Beim Bart des Weihnachtsmanns

Auch wenn das Verhältnis zwischen Moskau und Berlin derzeit nicht gerade froh und munter ist – Weihnachten ist immer und damit auch Weihnachtsbasar an der Deutschen Botschaft. Am 1. Dezember ist es wieder so weit. Der MDZ haben einige an diesem Großereignis Beteiligte von ihren Vorbereitungen berichtet.

Regina Snell, Ehepartnerin des Leiters des Landwirtschaftsreferats an der Deutschen Botschaft, bäckt Lebkuchenhäuser.

Ich mache jetzt zum dritten Mal mit. Die Bauteile für die Lebkuchenhäuser backen alle Freiwilligen bei sich zu Hause, dann treffen wir uns zweimal zum gemeinsamen Zusammensetzen und Verzieren. Jeder bringt ein wenig Dekomaterial für die Häuschen mit. Das kommt dann auf einen Haufen, von dem sich alle nehmen können, was sie brauchen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wir hatten zum Beispiel schon mal ein Brandenburger Tor. Die Treffen sind eine gesellige Angelegenheit, das eine oder andere Sektchen darf da schon mal sein. Innerhalb kürzester Zeit kleben sämtliche Oberflächen in der Dekowerkstatt und der Fußboden ist mit Smarties und Kuchenstreuseln übersät. Da es sich um winterliche Lebkuchenhäuschen handelt, darf natürlich die Watte in den Schornsteinen und der Puderzucker auf dem Dach nicht fehlen. Wenn alles fertig ist, werden die Häuschen noch hübsch in Zellofan eingepackt.

Dietmar Tusk ist Leiter des Weihnachtsbasarkomitees.

Die Vorbereitungen sind stressig. Vor allem müssen Waren aus Deutschland in großen Mengen bestellt werden. Unsere Besucher  – überwiegend Einheimische  – lieben deutsches Weihnachtsgebäck und vor allem die Schwibbögen und Nussknacker aus dem Erzgebirge, von den selbstgebackenen Lebkuchenhäuschen ganz zu schweigen. Die sind immer als Erstes ausverkauft. Das Kuchenbuffet mit über 110 Kuchen wurde letztes Jahr regelrecht „geplündert“. Es kamen gut 2000 Menschen, die erste Besucherin stand bereits um 8 Uhr vor den Türen der Botschaft. Für die zwei Stunden bis zur Eröffnung hatte sie sich ein Buch mitgenommen. Insgesamt konnten wir einen Erlös von etwa 30.000 Euro erzielen, der an medizinische Einrichtungen und Projekte mit Kindern und Behinderten ging. Solche Spenden sind für wohltätige Organisationen sehr wichtig, da sie von staatlicher Seite kaum unterstützt werden.

Wenn die Botschaft für den Weihnachtsbasar ihre Tore öffnet, wird es voll. © Deutsche Botschaft Moskau

Simone Hillmann, Slawistin und Stadtführerin in Moskau, verkauft Selbstgenähtes.

An meinem Stand findet sich nicht nur Weihnachtliches, Muster mit Matrjoschkas kommen ebenfalls sehr gut an. Der Tag auf dem Basar ist schon ein bisschen anstrengend, andererseits trifft man viele Leute und hat schöne Gespräche. Da auch mein Mann mit von der Partie ist, kann einer von uns immer mal selbst herumgehen. Mit dem Nähen für den Basar fange ich bereits im Sommer an. Aber Stress versuche ich generell zu vermeiden. Das Nähen ist für mich ein guter Ausgleich und Entspannung.

Der Weihnachtsmann ist nebenberuflich an der Botschaft tätig.

