
In den 16 Jahren seines Bestehens ist das Projekt zu etwas weit Größerem geworden als nur einem jährlichen Fest. Es ist die Möglichkeit, offen zu zeigen, wie viele herausragende Menschen mit deutschen Wurzeln heute in Russland leben, arbeiten und schaffen – in Wissenschaft und Kunst, im Sport und in der Pädagogik, im gesellschaftlichen Engagement und in der Landwirtschaft.
„Im Jahr der Einheit der Völker ist es für uns sehr wichtig, offen darüber zu sprechen, wer die Russlanddeutschen sind, und bedeutende Namen zu würdigen“, betonte Konstantin Matis, Präsident der Föderalen Nationalen Kulturautonomie der Russlanddeutschen, in seinem Grußwort. Die Galerie der diesjährigen Preisträger ist ein deutlicher Beweis dafür.
Preisträger des Wettbewerbs
Otto Groß aus dem Dorf Tabuny im Altai ist Landwirt, Verdienter Mitarbeiter der Landwirtschaft der Russischen Föderation. Seine Familie arbeitet bereits seit mehreren Generationen auf dem Land. Otto Groß selbst betonte mit Stolz: „Mein Großvater, mein Vater, mein Bruder, meine Schwester, unsere Kinder – alle arbeiten als Führungskräfte.“

Andrei Bliok aus St. Petersburg ist Akademiker der Russischen Akademie der Künste, Professor an der Repin-Kunstakademie. In diesem Jahr feiert er gleich zwei Jubiläen: seinen 80. Geburtstag und 55 Jahre pädagogische Tätigkeit. In diesen Jahren hat er eine ganze Generation von Meistern ausgebildet, die die Traditionen der monumentalen Schule fortsetzen. Bei der Verleihung gestand der Künstler mit einem Lächeln, dass sein Großvater Johann Gustav Bliok, hätte er von einer solchen Auszeichnung erfahren, wohl gesagt hätte: „Bravo, Enkel!“
Wladimir Eisner aus Nowosibirsk ist Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent, Autor von mehr als 50 Dokumentarfilmen, Mitglied der Filmakademie „Nika“. Bei der Entgegennahme des Preises in der Kategorie „Kunst“ sagte er: „Mit den Menschen, die vor mir hier standen, verbindet uns die Fähigkeit zu arbeiten. So zu arbeiten, wie es die Deutschen können.“
Eine Schülerin und ihr Held
Die Moskauer Siebtklässlerin Jelisaweta Serebrjakowa verbrachte mit ihren Eltern den Urlaub im Skigebiet „Rosa Chutor“ bei Sotschi. In der freien Zeit zwischen den Abfahrten schaute sie sich Filme über Bergbesteigungen an und las über Bergsteiger. Dabei stieß sie zufällig auf ein Interview mit Tichon von Stackelberg aus St. Petersburg. Ungewöhnlich war dabei alles: sowohl der Namenszusatz „von“, der auf eine Adelsfamilie hinweist, als auch der Familienname selbst, in dem das deutsche Wort „Berg“ bereits auf die Berufung hindeutete. Das faszinierte sie zutiefst. Wie sich noch herausstellte, kennt Tichon seine Abstammung bis zur 17. Generation: Seine Vorfahren stammen aus Bayern, zogen später ins Baltikum und schlugen dann Wurzeln in Russland.
Zurück in Moskau nahm Jelisaweta an einem Aufsatzwettbewerb „Meine deutsche Wurzeln“ des Jugendrings der Russlanddeutschen teil. In einer der Kategorien sollte man über einen Menschen schreiben, der einen inspiriert, und sie schrieb über Tichon von Stackelberg, siebenfacher Sportmeister Russlands und Weltmeister in verschiedenen Klassen. „Ich träume davon, zu sagen: ‚Hallo, Tichon!‘ und mir sein Autogramm geben zu lassen“, bekannte Jelisaweta in ihrem Aufsatz.
Sie gewann den Wettbewerb und ihre Geschichte löste eine Welle der Aufmerksamkeit aus. Die MDZ druckte ihren Aufsatz nach, und die Selbstorganisation der Russlanddeutschen erfuhr von diesem außergewöhnlichen Sportler. Das russlanddeutsche Begegnungszentrum in St. Petersburg wurde auf ihn aufmerksam und schlug eine Kandidatur von Tichon von Stackelberg für den Wettbewerb „Russlands herausragende Deutsche“ vor.
Und schon ging Jelisawetas Traum in Erfüllung. Sie holte sich nicht nur das Autogramm des Sportlers, sondern überreichte ihm persönlich die Auszeichnung des Wettbewerbs – einen Ehrenteller mit seinem Namen. Und Tichon gestand seinerseits: Wenn er für die Gemeinschaft der Russlanddeutschen eine Entdeckung wurde, so sei die Existenz einer solchen Gemeinschaft eine Entdeckung für ihn selbst geworden.

