Moskau: Die meisten Straftaten geschehen in der City

Moskau ist eine relativ sichere Stadt. Wo dennoch die meisten Verbrechen begangen werden, zeigt der „Atlas der russischen Kriminalität“, der von dem Magazin „Projekt“ veröffentlicht wurde. Er zeigt, dass Straftaten vor allem im Zentrum begangen werden. Und dass Eigentumsdelikte immer mehr ins Internet wandern.

In der Moskauer Innenstadt hat die Polizei am meisten Arbeit. (Foto: Natalja Seliwerstowa/ RIA Novosti)

Moskauer Stadtteile wie Goljanowo oder Perowo mögen einen schlechten Ruf haben, doch wenn es um die meisten Straftaten pro Kopf geht, dann sind es vielmehr die Innenstadtbezirke, die die Liste anführen. Insbesondere Delikte wie Diebstahl und Raub häufen sich rund um Einkaufszentren, Märkte und Großbaustellen. Überwachungskameras tragen oft weniger zur Aufklärung bei als man annehmen mag und Eigentumsdelikte verlagern sich immer mehr ins Internet. Das sind die wichtigsten Punkte, die aus dem „Atlas der russischen Kriminalität“ für die Hauptstadt hervorgehen.

Die von der Redaktion des Magazins „Projekt“ erarbeiteten Karten basieren auf offiziellen Statistiken des Innenministeriums und kommunaler Behörden für innere Angelegenheiten. Die Autoren legen zunächst dar, warum sie im Prinzip nur für Moskau detaillierte und relativ glaubhafte Daten vorlegen können. „Die Sache ist, dass Kriminalstatistiken schlecht geführt oder unter Verschluss gehalten werden“, schreiben sie. Dazu kämen gezielte Manipulationen.

Schwierige Datenlage

Die einzige zuverlässige Quelle seien daher die Jahresberichte über die Aktivitäten des Innenministeriums. Zwar klagen die Autoren auch hier über regional schwankende Disziplin bei der Erfüllung der Pflichten, in Moskau sei die Datenlage dagegen ausreichend, um ein differenziertes Bild zu vermitteln.

Die Hauptstadt rangiert hinsichtlich der pro Kopf begangenen Straftaten im Jahr 2020 auf dem 19. Rang aller Regionen in Russland. Pro 100 000 Einwohner wurden 1158 Straftaten begangen. Besser schnitten etwa St. Petersburg sowie einige Republiken im europä­ischen Teil des Landes ab. Unter den Millionenstädten ist Moskau nach St. Petersburg die zweitsicherste, Schlusslicht ist Tscheljabinsk.

Viele Diebstähle in Ausgehvierteln

Interessant wird es, wenn man die einzelnen Moskauer Stadtteile betrachtet. Spitzenreiter bei der Summe aller Straftaten ist Jakimanka in der Innenstadt mit 3810 auf 100 000. Hier liegen etwa der Gorki-Park und das Kulturzentrum Roter Oktober. Ebenfalls mit Werten über 3000 warten die in der City gelegenen Stadtteile Krasnoselskij, Meschtschanskij und Twerskoj. Allesamt sind das Gegenden, in denen sich viele Auswärtige aufhalten, etwa Touristen und Nachtschwärmer. Es kommt dort vor allem zu Diebstählen, berüchtigte Hotspots sind der Kasaner Bahnhof, die Twerskaja Uliza und die Gegend um die Metrostation Belorusskaja.

Außerhalb des Gartenrings werden meist Verkehrsknotenpunkte, Einkaufszentren, Märkte und Großbaustellen als Orte genannt, an denen sich Straftaten häufen. Im Stadtteil Swiblowo etwa fand 2019 ein Drittel aller Straftaten auf dem Gelände des Einkaufszentrums Europolis statt. Außerdem werden die Verkehrsknotenpunkte um die Metrostationen Tuschinskaja und Domodedowskaja als Brennpunkte genannt, letztere im Zusammenhang mit Drogenhandel. In Zarizyno dagegen sollen sich auf dem dortigen Markt Fälle von Hehlerei häufen. Eine gesonderte Karte auf der Website zeigt alle diese in den Berichten genannten Brennpunkte auf.

Verbrechen verlagert sich ins Internet

Im Jahr 2018 wurde im Bereich einer Großbaustelle in Wostotschnoje Birjuljowo, auf der gleichzeitig 5000 Menschen lebten und arbeiteten, ein signifikanter Anstieg von Raubüberfällen und Diebstählen verzeichnet. Die Verfasser des Berichts machen dabei die Arbeitgeber mitverantwortlich, die dort Migranten unter „unmenschlichen Lebensbedingungen“ unterbrachten.

Insgesamt zeigt sich jedoch, dass es mittlerweile deutlich wahrscheinlicher ist, Opfer eines Kreditkartenbetrugs als eines Taschendiebstahls oder Raubs zu werden.

Im vergangenen Jahr war die Videoüberwachung mit Gesichtserkennung ein großes Thema in Moskau. Sie führt bislang, so die Autoren, allerdings nicht in großem Umfang zur Aufklärung von Straftaten. Über 100 000 Kameras sind mittlerweile an das System angeschlossen. Im vergangenen Jahr sollen sie etwa bei 13 Prozent der aufgeklärten Verbrechen behilflich gewesen sein. Die Datenlage sei jedoch nicht in allen Stadtteilen nachvollziehbar. Mit dem Gesichtserkennungssystem konnten zudem im selben Jahr 263 gesuchte Kriminelle verhaftet werden. Aus Sicht des Innenministeriums liegt der Erfolg der Kameras jedoch vor allem in der Prävention von Straftaten. Der Großteil der Gewaltdelikte – immerhin 90 Prozent – findet allerdings ohnehin nicht unter den Augen der Kameras, sondern hinter verschlossenen Türen in Privatwohnungen statt, so die Statistik.

Doch immerhin eine gute Nachricht: Was Tötungsdelikte angeht, ist Moskau ein sehr sicheres Pflaster. Zwei Fälle pro 100 000 Einwohner stehen im krassen Kontrast zur Republik Tuwa im Süden Sibiriens, wo der traurige Höchstwert von 40 erreicht wird.

Jiří Hönes

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