Frohe Botschaft (trotz allem): Was wir Positives aus diesem Seuchenjahr mitnehmen

Ein denkwürdiges Jahr geht zu Ende. Mit einem alles beherrschenden Thema. Viel wird über das Leid, die Zwänge und Schäden gesprochen, die es mit sich gebracht hat. Gibt es auch etwas auf der Habenseite? Das wollten wir von Moskauer Deutschen in verantwortlichen Positionen wissen.

2020 hinterließ auch in der Metro Spuren. (Foto: Sergej Kisseljow/AGN Moskwa)

Heike Uhlig, Direktorin des Goethe-Instituts Moskau

Heike Uhlig (Foto: Goethe-Institut)

Positiv ist, dass wir 2020 alle professioneller darin geworden sind, Begegnungen und Veranstaltungen im digitalen Raum zu organisieren. Es hat in vielen Bereichen einen wahren Digitalisierungsschub gegeben, der die Vorzüge der beiden Welten – digital und analog – sehr viel deutlicher werden lässt. Wir erreichen mit digitalen Formaten neue Zielgruppen und experimentieren mit neuen Formaten. Gleichzeitig wissen wir den Wert eines Austausches von Angesicht zu Angesicht umso mehr zu schätzen.
Aus diesem Jahr mit der Gewissheit zu gehen, in einem starken Team von Mitarbeiterinnen und Partnern zu arbeiten, das gibt mir Zuversicht für das neue Jahr, in dem das Deutschlandjahr in Russland in die Verlängerung geht, im wortwörtlichen Sinne.

Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Russland

Matthias Schepp (Foto: AHK)

In der Corona-Krise haben wir uns unsere Mitglieder und die deutschen Firmen in Russland zum Vorbild genommen. Nicht jammern, sondern Ärmel hochkrempeln war dort die Devise. Die Digitalisierung der AHK und der Delegation der Deutschen Wirtschaft haben wir noch einmal beschleunigt, alle Veranstaltungen auf online oder hybrid umgestellt und dadurch unsere Reichweite so vergrößert, dass die Zahl der Kammermitglieder von 900 auf 1000 stark anstieg. Krisenzeiten sind Kammerzeiten. Wenn es stürmt, stehen wir fester zusammen. Im Verbund mit der Deutschen Botschaft und der Lufthansa konnten wir seit dem Frühsommer über 750 Manager, Techniker und Familienmitglieder die Wiedereinreise oder Einreise nach Russland ermöglichen, nachdem die Grenzen als Teil der Anti-Corona-Maßnahmen geschlossen wurden.

Anne Hofinga, Vorstandsvorsitzende des „Centr Perspektiva“, Initiatorin und Verantwortliche Sekretärin des Deutsch-Russischen Sozialforums im Petersburger Dialog

Anne Hofinga (Foto: Petersburger Dialog)

Ich bin sehr stolz auf die Mitarbeiter meiner Wohltätigkeitsorganisation „Centr Perspektiva“ in Moskau. Sie haben im Lockdown große Kreativität entwickelt. In den Erfordernissen der Situation erkannten sie Chancen für die Zukunft. Auch künftig wird es russlandweit Online-Kursangebote für Senioren, Vorlesen via Internet von Senioren für Heimkinder und Online-Feste geben. Trotz Distanz gewannen wir neue Freiwillige. Der Radius unserer Tätigkeit hat sich stark erweitert. 

Mich beschäftigt, wie Kinder in einer Atmosphäre existenzieller Angst seelisch gesund bleiben können. Ihr Leben ist seit einem Jahr geprägt von immer neuen Schreckensmeldungen und allgegenwärtigen Monsterbildern des Virus vor angsterregenden Hintergründen. Jüngere Kinder werden von Masken zutiefst verunsichert. Wir wissen heute, dass sie an der Mimik ihrer Betreuer ablesen, ob sie sich sicher fühlen können. Bereits jetzt zeigen Kinder weltweit deutliche Verhaltensstörungen, die von einer immer tiefgreifenderen Traumatisierung sprechen. Auch nach der Pandemie werden wir noch jahrelang mit Traumafolgestörungen zu tun haben. 

Persönlich erlebte ich bei diesen Fragen, dass die Quelle aller Angst – diejenige um den Fortbestand des eigenen Selbst – versiegt, wenn man sich daran erinnert, dass der Tod nicht das Ende der Existenz bedeutet. Er ist der Übergang in meine eigentliche Heimat in der geistigen Welt, in der ich vor der Geburt schon war. Diese Gewissheit schenkt Ruhe und innere Freiheit.

Uwe Beck, Schulleiter an der Deutschen Schule Moskau

Uwe Beck (Foto: Tino Künzel)

Wir haben Dinge, die wir ohnehin stärken wollten, wie die Digitalisierung und das selbstständige Lernen, nach vorn gerückt. Am Anfang waren wir alle nicht zufrieden, wie das lief, aber letztlich hat uns diese nie dagewesene Extremsituation unheimlich gepusht. Es macht mich stolz, dass wir uns davon nicht unterkriegen lassen haben. Unsere Schule ist ein lebendiger Organismus, der gezeigt hat, wie widerstandsfähig er ist. Mir blutet zwar das Herz, dass es in diesem Jahr kein Willkommensfest und keinen Weihnachtsbasar in der gewohnten Form geben konnte. Aber dafür haben wir andere Sachen gemacht. Und unser Sicherheitskonzept greift. Von über 400 Schülern sind nur acht an Covid erkrankt.

Zusammengestellt von Tino Künzel

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