Eine Rose aus Wolgograd

Sie rollt das „R“ und nennt ihren Freund „Muschko“: In der deutschen Vorabendserie „Rote Rosen“ gibt es mit Tatjana Petrenko erstmals eine russlanddeutsche Rolle. Warum sie leider etwas farblos bleibt.

Judith Sehrbrock spielt die Russlanddeutsche Tatjana Petrenko. (Foto: ARD/ Thorsten Jander)

Tatjana Petrenkos erster Auftritt ist voller Action. „Den schnapp ich mir“, ruft die 46-Jährige empört als ein vermummter Dieb völlig überraschend die Handtasche von der Schulter einer Passantin reißt. Tatjana lässt alles stehen und liegen und sprintet dem Übeltäter hinterher. Einpeitschende E-Gitarrenriffs untermalen die Verfolgungsjagd im Lüneburger Stadtzentrum. Als der flüchtende Langfinger schließlich merkt, dass er seine zähe Verfolgerin nicht abschütteln kann, lässt er die Beute fallen und verschwindet unerkannt in einer Nebenstraße. Wenig später übergibt die noch keuchende Tatjana die Handtasche ihrer überglück­lichen Besitzerin. „Na ja, ich trainiere ja jeden Tag“, wehrt sie deren wortreiche Dankesrede ab und legt kokett den Kopf auf die Seite, „da ist ein kleiner Zusatzsprint schon drin!“

Erste Russlanddeutsche im Vorabendprogramm

Der dynamische Auftritt stammt aus der ARD-Telenovela „Rote Rosen“, deren 18. Staffel im Oktober 2020 in Deutschland anlief. Mit der von Schauspielerin Judith Sehrbrock gemimten Tatjana steht in der Geschichte der erfolgreichen Vorabendserie nun erstmals eine Russlanddeutsche im Zentrum. „Als Tochter deutschstäm­miger Eltern aus Wolgograd hat sie gelernt, dass einem nichts geschenkt wird“, heißt es auf der Homepage der Sendung über die weibliche Hauptrolle. Tatjana sei bereits ein Jahr nach ihrer Geburt nach Deutschland gekommen, habe schon als Kind beim Ballett Disziplin und Haltung gelernt, während ihre Klassenkameradinnen nach der Schule Freizeit hatten. Nun plane die toughe Geschäftsfrau, die allein ihren Sohn Sascha großzieht, den Aufbau einer Online-Plattform für Möbel und Wohnaccessoires. Unabhängigkeit und Selbstbestimmung seien ihr sehr wichtig.

Der rätselhafte Muschko

Auch eine Liebesgeschichte darf in der Telenovela natürlich nicht fehlen. So merkt Tatjana nach mehreren Folgen eher zufällig, dass ihr Partner schon seit einigen Jahren mit ihrer neuen besten Freundin verheiratet ist, der sie zu Beginn der Serie so hingebungsvoll die Handtasche rettete. Jenseits der Klischees über Strenge und Disziplin haben die Drehbuchschreiber ihrer Rolle nicht besonders viel Russisches zugeschrieben. So rollt Tatjana hin und wieder das „R“ in Wolgograd besonders stark und nennt ihren Partner rätselhafterweise „Muschko“. „Das sagen wir zärtlich für Mann“, erklärt sie. Im Russischen gibt es einen solchen Kosenamen allerdings nicht.

Birger Schütz

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