Triathlet Jonas Deichmann: Keine Angst vor Bären

Bis zum Baikalsee hat es Jonas Deichmann mit dem Fahrrad bereits geschafft. Die Reise quer durch Russland ist Teil seiner persönlichen Triathlon-Challenge von München nach München – einmal um die Welt.

Mit der Aussicht auf die nächste Portion Pelmeni hält sich Jonas Deichmann bei Laune. (Foto: Jonas Deichmann)

Der Deutsche Jonas Deichmann spricht kein Russisch, aber er kennt vier wichtige Wörter, die sowohl die Seele wärmen als auch mit einer angenehmen Wärme im Magen zusammenhängen: Pelmeni, Sauerrahm, Blini und Kartoffeln. Sie sind die Grundlage für seine Ernährung in Russland, wohin er Mitte März mit dem Fahrrad gekommen ist.

Deichmann ist 34 Jahre alt und hat die letzten vier Jahre damit verbracht, Weltrekorde zu brechen – riesige Distanzen in kurzer Zeit mit dem Fahrrad, beim Schwimmen und Laufen. Im Jahr 2017 reiste er durch ganz Eurasien, 2018 nach Nord- und Südamerika, 2019 ging es vom norwegischen Nordkap bis ins südafrikanische Kapstadt. Und nun eine neue Herausforderung, eine einjäh­rige Reise durch West- und Osteuropa, Nordamerika, begonnen in München, um auch wieder in der bayerischen Hauptstadt anzukommen.

Er fürchtet weder Viren noch Bären

Und das in einer Zeit der Corona-Pandemie, in der sich die Grenzen von Staaten öffnen und schließen und Gelegenheitsreisende nicht willkommen sind. „Ich hatte diese Reise schon zwei Monate vor Ausbruch der Pandemie geplant. Im Sommer habe ich überlegt, ob ich absagen oder verschieben soll. Im September ging es dann los“, sagt Jonas Deichmann. Das Frühjahr letzten Jahres verbrachte er in der Schweiz, wo er sich auf die Reise vorbereitete. Deichmann scheint nichts zu fürchten: keine geschlossenen Grenzen, keinen russischen Bären (er hat auf einer Reise durch Eurasien schon einen getroffen) und kein Virus. „Ich gehöre nicht zur Risikogruppe: Ich bin jung und sportlich, schlafe im Zelt und trage an öffentlichen Orten eine Maske“, sagt der Sportler.

Der mutige Deutsche plant alle seine Reisen selbst, manchmal hilft sein Vater, die logistischen Schwierigkeiten zu lösen. Aber im Großen und Ganzen kümmert sich Deichmann allein um alle Herausforderungen und erzählt dann als Gastredner bei Veranstaltungen, wie er daraus Stärke gewinnt.

Seit September unterwegs

Jonas Deichmann ist im September in München aufs Rad gestiegen, die feierliche Verabschiedung fand in der Innenstadt am Odeonsplatz statt. Zunächst ging es bis nach Karlobag in Kroatien, wo der Athlet ins Wasser sprang und bis Dubrovnik entlang der kroatischen Küste schwamm. Über 450 Kilometer waren das. Von dort ging es wieder mit dem Fahrrad weiter.

Im April 2021 schlug er sein Zelt auf dem zugefrorenen Baikalsee auf. Es war nicht einfach, nach Russland zu kommen, man musste geduldig sein und Verbindungen herstellen. „Ich habe zwei Monate in der Türkei verbracht und auf ein russisches Visum gewartet“, sagte der Triathlet. Hilfe bekam er vom deutschen und vom russischen Triathlon-Verband und vom Olympischen Komitee. Schließlich erhielt er ein Sportvisum. Von der Türkei ging es nach Bulgarien, von dort in die Ukraine und dann landete an der südrus­sischen Grenze.

200 Kilometer pro Tag

Der Triathlet hat in Russland eine grundlegende Überlebensausrüstung dabei: zwei warme Jacken und zwei Schlafsäcke. Oft schläft er in einem Zelt, manchmal in einem Hotel. „Meine Instagram-Follower bieten mir oft an, bei ihnen unterzukommen, aber wegen des Coronavirus mache ich das nicht“, erklärt der Reisende. Er isst in Straßencafés, wo er eine doppelte Portion eben jener Pelmeni mit saurer Sahne und Pfannkuchen bestellt.

Deichmann fährt etwa 200 Kilometer am Tag. Im Laufe eines Monats in Russland hat er mehrmals die Teile seines Fahrrads ausgetauscht. Schuld daran sind die Straßen und die rauen Wetterbedingungen. Einmal ist die Fahrradkette über Nacht so eingefroren, dass er darauf urinieren musste. Auf die Frage, was passiert, wenn sein Fahrrad fernab der Zivilisation den Geist aufgibt, antwortet der Sportler schlicht: „Dann gehe ich zu Fuß“. Wichtig ist ihm, dass er diese Reise möglichst CO2-neutral unternimmt. Er wird nicht in ein Auto steigen oder den Zug nehmen.

Das letzte Mal hat sich Jonas in München rasiert. Das hält warm, sodass er als russischer Mann auf einem Fahrrad in der Transsibirischen Eisenbahn durchgehen könnte.

Bis nach Wladiwostok

Er mag Russland und die Russen: „Die Menschen hier sind gut und freundlich. Nur leider spricht hier kaum jemand Englisch. Ich kann nur ganz wenige Wörter russisch, Essen bestellen, aber mich leider nicht unterhalten.“ An die Stelle der fehlenden realen Kommunikation tritt die virtuelle. Deichmann ist auf Social Media aktiv, wo er seinen Followern von seinem ungewöhnlichen Tagesablauf erzählt.

Und wie geht er mit Stress um? „Das Wichtigste ist, positiv zu bleiben und sich kleine Ziele zu setzen.“ Er sagt sich zum Beispiel: „Noch 15 Kilometer, dann kommt ein Café mit leckeren Pelmeni und Blini!“ Solche Gedanken helfen.

Deichmann fährt bis nach Wladiwostok. Von dort geht es auf dem Seeweg über den Pazifik, wo ein über 4000 Kilometer langer Lauf bis zur Atlantikküste ansteht.

Ljubawa Winokurowa

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