
Im März 2025 startete das Unternehmen VK die Beta-Version der digitalen Plattform MAX. Alle Experten waren damals überzeugt, dass die Probleme bei Telegram und erst recht bei WhatsApp*, das zu dem als extremistisch eingestuften und in Russland verbotenen Unternehmen Meta gehört, vorprogrammiert sind.
Am 1. August begannen Tests mit selektiven Sperren von Anrufen in Telegram und WhatsApp* und bereits am 11. August meldeten Nutzer beider Messenger Störungen im Betrieb der Dienste: Internetanrufe kamen nicht durch, Audio- und Videonachrichten wurden nicht wiedergegeben.
Schließlich teilte Roskomnadsor am 13. August mit, dass es „Maßnahmen zur teilweisen Einschränkung von Anrufen in Telegram und WhatsApp* ergriffen habe“. Dabei betont die Behörde, dass keine weiteren Einschränkungen der Funktionalität dieser Messenger eingeführt werden.
Roskomnadsor begründete diese Maßnahmen damit, dass die Messenger zu den wichtigsten Diensten geworden sind, die „für Erpressung und die Einbeziehung von Bürgern in terroristische Aktivitäten genutzt werden“.
Das ist tatsächlich der Fall. Telefonbetrüger erpressen von Russen riesige Geldsummen, und wenn ein solcher Angriff aus der Ukraine kommt, wird das falsche Versprechen, das Geld zurückzuschicken, oft mit einer Bedingung verbunden – dem Anzünden eines Militärkommissariats oder eines anderen Objekts. So werden manche Rentner zu „Terroristen“.
Die Abschaltung der Anrufmöglichkeit in ausländischen Messengern (insbesondere unter der Voraussetzung der Identifizierung der Nutzer im heimischen Manager und einer starken Verschärfung des Umgangs mit SIM-Karten) dürfte die Möglichkeiten der Betrüger einschränken.
Als Bedingung für die Aufhebung der Sperren nennen die russischen Behörden die „vollständige Landung dieser Dienste in Russland“. Mit anderen Worten: leichter Zugang zu den Gesprächen der Nutzer.
Es scheint, dass Russen, die nichts über Signal und andere noch im Land funktionierende Messenger sowie VPN-Dienste gehört haben, wieder zu traditionellen Telefonanrufen wechseln müssen. Mobilfunkbetreiber dürften sich darüber freuen. Wie Forbes unter Berufung auf Quellen schrieb, haben die russischen Mobilfunkanbieter den Aufsichtsbehörden selbst vorgeschlagen, die Anruffunktion in Messengern zu sperren. Alle wollen ihre Konkurrenten mit allen Mitteln aus dem Weg räumen.
*gehört dem extremistisch eingestuften und in Russland verbotenen Unternehmen Meta.
Igor Beresin


