Unterwegs an Moskaus Teichen

Sie gehören zu Moskau wie die Metro und der Rote Platz. Mehrere Hundert Teiche bringen ein wenig Natur in die Millionenstadt. Für die Einheimischen sind sie Flaniermeile und vor allem Orte der Erholung.

Perle im Stadtzentrum: Die Patriarchenteiche sind der Party-Hotspot der oberen Mittelschicht. (Foto: A.Savin/ WikiCommons)

Ohne sie wäre Moskau etwas weniger lebenswert. In nahezu jedem Stadtviertel verleihen Teiche der russischen Metropole ein besonderes Flair. Über 300 soll es in der Stadt geben mit einer Gesamtfläche von 800 Hektar. Einige existieren bereits seit Jahrhunderten und wurden immer wieder umgebaut, andere wurden dagegen erst in der Sowjetunion angelegt. Oft als Löschwasserreservoir, vor allem aber als Ort, an dem man sich erholen kann, wenn der Sommer mal wieder zu warm und die Wohnung mal wieder zu eng ist. Die MDZ zeigt eine Auswahl.

Die Ausgehteiche

Ohne sie hat man Moskau nicht gesehen. Die Patriarschije und die Tschistyje prudy (Patriachenteiche und Saubere Teiche) sind ein Muss für jeden Touristen und auch für viele Moskauer selbst. Die beiden in der Innenstadt gelegenen Teiche sind Orte, die nicht nur von schöner Architektur umgeben sind. Hier kommt man her, um zu flanieren, um zu sehen und um gesehen zu werden. Vor allem die Patriarschije prudy, von den Moskauern liebevoll „Patriki“ genannt, haben sich in den vergangenen Jahren zu einem Party-Hotspot entwickelt. Wer sich aber dort in die Bars begibt, sollte genügend Kleingeld mitnehmen. Denn der Teich und seine Nebenstraßen gehören zu den teuersten Gegenden Moskaus. 

An den Tschistyje prudy wird hingegen mehr auf dem Boulevard entlanggeschlendert als in Bars gesessen. Hier treffen sich all diejenigen, die in der Innenstadt ein wenig Grün suchen. Auch Fußballfans und viele Jugendliche treffen sich gerne hier. Wer hier an warmen Abenden spazieren geht, trifft auf viele Gruppen, die Musik machen oder einfach nur die Zeit genießen. 

Die Zarenteiche

Im Nordosten Moskaus, am Rand des heutigen Ismajlowo, befand sich einst das Anwesen des Zaren Alexej Michailowitsch, dem Vater Peters des Großen. Der befahl im 17. Jahrhundert, einen Damm zu bauen und schuf damit den Serebrjano-Winogradnyj prud. Den recht unaussprechlichen Namen verdankt der Teich den Weinreben, die in einem Garten an seinem Ufer wuchsen. Peter der Große unternahm hier seine erste Bootsfahrt. Heute ziehen vor allem die Sportplätze und der Bootsverleih die Moskauer an. Denn vom Wasser hat man nicht nur einen schönen Blick auf das Anwesen Ismajlowo aus dem 17. Jahrhundert, sondern auch auf den Kreml Ismajlowo, eine Art Freizeitpark im altrus­sischen Stil. 

Viele Teiche können mit dem Boot entdeckt werden. (Foto: Sergej Wedjaschkin/ AGN Moskwa)

Tief im Südosten der Stadt hat sich ein anderer Zar auf der Gewässerkarte verewigt, sogar mit seinem Namen. Denn das Stadtviertel Borisowo mit den Borisowskije prudy wurde nach Boris Godunow benannt, der um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert ein paar Jahre über Russland herrschte. Damals war das Gebiet noch nicht Teil der Stadt und der Fluss Gorodnja war mit seinem Fischreichtum die wichtigste Einkommensquelle der lokalen Bauern. Godunow ließ einen Damm bauen und den Fluss zum Teich aufstauen. Im Jahr 2011 wurde rund um die Teiche ein Park errichtet. Bänke, Fußballplätze, und 18 Spielplätze locken die Menschen im Plattenbaugebiet seitdem raus ins Freie. 2018 kamen sogar noch drei Skateparks hinzu.

Der Literatenteich

Kontraste in Ljublino: Der Blick über den Teich geht ins Neubauviertel. (Foto: NVO/ WikiCommons)

Ein paar Kilometer nördlich von Borisowo ließ sich einst der berühmte Schriftsteller Fjodor Dostojewki nieder. Damals im 19. Jahrhundert war das heutige Stadtviertel Ljublino eine Feriensiedlung, in der sich Dostojewski ein Haus mietete und sein berühmtestes Werk „Verbrechen und Strafe“ schrieb. Die alte Siedlung ist nicht erhalten. Lediglich das Gutshaus Ljublino erinnert daran, dass die Ljublinskije prudy einst nicht von Hochhäusern umringt waren. 

Der Teich und das Ufer werden aktuell saniert. Es sollen eine neue  Uferpromenade und ein Liegeplatz für Boote entstehen. Kulturliebhaber können sich bald auf ein  Amphitheater und einen Tanzplatz freuen. Das Highlight sind aber die 32 Schaukeln, die direkt am Ufer errichtet werden. 

Bis zum nächsten Teich ist es übrigens nicht weit. Eine Viertelstunde Spaziergang gen Osten entfernt befindet sich der Park Kusminki mit dem Schabajewskij prud und den Kusminskije prudy. Ideal für alle, die es etwas kühler mögen. Denn die Teiche befinden sich in einem Wald.  

Die sowjetisch-sportlichen Teiche

Die Teiche im Olympischen Dorf sind bei den Anwohnern sehr beliebt. (mos.ru/ WikiCommons)

Als Moskau 1980 die Welt zu den Olympischen Spielen empfing, wurde im Südwesten der Stadt für die Athleten das Olympische Dorf errichtet. Schnell war klar, dass die Kleinstadt auch einen Erholungsbereich braucht. So entstanden die Olimpijskije prudy. Nachdem die olympische Flamme erloschen war und Maskottchen Mischka seine letzte Abschiedsträne verdrückt hatte, bezogen gewöhnliche Moskauer das Athletendorf und erfreuten sich an der hervorragenden In­frastruktur besonders an den Teichen. 2013 rückten die Bagger zur Sanierung an.

Dabei erinnerte man sich an das Großereignis und entwarf ein Design, das den Stil der Olympischen Spiele aufgreift. Natürlich entstand an den Teichen auch Neues: Fahrradwege, Sport- und Kinderplätze, ein Bootshaus und ein Seilpark. Für Bewegung war gesorgt. Direkt am Wasser gibt es seitdem auch ein paar Cafés, in denen man sich nach einem langen Spaziergang stärken kann. Die Hauptsehenswürdigkeit der Olympijskije prudy ist aber die Wasserfläche. Hier finden an Feiertagen Konzerte statt und im Sommer gibt es hier Vorträge und Lesungen. 

Warwara Rjabowa

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