Wo gibt’s die deutscheste Currywurst in Moskau?

Von der Küste bis zum Bodensee, vom Ruhrpott bis Berlin, die Deutschen lieben die Currywurst. Doch wo gibt es den Imbiss-Klassiker in Moskau? Und schmeckt der hier wie zuhause? Das haben wir im Auftakt zu unserer neuen Fast-Food-Serie „Schaschlik & Schiguli“ erkundet.

Die Currywurst im Wurstbären
Top: Die Currywurst im WurstBären kann sich sehen lassen. (Foto: Jiří Hönes)

Die Grenzen sind nun schon fast seit einem Jahr weitgehend dicht, viele Deutsche in Moskau haben ihre Heimat seit Monaten nicht gesehen. Da kann schon mal eine gewisse Sehnsucht aufkommen, auch nach den kleinen Dingen. Wie etwa nach einer schlichten Currywurst.

Der Deutschen liebster Fast-Food-Snack ist in Russlands Hauptstadt nicht gerade an jeder Ecke zu bekommen. Also zogen meine russische Kollegin Ljubawa Winokurowa und ich los, um die besten Currywürste Moskaus zu finden. Sie schwört auf Curry 36 am Berliner Bahnhof Zoo, ich kann nicht nach Frankfurt, ohne bei Best Worscht in Town vorbeizuschauen. Und was gibt es Romantischeres, als an einer angegilbten Imbissbude vor irgendeiner S-Bahnstation zwischen Duisburg und Dortmund mit einer bunten Plastikgabel ein Stückchen Wurst in die Currysoße zu tunken?
Können es die Moskauer Gastronomen damit aufnehmen? Wo gibt es die deutscheste Currywurst der Stadt? Wo lässt man lieber die Finger davon? Wir haben es für Sie herausgefunden.

Krombacher Beer Kitchen

Unsere erste Station war dieses schlicht und schick gehaltene Lokal, das der Nowosibirsker Gastronom Denis Iwanow zusammen mit der Krombacher Brauerei ins Leben gerufen hat. Iwanow ist vor allem bekannt für sein Restaurant Sibir Sibir, wo es raffinierte sibirische Küche zu entdecken gibt. Hier in der Beer Kitchen finden sich dagegen Klassiker der deutschen Küche, Schweinshaxe, Käsespätzle, Grüne Soße. Und eben die Currywurst.

Die wirkt auf deutsch sozialisierte Geschmacksnerven allerdings wie eine Blendgranate. Was hat in dünne Scheiben geschnittener Knoblauch in der Soße zu suchen? Und wo ist das Currypulver? Die Soße ist zudem bocksauer. Die Wurst erinnert mehr an eine Krakauer als an eine Bratwurst.

Krombacher Beer Kitchen
Currywurst ohne Curry, dafür mit Knoblauch (Foto: Jiří Hönes)

Was als Beilage serviert wird, sind eher Kartoffelecken als Pommes. Alles in allem doch eine eigenwillige Interpretation des Klassikers. Vielleicht sollte man dem Küchenchef ein Stipendium zum Wurstbraten in Wanne-Eickel spendieren?

Currywurst

Voll und ganz der Currywurst verschrieben hat sich der gleichnamige Imbiss in Moskaus Hipster-Fresstempel Depot. Von der Wand grüßt Angela Merkel mit Bierkrug und auf der Wurst selbst weht die schwarz-rot-goldene Fahne.

Currywurst
Sieht besser aus als sie schmeckt: die Currywurst im Depot. (Foto: Jiří Hönes)

Auf der Wurst ist Currypulver zu erkennen, dennoch schmeckt die Soße etwas fad und auch hier zu sauer. Das ist eher Tomatenmark. Die Erkenntnis, dass eine Currywurst nichts Gesundes ist, scheint sich hier noch nicht breitgemacht zu haben. Immerhin gibt es ein Essiggürkchen dazu, das nach Zuhause schmeckt. Ansonsten auch eher so lala.

