Allen Spannungen zum Trotz: Delegation aus Sachsen-Anhalt besucht Russland

Die politische Wetterlage ist nach wie vor frostig, doch es gibt durchaus Interesse an Kooperation mit Russland in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Eine Delegation aus Sachsen-Anhalt war nun zu Gast in Moskau und St. Petersburg.

Zu Gast in der Moskauer Vertretung der Region Nowosibirsk © Jiří Hönes

Der Name der Stadt Zerbst in Sachsen-Anhalt klingt für viele Russen wohlbekannt, schließlich wurde die spätere Zarin Katharina die Große 1729 als Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst geboren. Dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit wird in diesem Jahr auch in Zerbst gedacht.

„Es ist toll, dass Sachsen-Anhalt sich erinnert“, freut sich Olga Martens, erste stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbands der deutschen Kultur (IVDK), „zu Ehren dieser kleinen Prinzessin, die später Katharina die Große wurde, wird der Große Katharinenball Ende September erstmals in Deutschland stattfinden, natürlich in Zerbst.“ Mit dem Katharina-Forum schließt sich daran ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog an.

Treffenderweise besuchte Mitte September nach längerer Pause wieder eine Delegation aus Sachsen-Anhalt Moskau und St. Petersburg. Ihr Ziel war es, trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen wirtschaftliche und wissenschaftliche Kooperationen mit russischen Regionen zu beleben. An der vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung organisierten Reise waren Vertreter von Unternehmen und Hochschulen beteiligt. „Wir sind ein Land ohne Großkonzerne, wir sind vom Mittelstand geprägt, vor allem in der chemischen Industrie und im Maschinenbau“, erklärte Staatssekretär Jürgen Ude, der unter anderem für Innovationsförderung und Außenwirtschaft zuständig ist. Diese Unternehmen unterstütze man dabei, auf dem russischen Markt Fuß zu fassen. Vielversprechend sei dabei der Kontakt auf regionaler Ebene.

Vertreter der zur Region Twer eingeladen

Im Anschluss an ein Treffen mit dem russischen Vize-Industrieminister Wasilij Osmakow kamen Vertreter der Region Twer auf die Delegation zu. „Die haben dort eine ähnliche Wirtschaftsstruktur wie wir, das könnte eine vielversprechende Partnerschaft werden“, zeigte sich Ude optimistisch. Man habe sich darauf verständigt, die Region Twer zum Außenwirtschaftstag des Landes Sachsen-Anhalt 2020 einzuladen.

Der Zugang zum russischen Markt ist nicht unbedingt einfach. Das wurde beim Empfang in der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer (AHK) in Moskau deutlich. Hans-Jürgen Wittmann, Direktor von Germany Trade & Invest in Russland, sondierte die gegenwärtigen Rahmenbedingungen: „Russland schottet seinen Markt ab.“ Das Land versuche, mit der Verringerung von Importen und der Lokalisierung seine Abhängigkeit von Rohstoffexporten zu reduzieren. „Entweder verlieren die deutschen Unternehmen den Markt oder sie bauen eine Produktion vor Ort auf.“

Nowosibirsker Delegation will nach Zerbst kommen

Kooperationen auf wissenschaftlicher Ebene standen beim Treffen mit Vertretern der Region Nowosibirsk im Mittelpunkt. Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt haben bereits traditionell Verbindungen nach Russland. Die Bedingungen für die Kooperationen seien jedoch verbesserungswürdig, sagte Jens Strackeljahn, Rektor der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Dies betreffe etwa die Vergabe von Visa für Wissenschaftler, aber auch Dinge in Zuständigkeit der Universitäten, wenn es zum Beispiel um Gelder für den Austausch von Studenten gehe.

Gesprächsbedarf gibt es offenbar genügend. Jurij Petuchow, Vizegouverneur der Region Nowosibirsk, kündigte an, mit einer Delegation zum Katharina-Forum in Zerbst anzureisen. Der Dialog wird also fortgesetzt.

Jiří Hönes

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