Öffentlicher (T)Raum: Gorki-Park und WDNCh im Vergleich

Noch vor wenigen Jahren boten sie ein trauriges Bild, heute stehen der Gorki-Park und das WDNCh sinnbildlich für den Wandel, den Moskau zuletzt durchgemacht hat. Wir blicken auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden angesagten Fußgängerzonen.

Größe

WDNCh: 240 Hektar

Gorki-Park: 120 Hektar

Top-Adressen, um in Moskau die Freizeit zu verbringen: der Gorki-Park (oben) und das WDNCh (Fotos: A. Savin/Wikimedia Commons, Don-vip/Wikimedia Commons)

Beide Anlagen sind in ihre Umgebung eingebunden, deshalb variieren die Angaben zu ihrer Größe in den verschiedenen Quellen. Der Gorki-Park schließt verwaltungstechnisch auch den Park Museon auf der anderen Straßenseite des Krymskyj Wal sowie den Neskutschnyj Sad und sogar die Sperlingsberge mit ein, doch im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit das Gelände zwischen der Krim- und der Andrejew-Brücke gemeint. Das WDNCh geht mehr oder weniger nahtlos in den noch größeren Botanischen Garten über.

Lage

Gorki-Park: Am Gartenring. Viel zentraler geht es nicht, zumindest in dieser Größe. Metrostationen Park Kultury oder Oktjabrskaja, von dort ein kurzer Fußweg.

WDNCh: Auf halbem Wege zwischen Stadtzentrum und Ring­autobahn gen Norden. Metrosta­tion WDNCh.

Besucherzahl pro Jahr

WDNCh: 33 Millionen (2019)

Gorki-Park: 26 Millionen (2017)

Status

Gorki-Park: „Der wichtigste Park des Landes“ und „Der erste Park von Weltniveau in Russland“ – so unbescheiden bezeichnet sich der Gorki-Park auf seiner Webseite. Und das ist noch nicht mal übertrieben. Wer Gästen aus der Provinz oder dem Ausland ein Gefühl für das heutige Moskau vermitteln will, der bringt sie am besten hierher. Zum Relaxen mit Stil. Und zum Leutegucken. Und überhaupt.

WDNCh: Genau genommen ist das WDNCh gar kein Park, sondern ein Messe- und Ausstellungsgelände. Über 70 historische Pavillons, gebaut meist in der Nachkriegszeit, verteilen sich auf dem Gelände. Nirgendwo in Moskau ist die Dichte an Stalinarchitektur größer. Die Pavillons sollten einst die Errungenschaften der einzelnen Sowjetrepubliken oder von Wirtschaftszweigen preisen. Beliebte Fotoobjekte im WDNCh sind auch die Springbrunnen „Völkerfreundschaft“ und „Steinerne Blume“.

Geschichte

WDNCh: War ursprünglich als Landwirtschaftsschau konzipiert und sollte der Bevölkerung zum 20. Jahrestag der Sowjetmacht 1937 die Vorzüge der Kollektivierung demonstrieren, wurde aber erst 1939 fertig. 1941 nach Kriegsausbruch geschlossen und erst 1954 nach gründlichem Umbau wiedereröffnet. Da war Stalin inzwischen gestorben und eine geplante, 30 Meter hohe Statue zu seinen Ehren hinfällig geworden, weil der „Woschd“ nach seinem Tod nicht ganz so personenkultig war.

Gorki-Park: Der „Zentrale Kultur- und Erholungspark“ wurde den Besuchern 1928 zugänglich gemacht. Er war vom namhaften Sowjetarchitekten Konstantin Melnikow konzipiert worden, einem Vertreter der Avantgarde.

Gegenwart

Gorki-Park: Als Sergej Kapkow 2011 die Leitung des Parks übernahm, tat er mit Rückendeckung von Bürgermeister Sergej Sobjanin vor allem eins: Er räumte auf. Schießbuden, heruntergekommene und überteuerte Fahrgeschäfte schmiss er gnadenlos raus. Der Park kam nach vielen Jahrzehnten, in denen er mit allem möglichen Plunder vollgestellt wurde, überhaupt wieder so richtig zum Vorschein – und wurde plötzlich zum coolsten Ort von Moskau, zu einem Trendsetter dafür, wie öffentlicher Raum aussehen sollte.

WDNCh: Noch in den Perestroika-Jahren war es vorbei mit der Pavillon-Herrlichkeit. Die Bauten wurden aus Geldmangel vermietet und in der Folge zu Ramschläden, wo Honig, Teppiche oder Schuhe zu kaufen waren. Aus der „gesamt­russischen Ausstellung“ wurde das WDNCh im Volksmund zur „gesamtrussischen Schaschlykbude“. 2013 ging das Gelände wieder in den Besitz der Stadt über, die seitdem Millionen investiert hat, um es nach dem Vorbild des Gorki-Parks wieder zu einem Freizeit-Paradies zu machen. Von 49 Kulturdenkmälern sind mittlerweile 20 saniert.

Highlights

Eine Klasse für sich ist der Spielplatz „Saljut“ im Gorki-Park. Das Foto zeigt nur einen kleinen Teil davon. (Foto: Tino Künzel)

Gorki-Park: Das Zentrum „Garasch“ für moderne Kunst, die Nike Box, die besten Spielplätze von Moskau, wenn nicht Russland, vor allem der 2018 eingeweihte Spielplatz „Saljut“, bei dem auch die deutsche Richter Spielgeräte GmbH mit Hand angelegt hat. Vor allem aber kann im Gorki-Park jeder nach seiner Fasson glücklich werden: spazieren gehen, Fahrrad fahren, barfuß übers Gras laufen, tanzen, Musik hören, Musik machen. Die Auswahl ist riesig.

WDNCh: „Moskwarium“, eines der größten Ozeanarien der Welt, der von Grund auf überholte Kosmos-Pavillon, zahlreiche Multimedia-Ausstellungen wie etwa die Robostanzija im Pavillon 2. Wer nicht einfach nur über die Anlage schlendert, sondern auch nur einen Teil der Museen und anderen Einrichtungen besichtigen möchte, der kann hier gut einen ganzen Tag verbringen.

Das „Moskwarium“ im WDNCh, wo in 80 Aquarien mehr als 12.000 Salz- und Süßwasserbewohner zu bestaunen sind (Foto: Tino Künzel)

Winter

Die Alleen in beiden Parks werden in der kalten Jahreszeit zu Eislaufbahnen. Die im Gorki-Park hat noch etwas mehr Atmosphäre.

Öffnungszeiten

Rund um die Uhr. Der Eintritt ist hier wie dort kostenlos.

Zusammengestellt von Tino Künzel.

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