
Hauptsächlich für Erwachsene
Am 1. April startete in der Hauptstadt die neue Leihsaison für E-Scooter und Fahrräder. Die Betreiber der Verleihsysteme stellen diese individuellen Mobilitätsmittel – wie sie in der Straßenverkehrsordnung heißen – bereits auf speziellen Parkplätzen auf. Laut Angaben des Moskauer Verkehrsdepartements stehen in dieser Saison 60.000 E-Scooter, 16.000 E-Fahrräder, 4000 E-Scooter der verbesserten Modellreihe sowie 200 Erwachsenen- und 50 Kinderfahrräder zur Leihverfügung. Das Departement weist ausdrücklich darauf hin, dass die neuen E-Scooter im Werk „Moskwitsch“ produziert wurden.
Zur Arbeit und in den Park
Der stellvertretende Moskauer Bürgermeister für Verkehr, Maxim Liksutow, präsentierte Zahlen zur E-Scooter-Nutzung im Vorjahr. Demnach unternahmen die Moskauer 2025 insgesamt 71 Millionen Fahrten mit E-Scootern. Er betonte, dass 85 Prozent dieser Fahrten zu Transportzwecken erfolgten. Am häufigsten nutzten die Stadtbewohner die Geräte für den Weg zur Arbeit oder zur Ausbildung (58 Prozent), für Einkäufe und Besuche in Einkaufszentren (37 Prozent), für Spaziergänge im Park (36 Prozent) oder für den Besuch sozialer Einrichtungen (31 Prozent). Seltener werden E-Scooter für Fitnessstudio-Besuche oder Restaurantgänge genutzt.
Mit Bart und Kopfhörern
Der typische Nutzer leiht sich mindestens mehrmals pro Woche einen E-Scooter, 23 Prozent benutzen die Geräte täglich.
Im September 2025 erstellte die Moskauer Stadtverwaltung ein Profil des typischen E-Scooter-Nutzers. Männer machen 67 Prozent der Nutzer aus, Frauen entsprechend 33 Prozent. Die Mehrheit ist erwerbstätig (89 Prozent), wobei der größte Anteil aus der IT-Branche kommt (24 Prozent). Über die Hälfte der Nutzer ist verheiratet (62 Prozent), und 53 Prozent haben Kinder. Wenn also ein E-Scooter geräuschlos am Bürgersteig vorbeifährt, wird er höchstwahrscheinlich von einem 38-jährigen verheirateten Mann gesteuert, der als Softwareentwickler, Tester oder KI-Spezialist arbeitet.
Immer weniger Verstöße
Im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Verstöße registriert. So sperrten die Betreiber 76 000 Konten minderjähriger Nutzer. Dennoch sank die Zahl der Unfälle mit Leih-E-Fahrrädern in Moskau um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unfälle mit Kindern gingen um 72 Prozent zurück. Dazu trug unter anderem der Ausbau geschwindigkeitsbeschränkter Fahrzonen bei, die nun 420 an der Zahl sind. In diesem Jahr wird die Kontrolle zudem verschärft. Laut Liksutow sollen mehr als 100 Überwachungskameras eingesetzt werden, um Verstöße von Nutzern individueller Mobilitätsmittel zu unterbinden. Dass die Stadtverwaltung versucht, die Nutzer von E-Scootern in gewisse Bahnen zu lenken, kommt bei vielen Moskauern sehr gut an. Dabei sollte man allerdings zugeben: IT-Spezialisten auf E-Scootern sind aus Sicht der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer und Fußgänger nicht das größte Problem. Da laufen ihnen Kurierfahrer, die auf E-Fahrrädern mit Kundenaufträgen im Eiltempo über die Straßen rasen, problemlos den Rang ab.
Goscha Haimow