Mama, ja w Berlinje

„Mama, ich bin in Berlin“ nennt sich der Imbiss im Baltschug Gastromarket, der sich auf deutsches Fast Food spezialisiert hat. Würde allerdings die Currywurst in Berlin so schmecken, kämen bald keine Touristen mehr. Dass die deutsche Küche salziger ist als die russische – geschenkt. Aber muss man es dermaßen übertreiben?

Mama, ja w Berlinje
Saure Soße, labberige Pommes, das kann auch der hübsche Teller nicht wieder gut machen. (Foto: Jiří Hönes)

Die Soße dazu ist auch hier zu sauer. Currypulver fehlt ebenfalls. Noch ein bisschen Basilikum dazu und wir haben ein Würstel alla napoletana. Die Pommes sind außerdem fad und pappig, Kartoffelpüree in Barrenform. Tag 1 unserer Exkursion endet deprimierend.

WurstBär

Mit frischer Zuversicht suchen wir am nächsten Mittag den WurstBären auf. Die kleine Bar nahe der Metrostation Schabalowskaja widmet sich den beiden urdeutschen Themen Wurst und Bier, kommt aber sonst ohne Deutschtümelei aus. Die Currywurst gibt es in zwei Portionsgrößen. Wem die Soße nicht pikant genug ist, der kann die Wurst noch in das kleine Töpflein mit schärferer Variante tunken.

WurstBär
Die Currywurst vom Wurstbären kommt dem Ideal schon deutlich näher. (Foto: Jiří Hönes)

Ich bin angenehm überrascht. Die Wurst erinnert äußerlich zwar mehr an eine Bockwurst, schmeckt aber echt gut und ist schön fein, wie es sein soll. Die Soße dazu ist auch endlich einmal das, was man sich unter einer Currysoße vorstellt. Das Brötchen schmeckt original nach der Bude an der S-Bahn, die Pommes auch. Ob das jetzt ein Qualitätsmerkmal ist, mag jeder selbst beurteilen. Ich bin happy.

Underdog

Die sympathische Bar im Zentrum besticht durch soulige House-Musik, Craft Beer und eine Auswahl an verschiedenen Fast-Food-Spezialitäten wie Burger, Hot Dog und eben Currywurst mit Pommes. Und auch hier kann man ohne Bedenken zugreifen.

Underdog
Auch im Underdog kann man nichts falsch machen. Hübsche Schalen zudem! (Foto: Jiří Hönes)

Das Gericht kommt in einer Blechschale, garniert auch hier mit Essiggurke. Die Wurst ist zwar ungewöhnlich grob für eine Currywurst, doch sie schmeckt richtig gut und ist so groß, dass bestimmt jeder davon satt wird. Auch hier ist die Soße so, wie sie sein soll. Auf den Pommes findet sich grob gemahlener schwarzer Pfeffer, ungewohnt, doch raffiniert. Wir haben heute mehr Glück!

Berlin Bar

Nur am Wochenende in den Abendstunden geöffnet ist die Berlin Bar, ein angenehmer Schuppen mit fancy Einrichtung, wechselnden DJs, großer Cocktailkarte und einer kleinen Auswahl an Speisen. Bei dem Namen darf natürlich die Currywurst nicht fehlen.

Berlin Bar
In der Berlin Bar ist das Hefegebäck etwas verwirrend, die Wurst ist dagegen passabel. (Foto: Jiří Hönes)

Und die ist ebenfalls nicht verkehrt. Es sind gleich zwei Würste, die man serviert bekommt, dazu Kartoffelecken und ein Brötchen. Die Würste sind ein wenig weich, schmecken aber richtig lecker. Auch die Soße ist durchaus Ordnung, könnte allerdings etwas pikanter sein. Was jedoch ein süßes Hefeteiggebäck auf dem Teller zu suchen hat, das weiß vermutlich nur der Koch selbst.

Jiří Hönes

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