Abteilung Attacke: Kadyrow über den Westen und andere Feinde

Russland hat mehr als 80 Regio­nen. Von deren Gouverneuren treten nur die wenigsten überregional in Erscheinung. Aber Ramsan Kadyrow (45), den Republik-Chef von Tschetschenien, kennen alle. Von Telegram und Instagram. Und von Äußerungen, mit denen er regelmäßig sowohl Ausländer als auch Einheimische schockiert. Eine Zitatesammlung.

Lautsprecher vom Dienst: Ramsan Kadyrow (Foto: Said Zarnajew/RIA Novosti)

Auf einer Pressekonferenz in Grosny (2021):

Die ukrainische Frage ist noch nicht mal ein Fall für den Präsidenten, sondern ein Fall für mich. Wenn man mich das machen lassen hätte, dann hätte ich das schon längst gelöst. Meine Meinung: Die Ukrainer sind unser Volk, das ist auch unser Land. Ich habe schon damals nach der Krim gesagt, dass wir auch Kiew nehmen sollten.

Aus einem BBC-Interview (2018):

Bei uns gibt es keine Gewalt, keine Pädophilie, keine Hami…, Homo…sexualität, wie du sagst. Das sind Worte, die wir gar nicht kennen. Wir haben andere Ansichten, eine andere Mentalität. Über so etwas wird bei uns zu Hause nicht gesprochen. Das haben sich alles die Leute ausgedacht, die ihr Geld von westlichen, europäischen Diensten bekommen, diese „Bürgerrechtler“. Geh doch mal raus, dann siehst du: Bei uns sind Männer Männer, Frauen Frauen, Tiere Tiere, Hunde Hunde. So wie es sein soll.

Auf Instagram (2019):

Wenn ihr es auf mein Blut, meine Sippe, meine Familie und mein Volk abgesehen habt, was für mich das Allerwichtigste ist, dann haltet eure Zunge und eure Finger im Zaum. Ansonsten brechen wir euch die Finger und reißen euch die Zunge raus, das sollte euch klar sein. Wir lassen euch keinen einzigen provokanten Kommentar und kein Video durchgehen.

„Töten, einsperren, einschüchtern“

In einem Livestream auf Instagram (2022):

Auch ich habe gedacht, dass wir ein unabhängiges Itschkerien brauchen. Aber ich schwöre, wir kommen keine drei Monate allein klar. Noch nicht einmal einen Monat.

Auf einer Regierungssitzung (2019):

Diejenigen, die die Eintracht zwischen den Menschen stören, die Gerüchte verbreiten, Unfrieden stiften, müssen wir stoppen, indem wir sie töten, einsperren, einschüchtern, ansonsten wird uns nichts gelingen.

Aus einem Tass-Interview (2021):

Ich bin absolut friedfertig und gutmütig. Man will mich als finsteren Typen hinstellen. Anscheinend hat jemand etwas davon, wenn Kadyrow als Monster rüberkommt.

Auf Telegram (2020):

Die französische Regierung stellt sich hinter die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed. Das hat Präsident Emmanuel Macron erklärt. Was fast zwei Milliarden Muslime beleidigt, nennt er „Meinungsfreiheit“. Außerdem hat Macron beschlossen, ihre Religion zu verändern und in Frankreich einen „aufgeklärten Islam“ zu schaffen. Ich weiß nicht, in welchem Zustand sich Macron befand, als er diese Erklärung abgegeben hat, aber die Folgen können sehr tragisch sein.

„Ein Mann des Präsidenten“

Auf Telegram (2021):

In der Tschetschenischen Republik finden Wahlen auf allen Ebenen traditionell mit hoher Wahlbeteiligung statt. Die Leute gehen gern ins Wahllokal, erfüllen ihre Bürgerpflicht und der gesamte Wahlprozess läuft in einer festlichen Atmosphäre ab.

In einem Livestream auf Instagram (2022):

Und wenn die ganze Welt gegen Putin sein wird – ich werde für ihn sein. Ich bin ein Mann des Präsidenten.

Aus einem Tass-Interview (2021):

Es ist ärgerlich, wenn aller mögliche Unsinn verbreitet wird. Angeblich ist das Volk gegen Kadyrow. Ich bin Teil meines Volkes. Seine Sorgen sind meine Sorgen. Mein Leben habe ich meinem Volk gewidmet, das mich liebt. Ich bin ein Krieger, ein Beschützer, ich habe einen Eid geschworen und diene den Menschen, für die ich mein Leben lassen würde. Die Feinde sollen mich ruhig fürchten, das ist sogar gut so.

„Solange auch nur ein Tschetschene am Leben ist …“

Auf Telegram (2022):

Ich erkläre hiermit, dass diese Sippe entweder Gefängnis oder ein Platz unter der Erde erwartet. Das hängt schon nicht mehr von mir ab. Solange auch nur ein Tschetschene am Leben ist, werden die Mitglieder dieser Familie ihres Lebens nicht mehr froh, so tief haben sie die Ehre jedes Vertreters unseres Volkes verletzt. Vergesst das nie, Jangulbajews.

