Bildung ohne Grenzen: Im „Raum für Kunst“ eröffnet die „Schule ohne Zentrum“

Im Dezember 2017 eröffneten das Goethe-Institut und das Moskauer Museum für Moderne Kunst den „Raum für Kunst“, der selbstorganisierte Projekträume aus Deutschland einlädt, sich mit der russischen Szene zu vernetzen. Am 1. September hat die „Schule ohne Zentrum“ des Kunstraumes „District“ aus Berlin eröffnet

Zentrum

Installationen und Zeichnungen der „Schule ohne Zentrum“ /Foto: Daniel Säwert

Seit Dezember 2017 läuft im Bildungszentrum des Moskauer Museums für Moderne Kunst das mit dem Goethe-Institut gemeinsam ins Leben gerufene Projekt „Raum für Kunst“, das die junge deutsche Kunstszene in Russland bekannt machen und mit hiesigen Initiativen verbinden möchte. Seit dem 1. September ist hier die Ausstellung „Schule ohne Zentrum“ des Kunstraums „District“ aus Berlin zu sehen.

Die „Schule ohne Zentrum“ ist ein langfristiges Projekt, eine kollektive Idee, bei der der Berliner Kunstraum mit Künstlern und der Bildungspolitik versucht, neue Formate zu entwickeln, um einen Wissensaustausch ohne Hierarchien zu ermöglichen, erklären die Kuratorinnen Suza Husse und Andrea Keppler.

Vielfältige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Aus Berlin haben die Kuratorinnen von „District“ drei größere Projekte nach Moskau gebracht, die alle thematisch eng miteinander verbunden sind – „Decolonizing 68“, „Undisciplinary Learning“ und die Online-Videoplattform „D‘EST“.

Im Projekt „Decolonizing 68“ präsentiert die aktuelle Berliner Atelierstipendiatin Karina Griffith den Film „Repair“. Dieser handelt von Guyana, einem kleinen Land, aus dem die Familie der Künstlerin stammt.  Nach dessen Unabhängigkeit 1966  brachte der US-amerikanische Geheimdienst CIA aus Furcht vor einer kommunistischen Machtübernahme viele Einwohner außer Landes. Griffith erlaubt mit ihrer Arbeit einen anderen, unbekannten Blick auf das Jahr 1968. „Repair“ besticht vor allem durch seine Naturaufnahmen. Griffith will damit Natur und Menschen des Landes wieder zusammenbringen und die Wunden der Vergangenheit heilen.

Mit der Vergangenheit setzt sich auch „D‘EST“ auseinander. Entstanden ist die Plattform aus der Doktorarbeit der Künstlerin Ulrike Gerhardt. Sie ist die Fortführung der langjährigen Beschäftigung mit dem Thema Postsozialismus. Dieser wird in „D‘EST“ nicht allein als politisches und geografisches Phänomen verstanden, sondern auch als soziales und persönliches. „D‘EST“ setzt sich mit dem Aufwachsen und der Sozialisierung in einer Umbruchphase auseinander, wie Suza Husse erklärt.

Die Filme erörtern Problematiken wie die Gestaltung von Subjektivität und des Körpers, der Beziehungen der Menschen zueinander ebenso wie die Bedeutung politischer Verschiebungen auf globalem Niveau für das Leben und Bewusstsein von Migranten. Es ist ein Projekt, dass zum Teil auch die offizielle deutsche Geschichtsschreibung infrage stellt. Insgesamt umfasst „D‘EST“ sieben Kapitel, die von verschiedenen Kuratorenteams erstellt wurden. Drei Kapitel sind bisher publiziert.

Aktionen an mehreren Orten

Die Moskauer Kunstszene wird unter anderem von Wiktorija Lomasko vertreten. Lomasko bietet auf Einladung selbstorganisierter Gruppen an vielen Orten, auch außerhalb Russlands, Workshops an, in denen Menschen ihre Belange und Kämpfe dokumentieren. Die dort entstandenen Comics und Stencils zeugen von Themen wie früher Verheiratung, häuslicher Gewalt, lesbischem Leben, dokumentieren aber auch die Fernfahrerproteste, die Russland im letzten Jahr ergriffen.

Ebenso vielfältig wie die künstlerischen Formen der „Schule ohne Zentrum“ sind auch die Orte, an denen sie stattfindet. Der Ausstellungsraum im Zentrum Moskaus ist nur ein Ort des Geschehens. So führt die Bewegung „Night Movement“ die Performance „Eintritt der Nacht“ auf.  Nach der Vernissage ging es während der Dämmerung mit dem Vorortzug raus aus Moskau in eine kleine Siedlung. Hier befindet sich die Datscha, in der die Kuratorinnen während ihres Aufenthaltes wohnen. Zugleich ist diese Datscha auch ein Teil der „Schule ohne Zentrum“ – hier sollen in aller Ruhe und Abgeschiedenheit Künstlertreffen und Gesprächsrunden stattfinden.

Auch der „Raum für Kunst“ wird während der Ausstellung zu einem steten Ort des Austausches. Im Oktober sind mehrere Workshops, Präsentationen und Gespräche mit den russischen und deutschen Künstlern geplant.

Daniel Säwert

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