Export von Schokolade: Süßer Erfolg

Obwohl Russland nicht für seine Schokolade bekannt ist, exportiert es seit Ende 2021 mehr Schokolade als die Schweiz. Neben heimischen Unternehmen produzieren vor allem internationale Firmen in Russland.

Schoklade
Schokolade aus Russland geht in 94 Länder. (Foto: Sergej Wedjaschkin/ AGN Moskwa)

Wer an russische Süßwaren denkt, hat Bilder von Gebäck oder Blini vor Augen – aber Schokolade? Dennoch überholte Russland nach Angaben von ITC Trade und UN Comtrade Ende 2021 das Schokoladenland Schweiz. Damit rückt Russland erstmals in die Top 10 der weltweiten Schokoladenexporteure vor. Im ersten Halbjahr 2021 wurde Schokolade im Wert von 338,6 Millionen US-Dollar beziehungsweise 131,7 Tausend Tonnen exportiert, so der Verband der Süßwarenindustrie ASKOND. Dies entspricht einem Anstieg von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch was steckt hinter Russlands Aufstieg zum Schokoladenexporteur von Weltrang?

ASKOND nennt mehrere Gründe für den Exportanstieg. Die Unternehmen haben ihre Produktion modernisiert. Nestlé Russland investierte 2020 beispielsweise zwei Milliarden Rubel (24 Millionen Euro) in die KitKat-Produktionslinie in Perm. Gleichzeitig schließen sich immer mehr Unternehmen zusammen. Die Firma „Vereinigte Konditoren“ sieht die zukünftige Exportsituation optimistisch: „Die Exportmärkte beleben sich, die durch Covid-19 verursachten Beschränkungen werden aufgehoben und die Holding arbeitet an der Ausweitung ihrer Absatzgebiete.“

Doch es sind nicht nur russische Unternehmen, die das Exportwunder befeuern. Unter den fünf größten Exporteuren sind vier international tätig! Zu den größten Herstellern zählen Nestlé Russland, Mars LLC, CJSC „Ferrero Russland“ und Mondelis Rus LLC. Neben beliebten russischen Marken wie Aljonka, Zolotaja Marka oder Komilfo werden Produkte wie Mars, Twix und KitKat exportiert. Auch die Schweizer Marke Milka wird in Russland produziert und von hier exportiert. Russlands Export-Erfolg dürfte damit auf der Kombination heimischer und internationaler Produkte basieren.
Schokolade aus russischer Produktion wird in 94 Länder exportiert.

Großteil geht in die Nachbarländer

Hauptabnehmer sind die Nachbarländer Belarus und Aserbaidschan und die Länder Zentralasiens. Mit einem Anteil von circa 27 Prozent ist Kasachstan dabei ein herausragender Absatzmarkt. Gleichzeitig treiben die Unternehmen den Export auf neue Märkte voran, besonders in den Nahen Osten und nach Südamerika, aber auch nach Nigeria oder Serbien. Mars LLC exportiert beispielsweise in die Länder des Nahen Ostens wie Katar, Kuwait und Saudi-Arabien.

Zunehmend spielt der Export in die Volksrepublik China eine Rolle, mit der seit 2020 ein Programm für den Export russischer Süßwaren besteht. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur TASS sprach die Leiterin des russischen Exportzentrums Veronika Nikischina sich für die Zusammenarbeit mit chinesischen Bloggern aus, um russische Produkte zu bewerben. Allerdings „wird es zunehmend schwierig, das weitere Wachstum nur durch die Bemühungen der Branche zu sichern und zu fördern“, so Wjatscheslaw Laschmankin, Exekutiv­direktor von ASKOND. „Viele Länder schützen ihre heimischen Märkte, was für ausländische Hersteller von Süßwaren Schwierigkeiten mit sich bringt.“

Während der Export boomt, verändert sich das Konsumverhalten im Land kaum. Ein durchschnittlicher Russe konsumiert circa sechs bis sieben Kilogramm Schokolade pro Jahr. Der TASS erklärte Andrej Dalnow, Leiter des Kompetenzzentrums für die Industrie der Rosselchosbank, dass Russen lieber auf nahrhaftere Lebensmittelkategorien, bestehend aus Mehl und Zucker, zurückgreifen. In Russland selbst scheint Gebäck also weiterhin beliebter als Schokolade zu sein.

Sophia Othmer

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