Deutsch-Russische Regierungskommission: Hilfe zur Selbsthilfe

In München tagte Ende Mai die Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen bereits zum 24. Mal. Es ging vor allem um den Ausbau der Kultur- und Geschäftszentren der Russlanddeutschen in Russland, die darauf ausgerichtet sind, nicht nur ethnokulturelle Arbeit zu leisten, sondern auch Aktivitäten auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet zu fördern.

Kaisersaal

Die Sitzung der Kommission fand im Kaisersaal der Münchner Residenz statt. Der majestätische Saal aus dem 17. Jahrhundert bot kaum Platz für alle Teilnehmer des Treffens / © Julianna Martens

In der Münchner Residenz, in jenem Saal, in dem einst bayerische Könige ihre Gäste empfingen, fand am 27. und 28. Mai die 24. Sitzung der Deutsch-Russischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen statt. Der Gastgeber des Treffens, Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, nannte zwei Herausforderungen, mit denen die Mitglieder der Kommission zuletzt konfrontiert waren.

Zum einen war dies der Wechsel des Vermittlers zwischen dem deutschen Innenministerium und der Selbstorganisation der Russlanddeutschen, zum anderen die Übergabe des Deutsch-Russischen Hauses in Moskau an die Leitung der Selbstorganisationsstruktur. Diese beiden Herausforderungen sind mittlerweile gemeistert.

Wechselnde Prioritäten im Lauf der Jahre

Die Kommission tagt seit 1992 und ist die am längsten bestehende und einzige deutsch-russische Kommission, die trotz aller politischen und geopolitischen Probleme weiterhin aktiv ist. Während der Arbeit der Kommission haben sich ihre Prioritäten mehrmals geändert. In den frühen Neunzigerjahren sprach man bei den Treffen vor allem über die Hilfe für die neu gebildeten deutschen Nationalkreise in Sibirien.

Ab Mitte der Neunzigerjahre ging es um die Schaffung Deutsch-Russischer Häuser und eines Netzwerks von Begegnungsstätten. Nach zehn bis 15 Jahren gewann die Unterstützung für Partnerschaften russlanddeutscher Verbände in Russland und Deutschland sowie die Selbstorganisation der Russlanddeutschen an Bedeutung. In den letzten Jahren konzentrierten sich die Mitglieder der Kommission auf den Aufbau eines Netzwerks von Kultur- und Geschäftszentren der Russlanddeutschen.

Plattform für wirtschaftlichen Austausch

Die Grundidee dahinter: Die Zentren sollen nicht nur ethnokulturelle Arbeit zum Wohle der Russlanddeutschen leisten, sondern sich auch sozial und wirtschaftlich engagieren und zu einer Plattform für den Dialog zwischen kleinen und mittleren Unternehmen aus Russland und Deutschland werden.

Bei dem Treffen in München wurde die Eröffnung des Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen in Jekaterinburg und Kemerowo besprochen. Auch die Erweiterung des Kultur- und Geschäftszentrums in Omsk, das 2016 seine Einweihung feierte und seitdem sehr erfolgreich ist, war Thema der Tagung. Es wurde beschlossen, dass das Deutsch-Russische Haus in Moskau bereits in diesem Jahr von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) an die Selbstorganisation der Russlanddeutschen übergehen wird. Es wird seinen Namen behalten, aber faktisch wird es als Kultur- und Geschäftszentrum dienen.

Die deutsche Seite stellt jedes Jahr etwa 9,2 Millionen Euro für die ethnokulturelle Entwicklung der Russlanddeutschen zur Verfügung. Die russische Seite steuert ihrerseits aus dem Staatshaushalt und dem Regionalhaushalt für die gleichen Zwecke rund 150 Millionen Rubel (ungefähr 2 Millionen Euro) bei.

Olga Silantjewa

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