Süße Versuchungen aus Moskau

Es gibt sie in Geschmacksrichtungen wie Schokolade und Vanille aber auch mit einer exotischen Himbeer-Pistazie-Note: Eclairs gehören zu den angesagten Foodtrends in Moskau. Auch ein Paar mit russlanddeutschen Wurzeln setzt ganz auf die französischen Kalorienbomben.

Willi und Alexandra Lamm begeistern die Moskauer mit süßen und exotischen Eclairs. / Foto: Ljubawa Winokurowa

Einige Tische, Vasen mit frischen Blumen und eine große Vitrine, in der akkurat aufgereiht mehrere Reihen Cupcakes und Eclairs liegen: Die Konditorei Lamm’s an der Nowokusnezkaja Uliza mutet ziemlich minimalistisch an. Die Besitzer Willi und Alexandra Lamm haben sich beim Design nur auf das absolut Notwendige beschränkt.

Vom Journalismus zur Konditorei

Das junge Ehepaar führt seinen Laden im Moskauer Zentrum erst seit wenigen Monaten. Alexandra Lamm arbeitete zuvor einige Jahre als Assistentin der Geschäftsführung für Zeitschriften wie „Afischa“ und „RBK“. „Der Journalismus hat mir sehr gefallen“, erzählt die junge Frau. Doch in Russland erschöpften sich die Berufsaussichten für Redakteure oft nur in zwei Möglichkeiten. „Entweder man ist für die Regierung oder schreibt entschieden für die Opposition.“ Alexandra wollte sich für keine der Optionen entscheiden – und wählte einen ganz anderen Weg.

Nach der Arbeit und oft auch nachts buk die studierte Journalistin fortan Cupcakes und Eclairs, zuerst für Verwandte, dann auch für Arbeitskollegen. „Zur Dienstbesprechung am Dienstag habe ich immer ein Tablett mit Torte und Kuchen mitgebracht.“ Schnell wuchs sich die Feierabendbeschäftigung zu einem gutgehenden Geschäft aus. Immer mehr Bekannte, Freunde und Kollegen bestellten die süßen Naschereien. Schließlich konnte Alexandra ihren Job kündigen und ausschließlich vom Verkauf leben.

Das große Glück und der Umzug nach Deutschland

Dann traf sie Willi. Der junge Mann mit dem etwas altmodisch klingenden Namen entstammt einer russlanddeutschen Familie, die im Jahr 1995 aus dem Altai nach Bayern auswanderte. Dort lernte der damals Elfjährige schnell fließend Deutsch – und anschließend zum zweiten Mal Russisch. Nach der Schule diente Willi vier Jahre bei der Bundeswehr und probierte sich danach in verschiedenen Berufen aus, unter anderem in Australien und Asien.

Nach der Hochzeit zog das junge Paar nach Deutschland. Doch mit der Rolle einer Hausfrau konnte sich Alexandra nicht abfinden. Jeden Monat flog die leidenschaftliche Konditorin nach Moskau, um Back-Workshops durchzuführen und ihr Wissen weiterzugeben. Der Andrang der Kunden war groß und Alexandra mittlerweile sehr bekannt. Die Rückreise nach Deutschland fiel ihr von Mal zu Mal schwerer. Etwas musste sich dringend ändern.

Mit Workshops bei Meisterbäckern zur Perfektion

Und so entschloss sich das Paar, in der russischen Hauptstadt eine Konditorei zu eröffnen. Das notwendige Startkapital schoss ein ehemaliger Kollege vor. Die Lamms mieteten eine Backstube an und begannen mit der Ausbildung eigenen Personals. Schnell spielten sich auch die neuen Rollen im Unternehmen ein: Willi kümmert sich um Organisatorisches und leitet das Café, Alexandra behält in der Backstube den Überblick.

Besonders beliebt sind die Eclairs der Lamms. Und das ist auch kein Wunder. Denn Alexandra hat extra mehrere Workshops bei Meisterbäckern wie dem Georgier Saba Janj­gawa und dem britischen Eclair-Star Joakim Prat besucht, um die perfekte Zubereitung der französischen Süßspeise zu erlernen.

Eine Kalorienbombe mit Zutaten aus Tahiti

„Ich kann das Eclair natürlich nicht neu erfinden“, erklärt sie bescheiden. Auch wolle sie nicht behaupten, dass ihr Gebäck das beste in der russischen Hauptstadt sei. Eines wisse sie dafür aber ganz genau. „So ein Vanille-Eclair wie bei uns gibt es in Moskau nur einmal!“ Das Geheimnis? Beim Backen setze sie mit Bourbon-Vanille und Schoten von der fernen Südpazifikinsel Tahiti auf besonders hochwertige Zutaten. „Die Geschmacksrezeptoren merken den Unterschied sofort“, erklärt die Konditorin, „und es bleibt ein angenehmer Nachgeschmack.“

Im Angebot haben die Lamms Eclairs mit Geschmacksklassikern wie Schokolade, Vanille, Zitrone und Himbeere. Aber auch Feinschmecker kommen nicht zu kurz. Auf sie warten exotische Füllungen wie Himbeer-Pistazie, Mango-Maracuja, Karamell oder Haselnuss. Unter der Woche gehen bis zu 150 Eclairs pro Tag über die Theke. An den Wochenenden seien es dagegen schon mal bis zu 350 Stück, freuen sich die jungen Unternehmer.

Und welche Geschmacksrichtung bevorzugen die Moskauer? „Karamell“, sagt Alexandra. Die Hauptstädter hätten geradezu Heißhunger auf die zuckersüße Glukosebombe der Lamms.

Ljubawa Winokurowa

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