Usbekistan wird zum Ziel von Auswanderern

Der Weg nach Westen ist versperrt und im Süden kommt es vermehrt zu Problemen. So entdecken die Russen allmählich Usbekistan als Ort, um für einige Zeit ihrer Heimat zu entfliehen.

Usbekistan
Usbekistan ist für Russen eine Option zum Auswandern geworden. (Foto: pixabay)

Wer kann, verlässt seit Beginn der „Sonderoperation“ Russland. Über 200 000 Menschen sollen nach verschiedenen Berechnungen bereits ihre Koffer gepackt und ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben. Beliebte und einfach zu erreichende Ziele wie Istanbul, Jerewan oder Tiflis sind mittlerweile regelrecht von Russen überlaufen. Doch die Möglichkeiten, zumindest eine Zeit lang in Ruhe zu leben, sind begrenzt. Und so werden zentralasiatische Länder wie Usbekistan zu einer wirklichen Alternative.

Die Entscheidung, Russland zu verlassen, hat Warwara (Name geändert) schon vor der „Sonder­operation“ getroffen. Für sie und ihren Mann sollte es gen Süden gehen. Alle Unterlagen waren bereits eingereicht, sagt sie der MDZ. Lange zog sich der Prozess hin, bis es auf einmal ganz schnell gehen musste, allerdings nicht ins Land der Träume.

Nur schnell weg

Als Russland am 24. Februar seine „Sonderoperation“ begann, kamen sofort Befürchtungen auf, ihr Heimatland könnte eine Ausreisesperre verhängen. Das Paar räumte seine Konten so leer, wie es nur ging. Schließlich war nicht klar, ob sie je nach Russland zurückkommen werden. Auf der Suche nach dem günstigsten Weg raus aus Moskau fanden sie Flugtickets in die usbekische Hauptstadt und buchten sofort. Aber nur one way, an die Rückreise haben sie gar nicht erst gedacht.

So wie Warwara und ihrem Mann erging es vielen Russen in den vergangenen Wochen. Vor allem die Gerüchte über die Ausrufung des Kriegszustands Anfang März veranlasste die Menschen, Hals über Kopf Russland zu verlassen. Dem usbekischen Medium „Gazeta.uz“ erzählt ein Moskauer Student, dass er sich für gewöhnlich akribisch auf seine Reisen vorbereite. Doch dieses Mal habe er nichts geschafft. Um zehn Uhr habe er sich sein Ticket gekauft, um 15.40 Uhr ging es schon los nach Taschke
Viele, die bereits in Usbekistan sind oder kurz davor stehen, nennen vor allem zwei Gründe für ihre Wahl: Verwandte und Arbeit. Tatsächlich scheint sich Usbekistan den Neuankömmlingen zu öffnen, Mitte März öffnet das Land seine Landesgrenzen wieder und schafft die Testpflicht bei der Einreise ab. Vor allem Informatiker sind in dem Land, das sich immer noch aus seiner langen Isolation lösen muss, willkommen. Auf Homepages und Telegram werden sie aktiv angeworben.

Lebenshaltungskosten und Internet wichtige Faktoren

Wer noch überlegt, informiert sich in Ausreisegruppen auf Telegram in erster Linie über die Lebenshaltungskosten, ob man Rubel tauschen kann und wie gut das Internet funktioniert.

Usbekistan habe auch den Vorteil, dass es die meisten nicht auf dem Schirm haben, erklären mehrere Auswanderer gegenüber „Gazeta.uz“. So kann man hier in Ruhe etwas aufbauen, ohne dass das Land überlaufen wird. Auch die relativ russlandfreundliche Haltung der Bevölkerung spielt eine große Rolle.

Warwara und ihr Mann werden ihre Zelte in Usbekistan indes bald wieder abbrechen. Sie müssen doch zurück nach Moskau, um ihre Auswanderungsunterlagen fertigzustellen. Denn die Frist läuft bald ab. Dann wollen sie sofort wieder weg, diesmal endgültig. Und so schnell wie möglich die Verwandtschaft nachholen.

Daniel Säwert

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