
Die Luschniki haben sich in die neuen Patriarchenteiche verwandelt. Dieser Vergleich kann wie ein vernichtendes Urteil über Moskaus wichtigste Sportstätte klingen – oder aber wie ein Kompliment. „Patriki“ – die Patriarchenteiche – sind längst zum Synonym für den puren Partytrubel geworden. Und die jüngste Welle der permanenten Umgestaltung von Luschniki hat einen Teil des Publikums von den (einstigen) Teichen auf die (einstigen) Wiesen gelockt.
Zunächst schlugen die Sportler Alarm. Viele klagten in den sozialen Netzwerken, dass das Training deutlich unkomfortabler geworden sei. Die Lauf- und Radwege seien von gemächlich flanierenden Menschen blockiert. Schwer, einen Sprint hinzulegen, wenn einem jederzeit eine entspannte Mutter mit Kinderwagen in die Quere kommen kann. Die Beschwerden waren so massiv, dass die Leitung des Sportkomplexes Luschniki sich mit einem der Wortführer traf – dem Triathleten Jewgeni Romanenko. In seinem Aufruf in den sozialen Medien, der über eine Million Views verzeichnete, forderte er, die sportliche Komponente in Luschniki wiederherzustellen.
Man konnte sich einigen: Die Verwaltung des Sportkomplexes versprach unter anderem, die Bewegung von E-Scootern einzuschränken und die Durchfahrt von Autos durch den Brunnenbereich zu verbieten. Doch wer die Promenade entlangschlendert, an der die Lauf- und Radwege verlaufen, versteht schnell, dass auch heute noch Sportbegeisterte Rücksicht auf ihre unsportlichen Nachbarn nehmen müssen. Vom Zentralplatz in Richtung Fluss unterwegs, kann man plötzlich inmitten völlig unterschiedlicher Welten stehen: Im Rücken sprudeln die Brunnen, von links nahen die Nordic-Walker, von rechts strampeln Radfahrer vorbei, und über dem Kopf kriechen die Gondeln der Seilbahn langsam in Richtung Skisprungschanze, während in der entgegengesetzten Richtung die Passagiere der Zip-Line über den Fluss sausen. All das ist einen Besuch wert – nur bitte nicht ohne Sportschuhe für die Laufwege.
Igor Beresin


