Sicher durch unbekannte Fahrwasser

Das Geschäftsumfeld war bereits wechselhaft und komplex - und dann kam auch noch die Corona-Epidemie dazu: In Krisenzeiten müssen Unternehmen schnell reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie das geht, verrieten deutsche und russische Wirtschaftsexperten bei den jüngsten Moskauer Gesprächen.

Wohin? In Krisenzeiten suchen Unternehmen nach Orientierung. (Foto: normalnet.ru)

Corona, dichte Grenzen, Lockdown: „Was uns 2020 an Wandel gebracht hat, darauf war niemand gefasst!“ Mit diesen Worten eröffnete Moderatorin Eva Schmidt Ende Oktober die jüngste Runde der Moskauer Gespräche. Thema der Diskussionsveranstaltung, die aufgrund der Pandemie wieder im Zoom-Format stattfand: Unternehmen unter den Bedingungen ständiger Veränderungen. „Wie können sie sich wappnen, um durch die Krise zu gehen?“, gab Eva Schmidt die Richtung der Diskussion vor. „Wie können sie sich darauf einstellen?“

Kontakt halten im Homeoffice

Andrej Bivietskij, Managing Director beim deutschen Softwareunternehmer SAP in Moskau verwies auf die gestiegene Bedeutung von Unternehmenskultur und Kommunikation in der Krise. Seien diese schlecht ausgebildet, könne im Homeoffice die Firmenbindung der Mitarbeiter schnell schwinden. Ein Wechsel zur Konkurrenz falle dann viel leichter. „Unternehmen brauchen daher Konzepte, um ihr Personal zu binden!“

Aber auch im Verhältnis zum Kunden habe die menschliche Komponente an Wichtigkeit gewonnen. Hervorragende Produkte reichten in den meisten Fällen als Alleinstellungsmerkmale nicht mehr. Firmen müssten die Arbeit ihrer Callcenter, Vertrags- und Einkaufsabteilungen verbessern. „Die Frage ist, wie halte ich meine Kunden?“

Flexibel entscheiden im Krisenmodus

Dies sah auch Claudia David so. Zudem bräuchten erfolgreiche Unternehmen auch flache und agile Entscheidungsstrukturen, ergänzte die Gründerin der Hamburger Beratungsagentur Opportunity Catalyst. Diese würden unter den Bedingungen der Krise garantieren, dass Firmen flexibel auf die Probleme der Coronakrise reagieren, bewährte Produkte kritisch auf deren weiteres Markpotential hinterfragen und gegebenenfalls eine Neuausrichtung der Firma vorantreiben. „Alte hierarchische Strukturen sind da viel schwerfälliger!“

Allerdings seien solche Innovationen in kleinen Firmen und dem Dienstleistungssektor auch viel einfacher umzusetzen, kritisierte Falk Tischendorff. „Ganz anders sieht es in der Industrie und im Mittelstand aus“, führte der Leiter des Moskauer Büros der Wirtschaftskanzlei Beiten-Burkhardt aus. Die mit der Coronakrise einhergehenden Veränderungen hätten den ohnehin bestehenden Druck zur Digitalisierung weiter verschärft, in den großen Betrieben stünden Investitionen an, von denen nicht klar sei, ob sie sich auszahlten. „Es stehen Änderungen in den Industrieabläufen an, auf die sich mittelständische Unternehmen gar nicht ohne Weiteres einstellen können!“

Vertrauen statt Kontrolle

Bedingung für solche Umstellungen sei Vertrauen in die Mitarbeiter, merkte Sven Franke von der Unternehmensberatung CO:X an. Einseitige, autoritäre Kontrolle der Arbeitnehmer sei ein überholtes Konzept.

Birger Schütz

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