Auf dem Basar bin ich die Galionsfigur fürs Fotoshooting, mit der alle ein Foto machen wollen. Meine Aufgabe ist es außerdem, die Leute aufzumuntern, vor allem diejenigen, die draußen auf der Straße in der Warteschlange stehen. Das Weihnachtsmannkostüm habe ich von meinem Vorgänger geerbt. Und weil ein Weihnachtsmann schließlich immer langes Haar hat, lasse ich es seit August zusammen mit dem Bart wachsen. Im Winter müssen mich die Menschen schließlich als solchen erkennen. Nebenbei arbeite ich noch in der Deutschen Botschaft, von irgendetwas muss auch ein Weihnachtsmann schließlich leben. Damit ich bei dem ganzen Stress mein freundliches Äußeres behalte und weiterhin mein schönes Lächeln verbreiten kann, treibe ich regelmäßig Sport. Denn Gesundheit ist auch für den Weihnachtsmann wichtig.

Beate Grzeski ist als Gesandtin der Botschaft in die Vorbereitung des Weihnachtsbasars involviert.

Ich habe den Weihnachtsbasar letztes Jahr zum ersten Mal nach meiner Ankunft in Moskau besucht. Dieses Jahr war ich daran beteiligt, die zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfer zu einem Vorbereitungstreffen einzuladen. Besonders freue ich mich, dass auch russische Studierende wie zum Beispiel von der Lomonossow-Universität unser Helferteam tatkräftig unterstützen – einige bereits seit Jahren. Ansonsten gibt es ein sehr aktives und erfahrenes Organisationskomitee, auf das ich mich verlassen kann.

Am Tag der Veranstaltung werde ich mich warm anziehen, denn einige Stände befinden sich ja im Freien und da ist es jetzt schon ganz schön kalt. Auf dem Basar wollen wir die deutschen Weihnachtsbräuche vorstellen und hoffen, dass wir auch dieses Jahr eine gute Resonanz bei russischen Besuchern und bei der Expat-Community haben. Dann können mit dem Erlös wieder soziale Projekte der Zivilgesellschaft in Moskau und Umgebung durch das Organisationskomitee gefördert werden, wie in den vorangegangenen 13 Jahren auch.

Igor Tschepuryschkin ist Direktor eines vom Weihnachtsbasar unterstützten Kinderheims bei Smolensk.

Wir werden den Weihnachtsbasar nun schon zum sechsten Mal besuchen. Die Kinder verkaufen dort selbstgemalte Bilder und Bastelarbeiten. Mit dem Geld, das wir einnehmen und vom Basarkomitee bekommen, können wir neue Mal- und Bastelmaterialien kaufen, verschiedene Projekte finanzieren und unsere Räume renovieren. Auf der Veranstaltung treffen wir alte Freunde und lernen neue kennen. Mit dem Weihnachtsmann sind wir auch schon sehr lange gut befreundet, er kennt bereits alle unsere Kinder. Er ist nicht sehr gesprächig, wahrscheinlich liegt das an der Sprache. Aber er ist sehr gutherzig und aufmerksam.

Karolin Graf, Sachbearbeiterin im Pressereferat, kümmert sich um passende Geschenke.

Ich organisiere zwei Stände – einen mit Eierpunsch und einen mit Geschenken. Die Geschenke sind Mitbringsel und Gegenstände aus aller Welt, die sich bei mir und den Kollegen über die Jahre angesammelt haben. Sie werden von uns hübsch verpackt, feinsäuberlich beschriftet und dann auf dem Basar verkauft. Letztes Jahr waren die Geschenke schon eine Stunde nach Eröffnung ausverkauft, 600 Euro Reingewinn haben wir damit gemacht. Wegen der großen Resonanz habe ich beschlossen, den Stand dieses Jahr wieder zu machen. Der November ist bei mir der arbeitsintensivste Monat überhaupt, aber es ist ja alles für einen guten Zweck. Deshalb sind wir in der Botschaft gerne bereit, auch mal ein paar Feierabende dafür zu opfern.

Zusammengestellt von Lena-Marie Euba.

Kommentare

Kommentare

Newsletter




Wir bitten um Ihre E-Mail: