Das Deutschlandjahr in Russland geht zu Ende

Das Deutschlandjahr in Russland sollte die Bundesrepublik als modernes und offenes Land präsentieren. Dann kam Corona und das Konzept musste überdacht werden. Mit Erfolg, wie sich zeigte.

Klassische Musik bei der Städtepartnerkonferenz in Kaluga (Foto: Goethe-Institut Moskau)

Für einen kurzen Moment schien es so, als sei alles umsonst gewesen. Bereits seit dem Herbst 2019 liefen die Vorbereitungen für das Deutschlandjahr in Russland 2020/2021. Das erste seit acht Jahren. Vieles wurde bei den Organisatoren von der Deutschen Botschaft, der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und dem Goethe-Institut Moskau geplant und erdacht. Alles, um den Menschen im größten Land der Erde ein vielfältiges Bild von Deutschland zu vermitteln und Einblicke in eine offene und vor allem moderne Gesellschaft zu geben. Kultur, Wissenschaft, deutsche Sprache, Gesellschaft, Wirtschaft sowie Ökologie und Nachhaltigkeit – eine breite Themenpalette. Dann kam das Coronavirus und brachte die Welt zum Stillstand.

Corona war Herausforderung und Chance

Als die Entscheidung fiel, das Deutschlandjahr doch stattfinden zu lassen, blieb nur wenig Zeit, um alles umzuplanen, erinnert sich die Beauftragte für die Gesamtkoordination des Deutschlandjahres beim Goethe-Institut Inna Mantschewa im Gespräch mit der MDZ. „Wir mussten einfach handeln“, schiebt sie hinterher. So wurden in wenigen Monaten aus Präsenzveranstaltungen hybride und reine Online-Treffen. Eine große Herausforderung für die Organisatoren. Aber gleichzeitig eine zuvor unterschätzte Chance, wie der Deutschland-Express zeigt.

Der war als groß angelegte Zugreise quer durch Russland geplant. Fahrgäste aus Deutschland und Russland sollten über an Bord stattfindende Kulturveranstaltungen in Austausch treten. Unmöglich bei Reisebeschränkungen und geschlossenen Grenzen. So entstand der virtuelle Zug, in dem die Besucher digitale Ausstellungen besuchen und an wechselnden Veranstaltungen teilnehmen konnten. Dank eines eigenen Avatars waren die Teilnehmer auch für andere sicht- und hörbar. Und der Deutschland-Express erreichte viel mehr Menschen, als er entlang der Schienenwege Russlands je vermocht hätte. Dank solcher Projekte habe man digital unglaublich viel dazugelernt, resümierte die Leiterin des Moskauer Goethe-Instituts Heike Uhlig bei der Abschlusspressekonferenz.

Neue Zielgruppen angesprochen

Auch in anderen Bereichen erwies sich die Pandemie als Chance. Denn dank der Verlängerung konnten mehr Projekte verwirklicht werden, als ursprünglich geplant. Vor allem in den russischen Regionen, freut sich Mantschewa. Dort präsentierte sich Deutschland unter anderem auf vier Pop-up-Festivals in Wladiwostok, Kasan, Krasnodar und Kaliningrad. Für die Organisatoren ein neues Format, das extra für das Deutschlandjahr entworfen wurde. Themen wie zeitgenössische Kunst und elektronische Musik zogen vor allem ein jüngeres und urbanes Publikum an. Man habe bewusst neue und junge Zielgruppen ansprechen wollen, sagt Mantschewa. Und das mit Erfolg. Hatten doch alle Festivals eine erstaunliche Resonanz.

Doch das Deutschlandjahr war mehr als nur Techno und Großstadt. Mantschewa erinnert an die Auftritte des Dirigenten Daniel Barenboim oder des Pianisten Nikolaus Rexroth. Auch die Ausstellung „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“, die in Moskau und Dresden gezeigt wurde, präsentiert ein vielfältiges Deutschlandbild. Natürlich immer mit einem Verweis auf die Gegenwart, so Mantschewa.
Ein besonderes Highlight will die Koordinatorin nicht hervorheben, schließlich waren alle Projekte gut. Sicher ist für Mantschewa nur, dass sie das Deutschlandjahr vermissen wird.

Wenn das Deutschlandjahr im November endgültig vorbei sein wird, bleiben vor allem Netzwerke. Das sei von Anfang an das Ziel gewesen, meint Mantschewa. Man wollte eine digitale Community mit neuen Kanälen für Deutschlandinteressierte aufbauen sowie bestehende Netzwerke stärken. Und damit einen Beitrag zur kulturellen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit leisten.

Daniel Säwert

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