehen sind, sind die Antiterrorgesetze der russischen Regierung, auch bekannt als „Jarowaja-Paket“, die am 1. Juli in Kraft getreten sind. Danach sind die Anbieter ab dem 1. Oktober verpflichtet, sämtliche mobile Daten ihrer Nutzer einen Monat lang zu speichern. Die Kosten der Umsetzung dieser Vorgaben werden pro Anbieter zwischen 35 und 60 Milliarden Rubel (450 bis 770 Millionen Euro) beziffert. Nikolaj Lukaschewitsch, Leitender Direktor der Agentur Fitch Ratings, geht davon aus, dass Preise dadurch um bis zu vier Prozent steigen werden. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB erwartet sogar eine Preissteigerung von zehn Prozent.

Der Anbieter MTS reagierte auf die neue Situation mit der Reaktivierung seines  Tarifes mit unbegrenzter Internetnutzung, der erst 2017 abgeschafft wurde. Kunden müssen dafür jetzt jedoch sieben Prozent mehr zahlen.

Daniel Säwert

Kommentare

Kommentare

Newsletter




Wir bitten um Ihre E-Mail: