Kaffee auf einen Blick

Es klingt ein wenig nach Science-Fiction: In den Cafés der russischen Hauptstadt könnten Gäste künftig ohne Bargeld und Kreditkarte auskommen. Möglich macht dies eine biometrische Lösung, die von der Sberbank und Visa entwickelt wurde. Wie funktioniert das System?

Kaffeepause in Moskau: Bezahlen mit Bildschirmkamera und Gesichtserkennung (Foto: Maria Bolschakowa)

Kennen Sie das auch? Ein anstrengender Arbeitstag, endlich eine Kaffeepause. Sie gehen schnell ins Café und merken erst an der Kasse, dass sie weder Bargeld noch Kreditkarte dabeihaben. Jetzt und hungrig und frustriert ins Büro zurückkehren? Und wie wäre es, mit nur einem Blick zu bezahlen? Klingt nach Sci­ence-Fiction, ist aber schon in einigen Moskauer Cafés möglich.

Eine App und wenige Handgriffe

Das Projekt hat die russische Sber-Bank zusammen mit Visa entwickelt. Um die Funktion zu aktivieren, muss man erstmal die Sber-App öffnen und der Verarbeitung biometrischer personenbezogener Daten zustimmen. Dann wird mithilfe der App ein kleines Video gemacht, damit das Gesicht in verschiedenen Positionen erkannt wird. Nach einer kurzen Bestätigung der Funk­tion „Bezahlung auf einen Blick“ kann man sicher ins nächstgelegene Café auch ohne Geldbörse gehen.

Dort an der Kasse gibt es einen speziellen Bildschirm und die Kamera scannt das Gesicht. Das Geld für den Kauf, der einen Wert von 1000 Rubel nicht überschreiten soll, wird automatisch von der Kreditkarte abgebucht. Im Sommer 2020 wurde die neue biometrische Lösung erstmals in 29 Cafés der Healthy-Food-Kette PRIME getestet. Anfang dieses Jahres wurde die Innovation dann für die gesamte Cafékette in Moskau eingeführt.

Erst Vorsicht dann Begeisterung

Das PRIME-Café in einem Business-Zentrum in der Nähe der U-Bahn-Station Kaluschskaja war eines der ersten. Die Kunden seien zwar begeistert, aber auch ganz vorsichtig gewesen, erzählt Barista Igor. Am Anfang waren es nur ein paar Zahlungen pro Tag, obwohl für interessierte Kunden sogar ein spezieller Rabatt vorgesehen war. Mit der Zeit gewann die „Bezahlung auf einen Blick“ aber an Beliebtheit. Vor allem Studenten und Büroangestellte nutzten das neue System gerne. Mittlerweile werden fast zwanzig Prozent der Bestellungen des PRIME-Cafés nahe des Bolschoi-Theaters mit Hilfe des biometrischen Systems bezahlt. Wahrscheinlich ist es nur eine Gewohnheitssache. Es gab Zeiten, in denen auch die NFC-Funktion und die Möglichkeit, mit dem Smartphone zu bezahlen, etwas Besonderes waren. Jetzt ist es eine tägliche Routine in Moskau.

Natürlich möchten die Kunden nicht nur die innovativste und bequemste, sondern auch die sicherste Zahlungsmethode verwenden. Die Entwickler behaupten, dass der Algorithmus eine Person durch besondere Merkmale identifiziert. Eine Reihe solcher Besonderheiten wird als Vorlage gespeichert. So kann der Algorithmus nicht mit Make-up oder Fotos getäuscht werden. Er muss den Kunden auch mit einer neuen Frisur oder mit einem Bart erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand versehentlich „mit einem Blick“ den Kauf einer anderen Person bezahlt, ist ebenfalls ausgeschlossen. Erst wenn der Barista weiß, dass man auf die neue Weise bezahlen möchte, schaltet er das System ein.

Ein weltweiter Trend

In jüngster Zeit werden solche Technologien weltweit immer beliebter. So hat Amazon im Herbst 2020 eine neue Zahlungsmethode namens Amazon One vorgestellt. In Amazon-Läden in den USA konnten die Kunden ihre Einkäufe nun einfach per Hand bezahlen. Beim Eingang scannt das Lesegerät die Handfläche, zuvor muss aber die Information mit der Kreditkarte und einer Handynummer verknüpft werden. An der Kasse soll man nur die Hand über den Scanner halten. Ein paar Sekunden und fertig.

Das Sicherheitsniveau dieser Methode ist vergleichbar mit der Fingerabdruckerkennung, aber die Palm-Technologie kann aus kurzer Entfernung verwendet werden, was sie viel praktischer macht. Nach dem Ende der Testphase kann Amazon One auch weitere Einsatzgebiete finden, zum Beispiel für den Eintritt zu Veranstaltungen.

Gesetz für die neue Technologie

Es scheint, dass die Biome­trie auch in Russland eine große Zukunft hat. Ende Dezember 2020 hat die Staatsduma eine Reihe von Änderungen zur Entwicklung biometrischer Technologien vorgenommen. Das Gesetz erweitert die Anzahl der Bereiche, in denen die Biometrie angewendet werden kann, und präzisiert zugleich die Anforderungen an die Datensicherheit. Gegenwärtig ist es noch schwer zu sagen, wie lange die Umsetzung dauern wird, aber zumindest ist bereits klar, dass die Bezahlung mit einem Blick nicht mehr nur Spaß, sondern unsere neue Realität ist.

Maria Bolschakowa

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