Von Impfstoff bis Käfigkampf: Wo Russlands Staatsfond mitmischt

Russlands staatlicher Investitionsfonds ist mit der Vermarktung von Sputnik V zu einem Global Player geworden. In der Heimat geht ohne ihn schon länger nichts mehr. Der Fonds hat in vielen Wirtschaftsbereichen seine Finger im Spiel. Und überrascht mit so manchem Engagement.

RDIF
Der Impfstoff Sputnik V ist auch für Russlands Staatsfonds RDIF ein großer Erfolg. (Foto: AGN Moskwa)

Es ist diese eine große Chance, die sich wohl jeder in seinem Geschäftsleben erhofft. Spätestens seitdem internationale Forscher in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ Sputnik V einen hohen Wirkungsgrad und Zuverlässigkeit bescheinigten, steigt die internationale Nachfrage nach dem russischen Corona-Impfstoff. Eigentlich könnten beim Russian Direct Invest­ment Fund (RDIF) die Korken knallen.

Doch die Mitarbeiter dürften momentan zu viel Arbeit haben, um ihren Erfolg auszukosten. Schließlich wird Sputnik V beinahe täglich in einem neuen Land zugelassen. Und auch die internationale Produktion nimmt allmählich Fahrt auf. China, Indien und Südkorea stellen den Impfstoff bereits her. In Kürze könnten die Philippinen, Serbien und auch Deutschland folgen. Als Standort für die deutsche Produktion ist das bayerisch-schwäbische Illertissen im Gespräch. Dort sitzt ein Tochterunternehmen des Moskauer Pharmakonzerns R-Pharm. Und der gehört zum Portfolio des russischen Staatsfonds.

Sputnik V ein Investment ohne Gewinn?

Kirill Dmitrijew, Leiter des RDIF, ist bemüht, die weltweite Produktion als Altruismus darzustellen. Man wolle mit Sputnik V keinerlei Gewinne machen, sondern lediglich die Kosten wieder reinholen. Deswegen werde man eine Dosis für ungefähr zehn US-Dollar anbieten. Schließlich gehe es einzig und allein um die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, so Dmitrijew in einem Interview mit dem TV-Sender „Sky News“. Aus wirtschaftlicher Sicht mag Sputnik V für den russischen Staatsfonds kein allzu gutes Geschäft werden. Doch das wird man sicher verkraften können. Wiegt doch der Propagandaerfolg für Russland aktuell mehr als Euro und US-Dollar. Und auch der RDIF kann sich international einen Namen machen und als zuverlässiger Partner präsentieren. 

Bunt gemischtes Portfolio

Der 2011 vom damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew gegründete Russian Direct Investment Fund soll in erster Linie ausländische Investitionen nach Russland anziehen. Dafür wird der RDIF zum Co-Investor und beteiligt sich an russischen wie ausländischen Firmen. Nach Eigenangaben verwaltet der Investitionsfonds zehn Milliarden US-Dollar. Allerdings werden seit 2017 keine genaueren Angaben mehr veröffentlicht. Fest steht, dass ohne den RDIF in Russland kaum etwas geht. Bei 90 Prozent aller Investitionen hat der Fonds seine Finger im Spiel. Gut 40 Milliarden US-Dollar kamen in den vergangenen Jahren aus dem Ausland, in erster Linie aus Asien. China, Saudi-Arabien, Japan und die Vereinigten Arabische Emirate sind die Hauptpartner des RDIF. 

Einzelhandel, Fluglinien, Pharmaunternehmen und Kinos. Das Portfolio des Staatsfonds ist bunt gemischt. Überwiegend handelt es sich um börsennotierte Unternehmen. Hinzu kommen Infrastrukturprojekte wie etwa Flughäfen oder eine Brücke nach China. 

Gemeinsam mit einem Partner aus dem Nachbarland gelang dem RDIF auch sein bisher größter Erfolg. Nachdem man sich nach nur einem Jahr wieder teilweise aus dem legendären Kinderkaufhaus Detskij mir zurückzog, hatte man eine Rendite von 88 Prozent erwirtschaftet, erklärte Jekaterina Kosarewa, Partnerin der Analyseagentur WMT Consult gegenüber „Sekret Firmy“. Auch die 80 Millionen US-Dollar schwere Beteiligung an der Moskauer Börse im Jahr 2013 sehen Analysten als Erfolg an. Und für den Aufbau des Onlinehändlers AliExpress Russia floss Geld des Staatsfonds. 2019 waren es 100 Millionen US-Dollar für fünf Prozent des Unternehmens. Im Januar 2021 stockte man schließlich um 7,85 Prozent beziehungsweise 194 Millionen US-Dollar auf. 

Auch im Ausland aktiv

Trotz einiger Fehlinvestitionen ist der RDIF für Kosarewa eine Erfolgsgeschichte. Und der Staatsfonds bemüht sich auch um Investitionen im Ausland. Etwa in das Hochgeschwindigkeitssystem Hyperloop One oder die saudi-arabische Planstadt Neom. Bemerkenswert sind die 9,75 Millionen US-Dollar, für die der Fonds 2019 Anteile an einem Organisator von Mixed-Martial-Arts-Kämpfen erwarb. Ziel sei es, damit den Vollkontaktsport in Russland und der GUS zu fördern, lautete die Begründung für das Engagement. 

Ende März sorgte der RDIF erneut für Aufsehen, als er für 75 Millionen US-Dollar Obligationen des beliebten Messengers Telegram von der staatlichen arabischen Investitionsgesellschaft Mudabala erwarb. Um wie viele es sich genau handelt, ist nicht bekannt. Doch sollten die Obligationen zu Aktien umgewandelt werden, wird der russische Staatsfonds Teilhaber eines Messengers, den die Aufsichts- und Zensurbehörde Roskomnadsor jahrelang erfolglos sperren wollte. Schnell war Telegram deshalb bemüht, den Einstieg des Fonds zu verneinen. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow reagierte hingegen entspannt auf das neue Engagement des RDIF. Es sei nicht Sache des Kremls, wo der Staatsfonds sich beteiligt. Aber man begrüße jede erfolgreiche Investition, die im Rahmen geltender Gesetze Geld einbringe, so Peskow. 

Daniel Säwert

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