Russland, eine Liebeserklärung

Der Schwabe Markus Müller ist Betriebswirt und lebt mit seiner russischen Frau Ksenia in Ulm. Womit er sich neben der Büro­arbeit noch ausgiebig beschäftigt, ist: Russland. Seit zweieinhalb Jahren betreibt der 33-Jährige einen Reiseblog namens „Russland erleben“, stellt 15  Reiseziele ausführlich vor und gibt Tipps zur Reisevorbereitung. Hier schreibt er über seine Leidenschaft für das Reiseland Russland.

Russland wird gern mit Kälte, Schnee, Eis assoziiert. Der Winter steht ihm auch wirklich gut. Dieses Foto von Markus Müller entstand auf der zugefrorenen Angara bei Irkutsk. (Foto: Privat)

Am Anfang ging es mir wie vielen Menschen. Durch Presse und Fernsehen hatte sich ein russlandkritisches Bild verfestigt, das erst meine wunderbare Frau Ksenia zum Einsturz brachte. Wir lernten uns vor fast sechs Jahren in München kennen. Damit begann für mich auch eine Liebesgeschichte mit ihrem Land und seinen Menschen.

Die Sache mit dem Lächeln

Meine erste Reise führte mich 2014 nach St.  Petersburg. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie irritiert ich von den grimmigen Gesichtern der zügig vorbei laufenden Menschen auf dem Newskij-Prospekt war. Habe ich etwas verbrochen oder wieso lächelt niemand zurück? Erst einige Zeit später habe ich erfahren, dass in Russland einem Fremden kein Lächeln geschenkt wird. Als ich dann zum ersten Mal in Irkutsk bei Ksenias Familie war, lernte ich die russische Gastfreundschaft kennen.

Ich wurde sehr herzlich empfangen, rund um die Uhr versorgt und von meiner Schwiegermutter nahezu vergöttert. Der Tisch war mit leckeren russischen Köstlichkeiten überladen, deren Kalorien man aber besser nicht zählen sollte. Unter fünf Kilogramm „Übergepäck“ kam ich dann auch selten wieder zurück nach Hause. Besonders beeindruckt hat mich die familiäre Atmosphäre und der Zusammenhalt zwischen den Menschen.

So lief auch meine erste russische Geburtstagsparty ab. Aus Unbekannten wurden Freunde fürs Leben. Ich fühlte mich sofort gut aufgenommen. Alle hingen wissbegierig an meinen Lippen. Auch wenn mein Russisch noch nicht so gut war, haben wir uns prächtig unterhalten. Sie kannten sogar einige Brocken Deutsch, die sie aus Rammstein-Liedern gelernt hatten. Deutschland hat für Russen weiterhin eine große Anziehungskraft. Es steht für Qualität und Schaffenskraft.

Die russische Sprache mit den kyrillischen Zeichen ist schon so eine Sache. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich aber ganz gut mit ihr angefreundet. Ich sehe das mittlerweile als Herausforderung und bin auf jeden Schritt nach vorn stolz. Ich weiß noch, was für ein Meilenstein es war, als ich das erste Mal eine Apotheke oder ein Restaurant an der Beschriftung erkennen konnte.

Bisher durfte ich Russland 16 Mal besuchen und viele Ecken dieses tollen Landes bereisen. Besonders beeindruckt hat mich dabei der Baikalsee mit seiner unglaublichen Aura, die man direkt spüren kann. Hier liegt auch die Insel Olchon mit ihren tollen Steilklippen.

Sitten und Bräuche

Bei dieser Reise kam ich auch erstmals in Kontakt mit dem russischen Aberglauben. Wir waren startklar und wollten gerade mit dem Auto in Richtung Insel losfahren, als sich auf einmal alle wieder hinsetzten. Ich war perplex und wusste erst nicht, was ich davon halten sollte. Nach einem kurzen Augenblick ging die Fahrt dann aber doch los. Mir wurde mitgeteilt, dass ein kurzes Innehalten vor einer großen Reise Glück bringt. Ist dann wohl so.

Meine Lieblingsstadt in Russland ist St. Petersburg. Die Kultur und das wunderschöne Zentrum mit seinen Bauten haben es mir angetan. Hier war ich auch schon viele Male zu Besuch, da Ksenia in St. Petersburg studierte und uns die Stadt immer wieder magisch anzieht.

Ganz anders geht es da schon in Moskau zu. In der Hauptstadt laufen die Uhren schneller und alles ist ein bisschen hektischer. Trotzdem ist auch Moskau eine tolle Stadt mit Geschichte pur. Der Rote Platz und seine Umgebung sind ein Traum.

Auch hier war Markus Müller schon: Von der Aussichtsplattform im 52. Stock des Wolkenkratzers Wyssozki ist selbst eine Millionenstadt wie Jekaterinburg buchstäblich überschaubar. (Foto: Privat)

Um vom wilden Treiben etwas  Abstand zu gewinnen, empfiehlt sich ein Urlaub im schönen Sotschi am Schwarzen Meer. Neben den Stränden kann man hier sogar die Berge unsicher machen. Beim Thema Wellness sind die Russen übrigens recht unkompliziert. Eine Banja und Birkenzweige reichen da vollkommen aus. In der Banja meiner Schwiegereltern bin ich Stammgast und genieße anschließend ein kühles Bad im nahe gelegenen Gebirgsfluss.

Vielfalt der Kulturen

In Russland gibt es nicht nur „den Russen“. Das Land besteht aus vielen Volksgruppen. Kasan hat mich in diesem Fall am meisten beeindruckt. Seit Jahrhunderten leben hier Christen und Muslime friedlich zusammen und pflegen neben der russischen auch die tatarische Kultur.

Weiter nach Osten führt eine berühmte Bahnstrecke, die für viele Menschen ein Lebens­traum ist. Die Rede ist von der Transsibirischen Eisenbahn: 9288 Kilometer von Moskau bis Wladiwostok. So weit war ich selbst noch nicht unterwegs, allerdings habe ich eine Teilstrecke in entgegengesetzter Richtung schon einmal erkundet. Durch die Weiten Sibiriens ging es mit dem Zug von Irkutsk nach Jekaterinburg, mit einem Zwischenstopp in Nowosibirsk. Perfekt, um ein bisschen runterzukommen und neue Kraft zu tanken. Dass die Mitfahrer dabei sehr nett, interessiert und gesprächig waren, muss eigentlich gar nicht extra erwähnt werden, oder?

Mein Herz habe ich schon lange an Russland und seine Menschen verloren. Deshalb werde ich immer wiederkommen, um noch viele neue Gegenden im größten Land der Erde zu entdecken und meine Lieblingsorte neu zu erfahren.

russland-erleben.com

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