Deutscher Politiker macht sich sein Bild von der Krim

Der deutsche Kommunalpolitiker Andreas Maurer von den Linken wurde im Frühjahr landesweit bekannt, als er mit anderen Deutschen die Krim besuchte und dabei versprach, sich zu Hause für deren Anerkennung als Teil Russlands einzusetzen. Das kam weder in Berlin noch in Kiew gut an. Und was machte Maurer? Er fuhr im Oktober erneut auf die Krim.

Krim

Ehrenwache vor einem Weltkriegsdenkmal in Sewastopol. / Tino Künzel

Auf der Krim, so war in russischen Medien zu lesen, haben Ende Oktober „Tage der deutschen Kultur“ stattgefunden. Das roch nach einer kleinen Sensation, denn das offizielle Deutschland – und damit auch der offizielle Kulturbetrieb – ­meiden die Krim wie das Weihwasser. Das Auswärtige Amt rät von Reisen auf die Halbinsel, die sich 2014 nach einer Volksabstimmung  von der Ukraine abspaltete und Russland beitrat, nach deutscher Lesart aber nach wie vor ukrainisch und von Russland annektiert ist, „dringend“ ab.

Was es vor diesem Hintergrund mit den Kulturtagen auf sich hatte, löste sich schnell auf. Deutsche Kultur muss nämlich gar nicht auf die Krim importiert werden, sie wird dort gelebt. Dafür sorgt eine kleine, aber aktive russlanddeutsche Minderheit, die sich laut Volkszählung von 2014 auf 1844  Menschen beläuft. Vor der Deportation im Zweiten Weltkrieg waren es über 50.000 gewesen.

Leider sah sich die National-Kulturelle Autonomie (NKA) der Krimdeutschen in Simferopol eine Woche lang nicht in der Lage, Auskünfte zu den von ihr organisierten Kulturtagen zu geben. Auch ausdrücklich erbetene schriftliche Fragen blieben unbeantwortet.

Bekannt ist aber immerhin, was während der Kulturtage noch passierte: Eine deutsche Delegation besuchte auf Einladung der NKA die Krim, schon die zweite in diesem Jahr. Und wieder mit dabei war Andreas Maurer, Lokalpolitiker aus der Kleinstadt Quakenbrück in Niedersachsen, wo er Fraktionsvorsitzender der „Linken“ ist (die bei der Stadtratswahl im September 21,5 Prozent der Stimmen holten). Maurer hatte mit einer ersten Krim-Reise im Mai deutschlandweit Schlagzeilen geschrieben, zumal er anschließend für die Anerkennung der Krim als Teil Russlands plädierte. Die Ukraine beschwerte sich, die Bundesregierung rügte ihn. Aber das ficht Maurer nicht an: „Ein Politiker aus der freien Welt muss reisen können, wohin er will, wenn es sein muss auch nach Nordkorea.“

Andreas Maurer ist selbst Russlanddeutscher und 1970 in Kasachs­tan geboren. 1988 zog die Familie  – der Vater Wolgadeutscher, die Mutter Ukrainedeutsche – nach Deutschland. Maurer war Postbote, bevor er in die Politik ging.

Krim

Andreas Maurer (Mitte) und andere Mitglieder einer deutschen Besuchergruppe vor dem Schwalbennest in der Nähe von Jalta. / Privat

Auf der Krim hat er sich nach eigenen Worten vor allem für die Situation der Minderheiten, darunter der Krimtataren, interessiert und „keinerlei Diskriminierung“ festgestellt, sich auch mal in einen öffentlichen Bus von Sewastopol nach Jalta gesetzt, um Volkes Stimme zu hören. Maurer ist überzeugt, dass die Krimbevölkerung „aus freien Stücken“ für den Beitritt zu Russland gestimmt hat und das wieder tun würde, wenn man das Referendum unter internationaler Aufsicht wiederholte. „Bezeichnenderweise schlägt das ja keiner vor. Dabei braucht man ein Konzept. Es ist doch Wunschdenken, dass die Krim erneut ukrainisch wird.“

Nächstes Jahr will Maurer wiederkommen: zunächst mit seiner Frau, um in Jalta Urlaub zu machen, dann mit einer Fußballmannschaft aus jungen Leute im Schlepptau. Die sollen auf der Krim mehrere Freundschaftsspiele bestreiten.

Tino Künzel

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