Wolle und Widerspruch

Sie wurde mit Bildern aus Wolle und einer Mal-Maschine bekannt: Rosemarie Trockel zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen im Ausland. Nun sind ihre Arbeiten zum ersten Mal in Moskau zu sehen.

Rosemarie Trockels Kunst kreist um Weiblichkeit und Klischees. Foto: http://mamm-mdf.ru

Sigmar Polke, Georg Baselitz, Gerhard Richter: Die deutsche Kunstszene der 80er Jahre war ein echter Männerbetrieb. Maler mit großen Namen und genauso großen Egos dominierten, vermeintliche Künstlergenies forderten Bewunderung ein, Künstlerinnen mit eigener Stimme hatten es schwer. Kein einfacher Ausgangspunkt. Doch Rosemarie Trockel, die schon seit früher Kindheit mit Farbe und Pinsel hantierte, ließ sich nicht verbittern und fühlte sich zum Widerspruch herausgefordert.

Strickbilder und schöne Klopfer

Mit großformatigen Strickbildern aus bunter Wolle mischte die Künstlerin den Herren-Betrieb auf und machte sich so über vermeintlich typische Frauenarbeit lustig. „Das war damals schon ein ganz schöner Klopfer!“, sagt Astrid Wege vom Goethe-Institut Moskau und muss lachen. „Und das ist ein viel interessanterer Umgang mit Geschlechterzuschreibungen als so eine einfache Antihaltung.“ Die Leiterin der Kulturprogramme der Organisation hat nun eine Auswahl von Trockels Werken nach Moskau geholt. Es ist die erste Ausstellung der Künstlerin in der russischen Hauptstadt. „Wir wollten einen Ansatz zeigen, der hier noch nie zuvor zu sehen war“, begründet Astrid Wege die Idee hinter der Ausstellung im Multimedia Art Museum. „Und Rosemarie Trockel gehört auch einfach zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen im Ausland!“

Eine Malmaschine gegen Genies

Neben den berühmten Strickbildern macht vor allem ein rechteckiges Gestell aus Metall neugierig. Von den Querstreben der Konstruk­tion baumeln an langen Fäden mehrere Pinsel herab. Gleich daneben hängen großformatige Bilder mit langen gepunkteten schwarzen Linien. „Das ist die Mal-Maschine“, erklärt Astrid Wege. Mit der Installation aus dem Jahr 1990 habe Trockel das Klischee des Künstler-Genies ad absurdum geführt. „Der Mythos des Malens wird völlig dekonstruiert und die Arbeit einfach an eine Maschine delegiert“, erläutert Wege und deutet auf die minimalistischen Gemälde an der Wand. „Und die produziert dann auch noch schöne Ergebnisse!“ Auch in zahlreichen Tusch- und Kohlezeichnungen, Siebdrucken, Collagen und kurzen Videofilmen wird Trockels humorvoller und spielerischer Umgang mit gesellschaftlichen Zuschreibungen und Klischees deutlich.

„Ich fand die Ausstellung super“, erklärt Ausstellungsbesucherin Mascha aus Moskau. „Das sind alles ziemlich scharfsinnige Dekonstruktionen weiblicher Rollenvorstellungen.“ Die Schau ist noch bis zum 17.  November geöffnet.

Birger Schütz

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