Bis später, Deutschland

Der russische Grenzdienst hat aktuelle Zahlen zu Auslandsreisen der Russen vorgelegt, nach Zielländern geordnet. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es demnach drei große Verlierer, darunter auch Deutschland.


Russische Touristen

Weniger russische Besucher: der Berliner Alexanderplatz, einst nach Zar Alexander benannt. / Tino Künzel

Wenn der türkische Präsident Erdogan vor seinem russischen Amtskollegen Putin Männchen macht, dann darf der Grund nicht zuletzt in dieser Statistik zu suchen sein: In den ersten sechs Monaten  des laufenden Jahres haben 93  Prozent weniger Russen die Türkei besucht als im Jahr davor. Dieser Erdrutsch ist für das Reiseland, in dem der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt, nicht weniger als eine Katastrophe. Bis vor Kurzem noch das Auslandsziel Nummer eins für die Russen, rangiert die Türkei aktuell nur noch auf Platz 19 – zwischen Indien und Südkorea. Das geht aus Erhebungen des russischen Grenzdienstes hervor.

Noch schlimmer abgestürzt ist Ägypten, das als preiswerte Destination für Badeurlaub bei den Russen lange hoch im Kurs stand, nach dem Terroranschlag auf einen russischen Airbus im Herbst 2015 aber aus dem Angebot der Reiseveranstalter verschwunden ist. Das Land taucht inzwischen nicht einmal mehr unter den Top 40 auf. Seinen Platz scheint Tunesien einzunehmen, dass sich mit einem Plus von 671,5   Prozent auf Platz 9 katapultierte, noch vor Bulgarien.

Einen kräftigen Dämpfer musste auch Deutschland einstecken, das auf Platz 5 zurückfiel. 55.000 russische Besucher weniger als im ersten Halbjahr 2015 bedeuten ein dickes Minus von 19,5  Prozent. Andere europäische Länder wie Italien (-3,2%), Tschechien (-13%) oder Frankreich (-12,5%) kamen etwas glimpflicher davon.

Beliebtestes Reiseland der Russen ist aktuell Thailand, das ein Plus von 45 Prozent verzeichnete. In der Rangliste folgen Spa­nien (+14,5%), China (+62,5%) und Zypern (+64,3%). Unter den Top 20 finden sich nur vier Länder, die im ersten Halbjahr mehr russische Feriengäste hatten als im Vergleichszeitraum 2013 – vor der Sanktionsspirale zwischen dem Westen und Russland und vor der Talfahrt des Rubels: Zypern, Tunesien, Vietnam und Südkorea. Insgesamt reisten von Januar bis Juni knapp vier Millionen Russen ins Ausland – 27,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2015.

Tino Künzel

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