Alles auf eine Karte

Scheine und Münzen waren gestern. In keinem Land Europas bezahlen Verbraucher so oft mit Kreditkarte oder Smartphone wie in Russland. Experten erwarten für die Zukunft sogar noch eine kräftige Zunahme des bargeldlosen Verkehrs.

Immer mehr Russen greifen an der Kasse zur Kreditkarte. /Foto: sperbank.ru

Schnell die Karte zücken, an den Reader halten – und fertig! Wer regelmäßig in Moskauer Supermärkten einkauft, weiß, dass die meisten Russen auch kleinste Rubelbeträge gern und bequem mit der Kreditkarte bezahlen. Immer weniger Menschen nehmen noch Scheine oder Münzen zum Shoppen mit.

Vorreiter ohne Bargeld

Diese Beobachtung bestätigt jetzt auch eine Studie der Boston Consulting Group (BCG). Demnach führt Russland beim bargeldlosen Zahlen in Europa. Die Zahl der Transaktionen ohne Bargeld habe sich in den Jahren zwischen 2010 und 2018 um das 30-Fache erhöht, heißt es in der Untersuchung, welche diesen Zuwachs als „phänomenal“ bezeichnet. Mittlerweile führe jeder Russe durchschnittlich 172 solcher Überweisungen pro Jahr aus.
„Diesem Indikator zufolge hat Russland alle Staaten Europas überholt“, erklärte BCG-Russland-Direktor Max Hauser. Die Gründe für das „russische Wunder“ führt der Experte auf eine hohe Marktkonzentration und Investitionen der russischen Banken in Technologie zurück. Innerhalb kürzester Zeit seien überall im Lande entsprechende Terminals und Kassen installiert worden. Dabei hätten alle an der Umrüstung beteiligten Akteure eng zusammengearbeitet, lobte Hauser. „Und dies hat diese stürmische Entwicklung ermöglicht!“

Mehrere Etappen übersprungen

Aber auch die Offenheit der Russen gegenüber neuen Technologien habe die Entwicklung begünstigt. „Die russischen Verbraucher sind in vielen Aspekten des Lebens freier von überkommenen Traditionen und konnten gleich mehrere Etappen der Entwicklung von Finanzmärkten überspringen“, schätzen die Experten in ihrer Studie ein. Zu diesem Bild passt auch, dass Russland weltweit gesehen am schnellsten zum kontaktlosen Bezahlen und Überweisen per Smartphone übergegangen ist. Für die Zukunft erwarten die BCG-Spezialisten eine noch stärkere Zunahme des bargeldlosen Bezahlens. Allein bis zum Jahr 2028 werden in Europa demnach durchschnittliche Zuwächse von 5,9 Prozent pro Jahr erwartet. Wachstumsmotoren seien dabei neben Russland osteuropäische Staaten wie Litauen, Lettland oder Polen.

Birger Schütz

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