Von der Initiatorin zur Preisträgerin
Erstmals wurde der Wettbewerb „Russlands herausragende Deutsche“ im Jahr 2011 auf Initiative der MDZ-Verlegerin Olga Martens durchgeführt. Nach 16 Jahren kam es zu einer unerwarteten „Rochade“: Aus der Initiatorin und Organisatorin des Wettbewerbs wurde Olga Martens nun selbst eine ihrer Preisträgerinnen.
In der Kategorie „ziviles Engagement“, die nach Artur Karl benannt ist, wurde sie als Autorin der wichtigsten Projekte des Internationalen Verbands der deutschen Kultur ausgezeichnet, einschließlich des Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche“ selbst. Von 2009 bis 2022 bekleidete Olga Martens das Amt der Ersten stellvertretenden Vorsitzenden des IVDK.

Olga Martens selbst konnte nicht an der Zeremonie teilnehmen, schickte jedoch eine Videogrußbotschaft, die den Gästen des Abends gezeigt wurde. „Das ist für mich sehr ungewohnt. Als Organisatorin eines Wettbewerbs denkt man am wenigsten daran, selbst zu seinen Preisträgern zu gehören. Aber ich hoffe sehr, dass die unabhängige Jury nicht nur meine Idee der Gründung gewürdigt hat, sondern meine langjährige Arbeit im Internationalen Verband der deutschen Kultur, der in diesem Jahr sein 35-jähriges Jubiläum feiert“, bekannte sie in ihrer Ansprache.
Name des Volkes: Matwej Maniser und Wladimir Bauer
Einen besonderen Platz in der Galerie der diesjährigen Preisträger nimmt der Name Matwej Manisers ein, des herausragenden sowjetischen Monumentalbildhauers, Klassikers des sozialistischen Realismus, Volkskünstlers der UdSSR. Ihm wurde der Preis in der Kategorie „Name des Volkes“ verliehen. Den Preis nahm seine Großnichte Nina Puljachina-Maniser entgegen, Verdiente Künstlerin der Russischen Föderation und Autorin der Monografie „Maniser. Eine Künstlerdynastie“.
Matwej Manisers (1891–1966) Schaffen prägte eine ganze Epoche. In 40 Jahren schuf er Dutzende von Denkmälern, die zu Symbolen ihrer Zeit wurden. Seine Werke stehen in Städten Russlands und weit darüber hinaus. Eines davon befindet sich heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin — die Geschichte dahinter wäre einen eigenen Roman wert.

Ein weiterer Preisträger der Kategorie „Name des Volkes“ wurde Wladimir Bauer (1946–2007), herausragender Staats- und Gesellschaftspolitiker, einer der wichtigsten Architekten der Wiederbelebung der Russlanddeutschen in der postsowjetischen Zeit. Den Preis aus den Händen des Haupttrainers der Fußballnationalmannschaft der Russlanddeutschen „RusDeutsch“, Andrei Rothermel, nahm seine Schwester Nadeschda Minakowa entgegen, Mitglied des Rates der Nationalen Kulturautonomie der Deutschen des Gebiets Tomsk.
Andrei Rothermel hob das besondere Verdienst des Jubilars hervor: „Wladimir Bauer gehörte zu denen, die das Land in den 1990er-Jahren vor dem Zerfall bewahrten. Er verband die Möglichkeiten des Staates mit den Bedürfnissen der Russlanddeutschen und sorgte für einen Kompromiss zwischen Macht und Gesellschaft.“ Diese Worte sind eine Erinnerung daran, dass die Russlanddeutschen nicht nur in den schwierigsten Jahren ihre Identität bewahrten, sondern auch aktiv am Aufbau des modernen Russlands mitwirkten.
„Einen bedeutenden Beitrag“
„Die Russlanddeutschen blieben auf ihrem Heimatboden und leisteten einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung von Kultur, Wissenschaft, Bildung, Kunst und Sport – immer bestrebt, das Land besser zu machen“, betonte Jelisaweta Graf, Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur, in ihrer Rede. Genau davon handelt der Wettbewerb „Russlands herausragende Deutsche“. Davon, dass deutsche Wurzeln nicht nur Erinnerung an die Vergangenheit sind, sondern ein lebendiger Beitrag zur Gegenwart.
Olga Silantjewa


