Auch in Zukunft fossil: Russland baut die Kohleförderung aus

Deutschland hat sich vom Steinkohlebergbau verabschiedet. Doch die Industrie braucht weiterhin Kohle. Die kommt größtenteils aus Russland. Und die Einfuhren könnten weiter steigen. Denn Russland fördert immer mehr Kohle und verkauft diese verstärkt im Ausland.

Kohle

Ein Arbeiter überwacht die Verladung von Kohle in Nachodka in der Region Primorje © Witalij Wankow/ RIA Novosti

Am 21. Dezember 2018 war es so weit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bekam das letzte Stück Kohle überreicht und harte Bergleute vergossen Tränen. Mit der Schließung der Zeche Prosper-Haniel im nordrhein-westfälischen Bottrop wurde der Steinkohlebergbau in Deutschland ein Fall für die Geschichtsbücher. Zu unrentabel ist der Abbau geworden und zu umweltschädlich erscheint der fossile Brennstoff in den Augen vieler Deutscher.   

Deutschland ist auf Importe angewiesen

Dabei wird oft übersehen, dass trotz ihrer wachsenden Bedeutung erneuerbare Energien auch in naher Zukunft nicht ausreichen werden, um genügend Strom in Deutschland zu erzeugen. Denn im Energiemix im Land der Windkraftanlagen haben „unsaubere“ Brennstoffe immer noch ein leichtes Übergewicht (siehe Infografik). So ist der Ausstieg aus dem Steinkohleberg­bau eine Chance für die russischen Produzenten. Diese konnten bereits in den letzten Jahren ihre Position auf dem deutschen Markt ausbauen. Russland ist neben den USA eine der wesentlichen Säulen des Weltkohlehandels, konstatierte der Verein der Kohlenimporteure in seinem Jahresbericht 2018.

So lieferten die russischen Bergwerke  im Jahr 2017 19,7 Millionen Tonnen Kohle in die Bundesrepublik. Das waren zwölf Prozent mehr als noch im Vorjahr. Mit einem Anteil von 38 Prozent ist Russland damit der größte Lieferant von Kohle, vor den USA mit 17 Prozent. Die Kohle in deutschen Kraftwerken stammte 2017 gar zu 49 Prozent aus Russland. Im Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 40 Prozent.

In Russland wächst die Kohleförderung

taaten bemühen, von fossilen Brennstoffen Abstand zu nehmen, bleibt der Bedarf in der Welt stabil. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die Nachfrage nach Kohle bis mindestens 2023 nicht sinken wird. Die sibirische Kohle-Energie-Gesellschaft SUEK, Russlands größter Förderer, prognostiziert gar, dass der Energiebedarf bis zum Jahr 2040 um 60 Prozent steigen wird. Diese Energie wird momentan zu 37 Prozent aus Kohle gewonnen. Und die russischen Anbieter möchten gerne mehr liefern.

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Energiequellen in Russland und Deutschland 2017

Genügend Kohle steht dafür zu Verfügung. Nach Angaben des „Statistical Review of World Energy“ verfügt Russland mit 157 Milliarden Tonnen über 18 Prozent der weltweiten Kohlereserven. Und der Abbau wächst. Zahlen des russischen Energieministeriums zeigen, dass die geförderte Menge im Zeitraum von 2011 bis 2017 von 367,1 Millionen Tonnen auf 408,9 Millionen Tonnen gestiegen ist. Ein Plus von elf Prozent. Im Jahr 2030 erwartet das Energieministerium eine Förderung von 480 Millionen Tonnen.

In Russland selbst ist die Bedeutung der Kohle rückläufig. Sie trägt lediglich 14 Prozent zum Energiemix bei (siehe Infografik). Und das vor allem in Sibirien. Besonders im europäischen Teil, in dem knapp 70 Prozent der Bevölkerung wohnen, setzen die Versorger auf Gas. So verwundert die Exportorientierung der russischen Kohleunternehmen nicht.

180 Millionen Tonnen gingen aus Russland im Jahr 2017 in die Welt, so die russische Zollagentur. Nur Australien und Indonesien führten mehr aus. 2018 gingen die Ausfuhren auf 161 Millionen Tonnen zurück. Dank gestiegener  Weltmarktpreise waren diese Exporte mit 13,6 Milliarden Rubel (177 Millionen Euro) aber 200 Milliarden Rubel (2,6 Millionen Euro) mehr wert. 

Die Infrastruktur wird ausgebaut

Die deutschen Experten vom Verein der Kohlenimporteure glauben, dass es viel mehr sein könnte. Doch die berüchtigte russische Infra­struktur, insbesondere die unzureichende Entwicklung des Schienennetzes und der Seehäfen, beschränke die Exportentwicklung, heißt es im Jahresbericht 2018.

Dass Investitionen notwendig sind, haben auch die Unternehmen erkannt. 2016 investierten sie 73,6 Milliarden Rubel (950 Millionen Euro) in den Ausbau der Infrastruktur, 2017 weitere 90 Milliarden Rubel (1,2 Milliarden Euro).

Viel Aufmerksamkeit wird den Häfen gewidmet. So wurde im Februar 2018 bei der Stadt Taman auf der Krim ein Tiefseehafen mit einer Kapazität von 20 Millionen Tonnen im Jahr eröffnet. Ende März 2018 begann zudem der Bau eines Kohleterminals im Hafen von Murmansk in Nordrussland mit einer Kapazität von 18 Millionen Tonnen im Jahr. Beide Häfen sollen die Exporte über ukrainische und baltische Häfen reduzieren und Europa und den Mittelmeeraum beliefern.

Gleichzeitig werden im Osten Russlands neue Abbaugebiete erschlossen, mit denen der asiatisch-pazifische Raum kostengünstig zu versorgen ist. Das russische Energieministerium glaubt, dass bis 2035 mehr als 50 Millionen zusätzliche Tonnen in diesen Erdteil geliefert werden könnten. Bis dahin möchte Russland auch seinen Weltmarktanteil an Exporten von heute neun auf 20 Prozent ausgebaut haben.

Daniel Säwert

 

 

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