Bosch hat einen neuen Russland-Chef

Steffen Hoffmann ist seit Kurzem neuer Präsident von Bosch in Russland, der Ukraine, Belarus, Zentralasien, der Mongolei und dem Kaukasus. Ende Mai stellte er sich russischen Journalisten beim gemütlichen Frühstück vor.

Steffen Hoffmann beim Frühstück mit russischen Medien (Foto: Pressedienst Bosch)

Steffen Hoffmann und Bosch, das ist eine Verbindung fürs (Arbeits-)Leben. Gleich nach seinem Universitätsabschluss 1992 kam Hoffmann als Praktikant fürs Management zum Unternehmen. Seitdem ist er viel in der Welt herumgekommen: Deutschland, Japan, Südafrika und Großbritannien lauten seine Stationen. Sechs Jahre war Hoffmann in London, bevor er nach Moskau kam, um die Geschicke des Unternehmens in Russland, der Ukraine, Belarus, Zentralasien, der Mongolei und dem Kaukasus zu leiten. Und das sehr erfolgreich. In seiner Zeit als Präsident von Bosch UK wuchs der Umsatz um eine Milliarde Pfund. Auf der Insel trieb er vor allem das Internet der Dinge voran. Das, so ist sein Arbeitgeber überzeugt, wird auch in Russland gefragt sein.

Seit Mitte Januar ist Hoffmann in Moskau. Und musste erst einmal damit zurechtkommen, wegen der Pandemie seine neue Arbeitsregion noch nicht näher kennenlernen zu können. Und doch konnte er den Journalisten bei einem gemeinsamen Frühstück einiges berichten.

So etwa das Bosch-Jahresergebnis für 2020. Wie erwartet waren einige Bereiche rückläufig, allerdings weniger als befürchtet. Der Jahresumsatz sank gegenüber 2019 um 6,4 Prozent auf 71,5 Milliarden Euro. Russland war eine erfreu­liche Ausnahme. Hier sanken die Verkäufe in Euro kaum. Und in Rubel stiegen sie sogar, von 109 auf 113 Milliarden.

Wie erwartet wuchs Bosch im vergangenen Jahr vor allem im Bereich Konsumgüter. Während der Pandemie verbrachten die Menschen mehr Zeit in ihren Wohnungen und gaben mehr Geld dafür aus, es sich dort gemütlich einzurichten. Zu den Top-Sellern gehörten intelligente Haushaltsgeräte mit Home-Connect-Funktion. Damit folgt Bosch dem Trend, die Geräte in der Wohnung mit dem Smartphone oder dem Tablet zu verbinden. Dieser Bereich liegt Hoffmann besonders am Herzen. Ist er doch gefragt und wird sich weiter entwickeln. Und natürlich Geld einbringen. Im vergangenen Jahr wuchs das digitale Ökosystem um das Fünffache. 

Der rote Faden des Treffens mit den Pressevertretern war indes die Pandemie und ihre Folgen. Wie steht es um die Zuverlässigkeit der Lieferkette? Wie findet man unter den neuen Umständen Zugang zum Kunden? Hier ist jede Methode gut. Zwangsläufig wuchs der Online-Verkauf, über 40 Prozent der Alltagsgeräte werden mittlerweile im Netz gekauft. Doch Bosch will den direkten Kontakt zu seinen Kunden nicht verlieren. Gegen den Trend eröffnete das Unternehmen deshalb im vergangenen Jahr ein eigenes Geschäft in Moskau. In diesem Jahr soll ein weiteres folgen und dazu noch zwei in St. Petersburg. Um die Versorgung zu gewährleisten, setzt Bosch immer mehr auf Lokalisierung. In der Fabrik in Engels wurde die Produktion von zwei verschiedenen Dampfkesseln aufgenommen. So konnte Bosch den Geschäftsbereich Industrieausrüstung festigen.

Immer wieder erwähnte Hoffmann beim Treffen die Fabrik in Engels. Und das aus gutem Grund. Feiert doch das Werk in diesem Jahr sein 25. Jubiläum und ist eine wichtige Säule des Geschäfts in der Region.

Auch die Menschen kamen beim Kennenlernen mit Steffen Hoffmann nicht zu kurz. Schließlich arbeiten 3500 Personen in Russland für das Unternehmen aus Stuttgart. Nicht ohne Stolz erwähnte Hoffmann, dass man im vergangenen Jahr Entlassungen weitestgehend vermeiden konnte. Andere Unternehmen hatten so versucht, die Ausgaben zu senken. Mehr noch wurde der Bereich Forschung und Entwicklung gestärkt. „Das ist unsere Zukunft“, so Hoffmann. Bosch bleibt in Russland ein attraktiver Arbeitgeber. Das zeigt auch eine Untersuchung der Jobbörse Head Hunter, wonach das  schwäbsiche Unternehmen 2020 das beliebteste Ziel von Arbeitssuchenden waren.

Bosch hat die Gegenwart im Griff und ist optimistisch, was die Zukunft angeht. Wegen der vielen Fragen der Journalisten blieb Hoffmanns Frühstücksteller unberührt. Dabei wurde deutlich, dass Hoffmann sich an seiner neuen Wirkungsstätte wohlfühlt. Er ist Herr der Situation und weiß, dass alles gelingen wird. Außer vielleicht die Sache mit der Sprache. Die ist einfach unglaublich schwer, scherzte Hoffmann. 

Igor Beresin

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