Vergangenheit in Farbe

Als "Klimbim" veröffentlicht Olga Schirnina nachkolorierte und viel beachtete Fotos historischer Persönlichkeiten und wichtiger Momente der russischen Geschichte. Eine Auswahl ihrer Arbeiten, bei denen man sich den Geschehnissen gleich viel näher fühlt.

Wladimir Lenin inspiziert Truppen auf dem Roten Platz, 25. Mai 1919. (Color by Klimbim)

Es begann mit ein paar alten Fotos von glamourösen Hollywoodstars: Vor neun Jahren kolorierte Olga Schirnina nach der Arbeit zum ersten Mal einige Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Internet. Die stundenlange Tüftelei habe ihr Lust auf mehr gemacht, erzählte die studierte Deutsch-Übersetzerin später der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. „Es war interessant, historische Persönlichkeiten wie leben­dige Menschen aus Fleisch und Blut zu sehen.“


Schirnina studierte Fotobücher, besuchte Kurse, schaute Tutorials und bildete sich in ihrem Hobby immer weiter. Bald tauschte sie sich auch mit anderen Koloristen in Online-Foren aus. Fotos von westlichen Leinwandgrößen sollten ihr schon bald nicht mehr genügen. Und so wandte sich die Foto-En­thusiastin Abbildungen von Revolutionären, Staatsmännern, Künstlern der russischen Geschichte zu. Aber auch einfachen Menschen, längst vergangenen Alltagsszenen und Kriegsfotos verlieh sieh nun Farbe.

„Ich interessiere mich für die russische Geschichte, die mit ihren dramatischen und katastrophenreichen Ereignissen auf den Lauf des Landes und der ganzen Welt einwirkten“, erläuterte Schirnina. Manchmal erzähle eine Fotografie mehr als tausend Worte. „Ich freue mich, wenn Menschen durch das Kolorieren etwas Neues über Russland lernen.“

Rote Ecke in einer Rekrutierungsstation der Roten Armee, Galitsch/ Gebiet Kostroma, 1931. (Color by Klimbim)

Für ihre Arbeiten musste die Fotokünstlerin, die im Internet unter dem Pseudonym „Klimbim“ auftritt, anfangs heftige Kritik einstecken. Vor allem die kolorierten Kriegsbilder waren für viele Russen zunächst ungewohnt und erzürnten so manchen Puristen. Militärexperten schimpften über ungenaue Farbtöne und Detailfehler. Doch mittlerweile ist die Skepsis abgeklungen, Olga Schirnina gehört längst zu den bekanntesten Koloristen Russlands. Ihre retuschierten Bilder waren bereits in einer Schau in der Duma zu sehen und werden auch in Ausstellungen gezeigt.

Birger Schütz

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