Der letzte große Wurf: Venezianische Meister im Puschkin-Museum

Im 18. Jahrhundert war die Lagunenstadt das Kulturmekka Europas. Hier komponierte Vivaldi seine Vier Jahreszeiten, Casanova schrieb über die Kunst der Verführung und Canaletto verewigte Venedig in Panoramagemälden. Eine Ausstellung zeigt nun den Reichtum dieser Epoche.

Gemälde „Bucintoro am Pier des Palazzo Ducale“ von Canaletto. /Foto: Puschkin-Museum.

Es herrscht ein buntes Treiben auf dem Canal Grande. Gondeln suchen ihren Weg, vorbei am Prachtstück, dem Bucintoro, der am Pier des Palazzo Ducale thront. Die Goldene Barke war das Staatsschiff der Dogen von Venedig. Jedes Jahr am Himmelfahrtstag fuhr das Schiff am Lido vorbei, eine Zeremonie, bei der die Stadt die „Vermählung mit dem Meer“ feierte – der Zeitpunkt, an dem Venedig zur Großmacht an der Adria aufstieg.

Diese Feierlichkeit fing Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, 1730 detailgetreu ein. Eine Vedute, wie es in der Fachsprache heißt. Venezianische Maler wie Canaletto machten dieses Genre in Europa berühmt. Jene Stadtansichten waren die Vorläufer der heutigen Postkarten, die Touristen als Andenken an ihre Reise mitbrachten. Im 18. Jahrhundert boomte nämlich der Italien-Tourismus. Der bekannteste Reisende war Goethe, der in Italien seinen Sehnsuchtsort fand.

Drei Sammlungen in einer Ausstellung

Zu sehen ist die Ansicht der Lagunenstadt in der aktuellen Blockbuster-Ausstellung „Von Tiepolo über Canaletto zu Guardi“ im Puschkin-Museum. Die drei Meister markieren den letzten Paukenschlag, mit dem sich Italien nach 500 Jahren Dominanz in der Kunstwelt verabschiedet hatte. Den Schlussakkord spielt insbesondere Venedig: Hier gibt Antonio Vivaldi den Ton in der Musikwelt an, Carlo Goldoni im Theater und Giacomo Casanova unterhält die Massen mit seiner abenteuerlichen Biografie. 1797 verabschiedet sich die einstige Handelsmacht, dann marschiert Napoleon in Venedig ein und Frankreich übernimmt das Zepter.

Ausgestellt sind 57 Gemälde aus den Sammlungen des Puschkin-Museums, Palazzo Chiericati in Vicenza sowie Palazzo Leoni Montanari. In drei Räumen vereinigt, verdeutlichen sie die Genre-Vielfalt im Kultur-Mekka des 18. Jahrhunderts: von den monumentalen Fresken eines Tiepolo über die realistischen Stadtpanoramen eines Canaletto und melancholisch-poetische Landschaften eines Guardi, die als „Capriccio“, wie der lustvolle Regelverstoß heißt, in die Kunstgeschichte eingingen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Oktober.

Katharina Lindt 

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