(Anm. d. Red.: Die Familie des ehemaligen Richters Sajdi Jangulbajew soll sich despektierlich über Tschetschenien und zu Glaubensfragen geäußert zu haben. Bis auf seine Frau, die von den Sicherheitsbehörden festgehalten wird, sind inzwischen alle Familienmitglieder ins Ausland emigriert.)

Auf VKontakte (2022):

Mein Dank gilt meinem tschetschenischen Volk, das heute klar und eindeutig Position gegen antireligiöse und extremistische Erscheinungen bezogen hat. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass jeder Teilnehmer der heutigen Kundgebung zu einem Verteidiger des Islam geworden ist und dass jeder heutige Schritt dem Weg des Dschihad folgte. Unsere Republik hat viel Leid durchgemacht. Alle möglichen Figuren haben versucht, einen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben, aber alle hat dasselbe Schicksal ereilt. Und dieses Schicksal erwartet jeden, der sich an unserem Frieden, unserer Religion, unserer Ehre und unserer Eintracht vergeht.

(Anm. d. Red.: An einer Demonstration gegen die Familie Jangulbajew im Zentrum von Grosny nahmen am 2. Februar offiziell 400.000 Menschen teil. Am Ende wurden Plakate mit den Konterfeis der Jangulbajews auf den Boden geworfen, mit Stöcken traktiert und verbrannt.)

„Der größte Sieg unseres Volkes“

Auf Telegram (2021):

2003 hat eine Kommission der UNO Grosny zur am meisten zerstörten Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg erklärt. Aber dank des richtigen politischen Kurses des ersten Präsidenten der Tschetschenischen Republik, des Helden Russlands Achmat-Hadschi Kadyrow, und der allseitigen Unterstützung des Präsidenten Russlands Wladimir Putin konnten wir Grosny und die gesamte Republik vollständig wiederaufbauen. Das war der größte Sieg unseres Volkes in seiner Geschichte. Heute erfreut uns Grosny mit sauberen und gepflegten Straßen und mit prächtigen Architekturobjekten wie der unvergleichlichen Grosny Mall, der Moschee „Tschetscheniens Herz“ und anderem mehr. Gern besuchen uns Touristen und Vertreter aus Gesellschaft und Politik, von denen jeder in Grosny etwas findet, das dazu veranlasst, wieder und wieder zu kommen.

Auf Telegram (2022):

Terroristen sind für mich auch Kaljapin und Milaschina, die am Thema der Tschetschenischen Republik verdienen, Szenarien entwerfen und ihren Schützlingen ins Ohr flüstern, was sie zu sagen und wie sie sich zu verhalten haben. Wenn in Russland Gesetze und Strafverfolgungsbehörden etwas gelten, dann wende ich mich an sie: Nehmt dieses Handlager von Terroristen fest!

(Anm. d. Red.: Igor Kaljapin ist Mitglied des Menschenrechtsrats beim russischen Präsidenten und war bis vor Kurzem Vorsitzender der NGO „Komitee gegen Folter“, die vom russischen Justizministerium als „ausländischer Agent“ geführt wird. Jelena Milaschina ist eine Journalistin der „Nowaja Gaseta“.)

Aus einem Livestream bei Instagram (2020):

Was bist du bloß für eine Frau? Was für eine Mutter hat dich zur Welt gebracht? Was für eine Mutter und was für ein Vater haben dich erzogen?

(Anm. d. Red.: Gemeint ist die Journalistin Jelena Milaschina, die über die Situation mit Covid-19 in Tschetschenien berichtet hatte.)

„Hier sind Hunderttausende umgekommen“

Auf Telegram (2022):

Nie im Leben werde ich glauben, dass sich die Ukrainer als Teil der sogenannten „westlichen Welt“ verstehen. Selbst wenn das heutige volksfeindliche Regime und seine Propaganda alles dafür tun, ihnen jedes Gefühl der Gemeinsamkeit auszutreiben. Im tiefsten Innern habe ich die Hoffnung, dass die historische Gerechtigkeit durch das ukrainische Volk ohne jede Hilfe von außen wiederhergestellt wird. Es kann doch nicht sein, dass die Erben des großen Hetmans Bogdan Chmelnizkij und des genialen Schriftstellers Nikolai Gogol nicht auf ewig mit dem brüderlichen Russland in Frieden leben wollen.

Aus einem Tass-Interview (2021):

Vergessen Sie nicht und erinnern Sie andere daran, dass nach 1994 hier Hunderttausende Zivilisten umgekommen sind. Etwa 7000 gelten noch immer als vermisst. Zehntausende wurden zu Invaliden, zu Waisen. Und mit diesem Volk muss ich arbeiten, mit allen eine gemeinsame Sprache finden, die Menschen unter der russischen Fahne vereinen, damit man sie nicht wieder auf Abwege führt und in einem neuen Krieg gegen unseren Staat benutzt. Glauben Sie, das ist leicht?

Übersetzung: Tino Künzel

Kommentare

Kommentare

Newsletter

    Wir bitten um Ihre E-Mail: