Nicht nur Kürbis-Latte: Eine Tasse Herbstspezialitäten

Auch im vierten Kriegsjahr geben Moskauer ihre Gewohnheiten nicht auf. Wie übrigens auch andere Großstädter. Was auch immer in der Welt geschieht, bei den Hedonisten der Hauptstadt sind Brot und Spiele gefragt, genauer gesagt Kaffee und Spiele. Anna Jaroslawskaja hat die Bereitschaft der Moskauer Cafés für die Saison geprüft.

„Der erste Kuss“ im „Karotsche Koffee“

Einige russische Kaffeetraditionen sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. So wurde der Name eines Herbstgetränks zum Synonym für eine neue Einwanderungswelle nach Israel. Als die Repatriantin Tatjana Scheremet 2022 in einem Online-Forum fragte, wo man in Israel Kürbis-Latte finden könne, wurde sie von den alten Repatrianten mit Vorwürfen überhäuft. Nach diesem Vorfall wurde die neue Einwanderungswelle von Juden in das Gelobte Land als „Kürbis-Alija“ bezeichnet. Kürbis-Latte ist also wohl das beliebteste Kaffeegetränk außerhalb des üblichen Sortiments. Aber nicht das einzige.

Um beim nationalen Thema zu bleiben: Das israelische Café in Moskau „Dizengof/99“ bietet Latte mit Kokosnuss-Kondensmilch und Kaffernlimette an – ein süßes Getränk mit einer leicht säuerlichen Note. Der Vielfalt halber bietet dasselbe „Dizengof/99“ auch „Meer aus Tahini und Kaffee“ an – einen Cappuccino mit Keksschaum und Sesam. Für diejenigen, die es heißer mögen, gibt es ein „Meer aus Tahini mit Rum“.

Der Latte „Fischnuss – weiße Schokolade“ aus dem Café „Cream Soda“ ist genau das Richtige für alle, die orientalistische Motive mögen. Er ist für Feinschmecker, die nicht bereit sind, für die angesagte Schokolade aus Dubai zu bezahlen, aber dennoch im Trend bleiben möchten. Oder einen Latte „Schokoladen-Halva“.

„Pravda Coffee“ dagegen legt den Schwerpunkt auf russische Geschmacksrichtungen. In diesem Café gibt es den „nordischen“ Cappuccino „Haselnuss-Moorbeere“. Das ist ein Dessertgetränk aus Kaffee und Milch mit dem Geschmack von Nuss-Crème-Brûlée und einem Hauch von nordischen Beeren. Eine Alternative in demselben Café wäre ein Cappuccino mit Noten von Ahorn-Pekannuss und Karamellbonbons.

Auch die gastronomischen Ketten haben ihre saisonalen Angebote an Kaffeegetränken. Die japanische Bistro-Kette „J’pan“ verwöhnt ihre Gäste mit „Pfeffer-Gaba“, einem würzigen, cremigen Getränk auf Kaffee- und Teebasis. Das Gleiche gilt für „Stars Coffee“ (es wäre seltsam, den Nachfolger von „Starbucks“ in Russland nicht in die Auswahl aufzunehmen). Hier gibt es den bereits bekannten Kürbis-Latte, aber mit Karamellzusatz, sowie einen süßen Birnen-Latte mit Bergamotte und einen Macadamia-Latte mit gesalzenem Karamell.

Wenn Besucher in Moskauer Cafés etwas Modisches bestellen, entscheiden sie sich oft für alternative Milchsorten wie Kokosmilch, Sojamilch usw. Aber man kann auch etwas Kaffee-Artiges trinken, das keinen Kaffee enthält. So überrascht das Café „Vera“ mit einem Buchweizen-Latte, einem wärmenden koffeinfreien Getränk auf Buchweizenbasis. Für alle, die den Geschmack von Haferkeksen mögen.

Unter den Herbstangeboten ist vielleicht „Der erste Kuss“ im „Karotsche Coffee“ besonders hervorzuheben. Die Macher haben sich offensichtlich von der Suppe im Brot inspirieren lassen, nur dass sie sich für ein Getränk entschieden haben. Der würzige Kakao wird direkt in einem essbaren Becher aus Ingwerplätzchen serviert. Das Warten auf dieses Getränk könnte man mit der Vorfreude auf einen Kuss vergleichen, aber seine Präsentation ist etwas enttäuschend. Sie ist irgendwie unbeholfen und definitiv nicht romantisch. Der Ingwerbecher wird in einen Plastikbecher gestellt, damit der Kakao nicht vorzeitig ausläuft. Durch den Plastikbecher ist es unbequem, das Ingwerplätzchen abzubeißen. So ist der „erste Kuss“ irgendwie verpufft.

Der Herbst ist nicht nur Kürbiszeit, sondern auch Pilzzeit. Sollte ich vielleicht ein Getränk „Pilzkorb“ probieren? Nein, danke! Es ist Zeit, mit solch einem Hedonismus aufzuhören und zu den Kaffee-Klassikern zurückzukehren sowie zu den wenig inspirierenden Nachrichten.

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