Schneeball-Effekt bei „Sneschkom“

Der Abbau des Skizentrums „Sneschkom“ im Moskauer Vorort Krasnogorsk hatte schwerwiegende Folgen. Drei Menschen wurden verletzt, fast 150 Autos beschädigt. Was und wann ist schiefgelaufen?

Sneschkom Betonregen
Es ist ein Wunder, dass unter dem Betonregen niemand ums Leben gekommen ist.
(Foto: Sergej Bulkin/TASS)

In Moskau wird ständig etwas abgerissen – von fünfstöckigen Gebäuden aus der Chruschtschow-Ära bis hin zu bekannten Baudenkmälern aus der Sowjetzeit. Oft ziehen solche Abrissarbeiten die Aufmerksamkeit von Denkmalschützern und Aktivisten auf sich, die mit solchen Maßnahmen der Stadtverwaltung nicht einverstanden sind. Der Abriss des Gebäudes des Skizentrums „Sneschkom“ im Nordwesten Moskaus sticht jedoch vor diesem Hintergrund deutlich hervor.

Betonregen

Angesichts des Ausmaßes des Einsturzes, der während des Abrisses des Gebäudes stattfand, der entstandenen Schäden und der Verletzten konnte es auch nicht anders sein. Die Nachrichtenagentur TASS berichtete von drei Moskauern, die Verletzungen unterschiedlichen Schweregrades erlitten hatten. Eine der Betroffenen befand sich in ihrer Wohnung im neunten Stock – die Betonsplitter flogen bis dorthin. Etwa 150 Autos gerieten in den „Betonregen“. Die Trümmer flogen nicht nur auf den Parkplatz, auf dem die Autos standen, sondern auch über die Fahrbahn, auf der zum Zeitpunkt des Einsturzes reger Verkehr herrschte. Experten des Russischen Verbandes der Kfz-Versicherer schätzen den Schaden auf 100 Millionen Rubel, also umgerechnet mehr als eine Million Euro.

Gefährliche Methode

Experten der Bauindustrie diskutieren nun ein Augenzeugen-Video, das den Abriss dieses Objekts zeigt. Auf diesen Aufnahmen ist zu sehen, wie Arbeiter mit einem Seil aus mehreren Dutzend Metern Höhe ein großes Stück der Stützsäule herunterziehen. Dem Video nach zu urteilen, wiegt es mindestens eine Tonne.

In einem Interview mit dem Radiosender „Business FM“ bezeichnete Alim Inalow, Generaldirektor des Moskauer Bauunternehmens „Bautreid“, diese Abrissmethode als „absolut unprofessionell“: „Die Folgen eines solchen Abrisses sind nicht abzuschätzen. So etwas darf man auf keinen Fall machen.“ Selbst Menschen ohne Ingenieursausbildung können sich vorstellen, wie gefährlich diese Abrissmethode ist. Vielmehr stellt sich hier die Frage, wie es in Moskau, wo die Baubranche selbst in Kriegszeiten nicht an Fahrt verliert, zu einer derart eklatanten Missachtung der für diese Art von Arbeiten geltenden Vorschriften kommen konnte.

Die Antwort auf diese Frage wird nach Abschluss der Ermittlungen vorliegen. Zu den vorläufigen Erklärungen gehört sogar eine mystische Interpretation.

Sneschkom 2008
So sah „Sneschkom“ 2008 bei der Eröffnung aus. (Foto: karel291/wikipedia)

Schneeball-Effekt

„Sneschkom“ hatte irgendwie großes Pech. Der Schneeball der Probleme (die Metapher ist durchaus berechtigt: „Sneschkom“, Abkürzung von sneschnyj kom, bedeutet „Schneeball“) wuchs schon seit Langem.

Der ganzjährig geöffnete Skikomplex für Moskauer wurde erst 2008 eröffnet. Eigentlich hätte er nicht so schnell unbrauchbar werden dürfen. Aber praktisch sofort begann eine mysteriöse Entwicklung: Zuerst ging der Developer bankrott, und einige Jahre später auch der Eigentümer des Skizentrums. Das Gebäude wurde zur Versteigerung angeboten, aber es fanden sich keine Käufer. Vor drei Jahren wurde „Sneschkom“ wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber dann entschied die Stadt sich, es abzureißen. Im Jahr 2024 kam es zu einem Einsturz der Konstruktion, bei dem ein Arbeiter ums Leben kam. Jetzt ist die Geschichte von „Sneschkom“ zu Ende gegangen. Der Skikomplex ist dem Bau neuer Hochhäuser gewichen.

Igor Beresin

Newsletter

    Wir bitten um Ihre E-Mail: