Jung wie nie: Deutsch-russisches Forum in Nowosibirsk

Zwei Tage und mehr als ein Dutzend Veranstaltungen: Das Deutsch-Russische Kultur- und Geschäftsforum war auch in diesem Jahr ein Großereignis. Diesmal in Nowosibirisk ausgetragen, stand es unter dem Motto „Russland und Deutschland: Neue Trends der Zusammenarbeit“.

Das Deutsch-Russische Haus in Nowosibirsk war Schauplatz der Veranstaltung. (Foto: DRH Nowosibirsk)

Elena Spengler hat einen langen Weg zurückgelegt, um in Nowosibirsk am Deutsch-Russischen Kultur- und Geschäftsforum teilzunehmen. Die Russlanddeutsche kommt zwar ursprünglich aus Barnaul nur 200 Kilometer weiter südlich, zog aber vor sieben Jahren nach Hamburg. Heute ist sie Vorsitzende des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland in Hamburg. Ihr Interesse an dem Forum verwundert insofern nicht: Das jährliche Event wird traditionell von den Russlanddeutschen organisiert und unterstützt – vom Internationalen Verband der Deutschen Kultur, den Deutsch-Russischen Häusern, den Landsmannschaften und anderen Organisationen.

Aber der Horizont reicht weit über die nationale Identität hinaus. Ziel des Forums, das abwechselnd in Russland und Deutschland ausgerichtet wird, ist die Förderung der kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern. Elena sieht darin eine Chance. Sie ist eine junge, aber bereits erfolgreiche Unternehmerin. Nach Nowosibirsk hat sie die Hoffnung auf neue geschäftliche Kontakte geführt.

Die deutsche Seite der Region

Auf einen solchen Effekt hat offenkundig auch die Regionalregierung von Nowosibirsk als Mitorganisator des Forums gesetzt. Wie sehr die Region an gemeinsamen Projekten mit Partnern aus Deutschland interessiert ist, haben ihre Spitzenvertreter wiederholt betont. Russlandweit leben nur in zwei Regionen mehr Deutsche als in der Region Nowosibirsk, wo die Deutschen die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Russen stellen. Seitens der regionalen Führung wird das als eindeutiger Vorteil beim Ausbau der deutsch-russischen Zusammenarbeit betrachtet. Das Potenzial gilt es nur zu erschließen, man würde sich durchaus mehr Unternehmen mit deutscher Beteiligung wünschen. Das brachten viele Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Auftakt des Forums zum Ausdruck. Die Bedingungen sind vorhanden.

Und wo Lücken sind, können sie gefüllt werden. Beim Forum waren einige Aktivitäten darauf ausgerichtet, den Teilnehmern – speziell den jüngeren unter ihnen – neue Mittel und Wege zu eröffnen, beispielsweise durch eine Kontaktbörse. Gerade in der Startphase eines Vorhabens kann Hilfe nicht schaden und eine solche Initiative Jung­unternehmern zugutekommen.

Das Programm zeichnete sich überhaupt durch einen praktischen Ansatz aus. Davon zeugten schon die Titel der angekündigten Veranstaltungen wie etwa „Das Präsidentenprogramm zur Ausbildung von Verwaltungskadern: Erfahrungen von Austauschpraktika in Russland und Deutschland“ oder „Wie man Unterstützung für ein Projekt im Bereich der kreativen Industrien bekommt“.  

Die MDZ verblüfft Studenten

Veranstaltungen für eine junge Zielgruppe überwogen auf dem Kultur- und Geschäftsforum. Das war auch naheliegend, lautete doch das Thema „Russland und Deutschland: Neue Trends der Zusammenarbeit“. Junge Leute sollen in besonderem Maße Nutznießer der Entwicklungen in Technologie und Wirtschaft sein, die nicht zuletzt von den Einschränkungen in der Pandemie diktiert sind.

Für heute 20-Jährige sind soziale Netzwerke und Messenger nicht nur Mainstream, sondern geradezu die einzige Realität. Umso interessanter war es, die Reaktion von Studenten der Nowosibirsker Staatlichen Universität für Wirtschaft und Management zu beobachten. Sie saßen bei einer Diskussion zu Trends auf dem Medienmarkt im Publikum und lernten so auch die „Moskauer Deutsche Zeitung“ kennen. Den künftigen PR-Spezialisten war die Überraschung anzusehen, dass noch nicht alle Printmedien unter dem Druck der digitalen Systeme zu Informationsübermittlung aufgegeben haben.

Wie das Blatt sich den Veränderungen auf dem Markt stellt und welche Nische es einnimmt, davon berichteten der Verfasser dieser Zeilen und Chefredakteur der MDZ sowie Frank Ebbecke als ständiger Autor. Letzterer stellte zudem sein Buch vor, in dem von 20 Preisträgern des Wettbewerbs „Russlands herausragende Deutsche“ erzählt wird. Das Forum, zu dem Russlanddeutsche aus verschiedenen Regionen Russlands anreisten, war der perfekte Ort für diese Präsentation.

Die zwei Tage auf dem stark verjüngten Forum vergingen wie im Flug. Für die einen war es ein schöner Anlass, alte Bekannte wiederzusehen. Andere, wie Elena Spengler, fuhren mit neuen Kontakten in der Tasche nach Hause. Die Veranstalter hätten im Lichte der Pandemie-Vorschriften Maximales geleistet, so Waldemar Weiz, Chef der Weiz Industrie- und Robototechnik GmbH. Ein gutes Ende eines alles andere als leichten Jahres.

Igor Beresin

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