
In den letzten Tagen erscheinen stätig neue Zahlen zu den Schließungen von Kohlebergbau-Werken im russischen Kohlerevier Kusnezker Becken, kurz Kusbass. Nun spricht der Gouverneur der Region, Ilja Seredjuk, von 17 solcher Fälle. Viele Unternehmen arbeiten inzwischen unterhalb der Gewinnschwelle und machen Verluste.
Der Kohlebergbau in Russland befindet sich derzeit laut Seredjuk aufgrund der Sanktionen des Westens und des Rückgangs der Weltmarktpreise in Schwierigkeiten. Dabei seien nicht alle Unternehmen für immer geschlossen, so der Gouverneur.
Die Hälfte von ihnen wurde demnach „definitiv“ stillgelegt, und die Arbeiter wurden auf andere Holdingunternehmen umverteilt.
Rückgang der Weltmarktpreise für Kohle
Ein weiterer Grund für die Krise in der Branche ist also der Rückgang der Kohlepreise auf dem Weltmarkt, wo der Anteil der Rohstoffe aus dem Kusbass 14 Prozent beträgt. Seredjuk wies darauf hin, dass der asiatische Sektor derzeit aktiv entwickelt werde – insbesondere der indische und der chinesische Markt. Dies bringe aufgrund eines starken Anstiegs der Kosten aufgrund der komplexen Logistik Schwierigkeiten mit sich. Aus diesem Grund sei die Kohleproduktion im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8% gesunken.
Zuvor hatte der Gouverneur von Kusbass berichtet, dass der Regionalhaushalt im Jahr 2024 aufgrund der sich verschlechternden Lage im Kohlebergbau rund 58 Milliarden Rubel einbüßen werde. Für 2025 werden Verluste von weiteren 10 Milliarden Rubel prognostiziert. Dies sei auf den Rückgang der Weltkohlepreise, Sanktionen und die unzureichende Kapazität des Ost-Polygons zurückzuführen.
Die Region Kemerowo geht davon aus, dass die Kohleproduktion im Jahr 2025 auf dem Niveau von 2024 bleiben wird.
Wichtigkeit der Branche für Region
Im Kusbass sind 95 000 Menschen in der Kohleindustrie beschäftigt. In der Region sind mehr als 150 Kohleunternehmen tätig, die über 50 Prozent der gesamten russischen Kohle fördern. Die Industrieunternehmen sind für die meisten Städte der Region prägend, und die Steuern aus der Kohleindustrie bilden die Haupteinnahmequelle des Regionalhaushalts.
Gleichzeitig ist die Kohleproduktion in der Region seit mehreren Jahren rückläufig: Seit Anfang 2025 wurden 66,5 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Das sind 4,9 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2024.
In Bezug auf die Diversifizierung der regionalen Wirtschaft erklärte der Gouverneur, dass Kohle 30% des BIP ausmache. Gleichzeitig sind Metallurgie, Chemie, Maschinenbau, Fertigung und „neue Sektoren“ – Tourismus und Landwirtschaft – weitere wichtige Industrien für Kusbass.
„Diese Industrien sind nicht weit genug entwickelt, um den Anteil der Kohle an der Wirtschaft zu ersetzen. Wir bevorzugen die Entwicklung alternativer Industrien, sind uns aber gleichzeitig bewusst, dass Kohle die Grundlage der Wirtschaft unserer Region war und bleibt.“
Man plant demnach, alternative Industrien so zu entwickeln, dass sie den Anteil der Kohle am regionalen BIP ersetzen.
Einwohner auch unter Leidtragenden
Im Februar haben sich Einwohner des Dorfes Ulus in Videobotschaften an die Regionalbehörden und Präsident Wladimir Putin über den Mangel an sortierter Kohle beschwert. Stattdessen wurde ihnen minderwertige Kohle geliefert, mit der sich Häuser nicht heizen ließen.
„Wir brauchen etwa acht Tonnen sortierte Kohle für den Winter. Was sie uns jetzt bringen, ist ein Vielfaches davon. Den Nachbarn wurde buchstäblich Kohlenstaub mit Erde vermischt gebracht“, beschwerte sich eine Einwohnerin.
Die Behörden hatten Anfang 2025 angekündigt, keine sortierte Kohle mehr zu Vorzugspreisen an die Einwohner zu verkaufen. Das Lieferunternehmen „Kuzbasstopliwosbyt“ lehnte es ab, Vorzugskohle zu produzieren – der Preis dafür erwies sich als deutlich niedriger als die Produktionskosten.
Nach Angaben des Analysezentrums „TEK“ ist die Kohleindustrie im vergangenen Jahr die einzige unrentable Branche in Russland geworden.
Viktoria Nedaschkowskaja


