Quarkriegel nach russischer Art: Konkurrenz für die Milchschnitte

In Russland ist er aus dem Kühlregal nicht wegzudenken: der Syrok. Jetzt gibt es den süßen Riegel aus Quark und Schokolade auch in deutschen Supermärkten. Ein Start-up aus Berlin hat den Klassiker mit sowjetischen Wurzeln als Snack für Großstädter und Trendbewusste auf den Markt gebracht.

Grenzenlose Leckerei: der Quarkriegel aus dem deutschem Supermarkt und der Syrok aus dem russischen (Fotos: Quarkwerk, Tschudo)

Er ist so klein, dass er locker auf eine Handfläche passt. Aber wer einmal einen davon probiert hat, weiß, dass das reicht. Der Syrok erinnert in Konsistenz und Geschmack an eine Mischung aus Eis und Käsekuchen und funktioniert als Pausensnack genauso wie als Nachtisch. Egal ob mit Karamell, Vanille oder Rosinen, die Schokoglasur ist Pflicht. Während der kleine Riegel von Murmansk bis Wladiwostok wohl in jedem Supermarkt zu finden ist, war er in Deutschland bis vor Kurzem völlig unbekannt. Der Unternehmer Robert Morgunov wollte das ändern und gründete 2019 das Start-up Quarkwerk.

Mit dem Syrok aufgewachsen

Seitdem vertreibt die Firma einen Ableger des osteuropäischen Produkts unter dem Namen „Quark Riegel“, also der deutschen Bezeichnung dafür, was der Syrok letztlich ist. Erfahrung hatte Morgunov in der Lebensmittelbranche bis dahin nicht. Aber das Produkt, das seine Firma verkaufen sollte, war ihm vertraut. Aufgewachsen im lettischen Riga, kannte er die süße Speise, die in der Sowjetunion ab den 1950er Jahren in Massenproduktion hergestellt wurde, seit seiner Kindheit.

Morgunov, dessen Vater Russlanddeutscher ist, kam Ende der 1990er Jahre mit 20 nach Deutschland, zunächst in eine kleine Gemeinde in Schwaben. Nach dem Studium hatte er die Idee, „dieses Produkt aus Osteuropa auch auf den deutschen Markt zu bringen“, wie er erzählt. Mit seinem später in Berlin gegründeten Unternehmen wolle er „eine komplett neue, moderne Molkereimarke in Deutschland etablieren“. Der Quarkriegel sei ideal dafür, neben großen Wettbewerbern zu bestehen, weil das Produkt absolut neu auf dem Markt sei.

Der Plan scheint aufzugehen: Der Snack wird in großen Supermarktketten ebenso verkauft wie in Bio-Märkten. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl der Verkaufsstellen auf 3000 verdoppeln. Erklärtes Ziel ist es, dass der Newcomer im Kühlregal für jeden in einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern erhältlich ist.

Produziert wird in Estland

Um den Quarkriegel in Deutschland als Innovation zu verkaufen, nutzt Morgunov das Wissen von dort, wo er als Syrok eine lange Tradition hat. Es sei kein einfaches Produkt, „das ich schnell in der Küche machen kann“, betont er. Die Qualitätsunterschiede auf dem Markt seien groß. Ein Syrok bestehe idealerweise aus hochwertigen Zutaten, sei bei der Produktion möglichst wenig Sauerstoff ausgesetzt und enthalte keine Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. In Russland gebe es zwei, drei Hersteller, die den anderen voraus seien. „Das ist auch die Messlatte für uns.“

Eine Produktionsstätte, die seinen Ansprüchen gerecht wird, hat Morgunov in Estland gefunden. Dort werden mit komplexer Technologie eigens die deutschen Quarkriegel produziert. „Letztendlich greife ich auf die Erfahrung der Molkereiwirtschaft in den baltischen Ländern zurück“, fasst er zusammen.

Aktive Städter als Hauptzielgruppe

Davon, dass das Produkt seinen Ursprung in Osteuropa hat, bekommt der Kunde im deutschen Laden nichts mit. Morgunov hat sich bewusst gegen die Vermarktung als etwas beispielsweise typisch Russisches entschieden, um eine möglichst breite Käuferschicht anzusprechen. „Die Marke ist für eine urbane Zielgruppe, die keinen Russlandbezug hat“, sagt er. Neben beruflich eingespannten Städtern, die er als „Busy Urbans“ bezeichnet, nennt der Firmengründer auch die „Instagram-Generation, die auf Trends achtet und etwas Neues probieren will“. Eins zu eins vom Original übernommen sei die Rezeptur zudem nicht. Außerdem wolle er sich die Möglichkeit offenhalten, unter der Marke auch Produkte zu verkaufen, die nicht ursprünglich aus Osteuropa stammen.

Für das nächste gilt das aber erst einmal nicht: Es ist ein Kefir-Smoothie mit Fruchtgeschmack in Planung – in einem handlichen Format für aktive Stadtmenschen, denen Berlin wahrscheinlich näher ist als Moskau.

Anna Finkenzeller

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