Von A(usschuss) bis Z(etta): Russlands steiniger Weg zum E-Auto

2020 soll endlich, endlich das Jahr der E-Autos werden. Damit es mit dem Durchbruch zum Massenprodukt klappt, können attraktivere Preise nicht schaden. Da kommt der Zetta aus Russland gerade richtig. Er soll unschlagbar billig werden und bereits im ersten Quartal vom Band laufen. Doch eine gesunde Skepsis ist geboten.

Wann hat eigentlich das letzte Mal ein russischer Pkw Begehrlichkeiten im Ausland geweckt? Dem Zetta ist das auf Anhieb gelungen. Dabei gibt es das Auto noch gar nicht. Für Aufsehen sorgte im Spätherbst allerdings bereits die Ankündigung des russischen Industrie- und Handelsministers Denis Manturow, es befinde sich in der finalen Zertifizierungsphase, die Serienfertigung werde im ersten Quartal aufgenommen.

Der Zetta: Dieser kleine Wonneproppen hat einiges auf dem Kasten. (Foto: Ministerium für Industrie und Handel Russlands)

Der kleine Stromer käme demnach bereits in Kürze auf den Markt, wobei die „Rossijskaja Gaseta“ noch im Mai 2019 einen Grundpreis von 450.000  Rubel dafür nannte, also etwa 6400 Euro. Das wäre geradezu eine Sensation in einem Segment, in dem die Preise üblicherweise jenseits von 20.000 Euro beginnen, und hat dem „billigsten Elektroauto der Welt“ allerhand Schlagzeilen eingebracht. Zumal es erklärterweise auch für den Export gedacht ist.

Erst Schlagzeilen, dann Funkstille

Der Zetta (Zero Emission Terra Transport Asset) hat also das Zeug dazu, die Branche aufzumischen. Doch wer sich jetzt auf ein E-Auto zum Schnäppchenpreis freut, der freut sich möglicherweise zu früh. Denn die spärlichen Informationen über den Fortgang des Projekts lassen zumindest an der Zuverlässigkeit der Angaben zweifeln.

Die Webseite des Herstellers, der ebenfalls Zetta heißt und in Togliatti produzieren will, wo auch der Lada gebaut wird, zeigt in Abbildungen noch ein inzwischen überholtes Design des Wagens und scheint überhaupt nicht aktualisiert zu werden. Ob der im Vorjahr genannte Preis noch relevant ist, steht in den Sternen. Bei einem Gefährt, das so großes Interesse geweckt hat, macht die Funkstille immerhin stutzig.

Elektromotoren in den Rädern

Was man über den Zetta weiß: Er wurde ursprünglich als Behindertenfahrzeug konzipiert und auf Messen vorgeführt. Doch als eine staatliche Bezuschussung ausblieb, war klar, dass es in dieser Nische nichts zu verdienen gab. Deshalb wurde aus dem Zetta nun ein konventioneller Kleinstwagen mit drei Türen und Platz für vier Personen, der Kofferraum ist mit 180  Litern Volumen vernünftig bemessen. Das Stadt­auto soll maximal 120 Kilometer pro Stunde schnell sein und je nach Batterie eine Reichweite von bis zu 560  Kilometern haben. Der Clou dabei: Die Elektromotoren sind in den Rädern untergebracht, was nicht nur platzsparend sein, sondern auch für eine besonders hohe Energieeffizienz sorgen soll.

Die Firma Zetta will pro Jahr zunächst 2000 Stück von dem Wagen produzieren, das sei das Minimum, um rentabel zu wirtschaften, sagte Generaldirektor Denis Schurowskij, ein früherer Manager im Joint Venture von General Motors und Awtowas, in Interviews. Dafür werde die Belegschaft von 64 Personen auf rund 200 aufgestockt. Perspektivisch sei an 15.000 Autos pro Jahr gedacht.

Jo-Mobil und Ellada keine Erfolgsstory

Das setzt voraus, dass Russlands Weg in die Elektromobilität fortan etwas glatter verläuft als bisher. Denn der Zetta ist nicht der erste Anlauf, ein serienreifes E-Auto auf die Beine zu stellen. 2010 fiel der Startschuss für das sogenannte Jo-Mobil, an dessen Entwicklung die Onexim-Investmentgruppe von Milliardär Michail Prochorow federführend beteiligt war. Für den Crossover mit Hybrid­antrieb, 2011 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt, wurde eigens ein Werk in St. Petersburg für Stückzahlen von bis zu 45.000 pro Jahr gebaut, es sollte nicht das einzige bleiben. Doch den vollmundigen Erklärungen folgte ein kleinlautes Ende. 2014 wurde das Projekt offenbar finanziellen Gründen still und leise eingestellt. Viele halten es im Nachhinein für eine PR-Aktion von Prochorow, der 2012 an den Präsidentschaftswahlen teilnahm.

Etwa zur selben Zeit versuchte sich auch der Autogigant Awtowas an einem Elektromodell, Ellada genannt. 2012 und 2013 wurden um die 100 Stück produziert. Dabei blieb es dann auch.

E-Autos mit 0,1 Prozent Marktanteil

Insgesamt haben E-Autos in Russland bisher einen schweren Stand. Landesweit sind davon aktuell nur 4600 in Gebrauch – 0,1 Prozent des Pkw-Bestandes. In den ersten elf Monaten des Jahres 2019 wurden laut Awtostat 325 solcher Fahrzeuge verkauft (die zu 97 Prozent den Marken Jaguar, Nissan und Tesla angehören), immerhin das 2,7-Fache des Vorjahreszeitraums. Um dieser Außenseiterrolle beizukommen, hat die Regierung gerade wieder laut über Vergünstigungen nachgedacht. Im Gespräch ist die kostenlose Benutzung von Mautstraßen durch E-Auto-Fahrer und der Erlass der Kfz-Steuer. Das wäre auch ein Argument für den Zetta. Wenn er denn kommt.

Tino Künzel

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