Deutsch-russischer Handel weit zurückgeworfen

China, die Niederlande und die USA sind Deutschlands größte Handelspartner. Russland fällt in der Rangliste zusehends zurück und landete 2020 nur noch auf Platz 14, zwischen Ungarn und Japan. Doch aussichtslos ist die Lage nicht.

Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen haben schon bessere Zeiten erlebt. (Foto: Wladimir Trefilow/RIA Novosti)

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank das Volumen des deutsch-russischen Handels in dem von Corona geplagten Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 22,3 Prozent auf 44,9 Milliarden Euro. Das ist der tiefste Stand seit zehn Jahren. Der bisherige Negativrekord von 48 Milliarden Euro war im Jahr 2016 verzeichnet worden.

Stark überdurchschnittliche Verluste

Deutschlands Handel mit dem Rest der Welt hatte sich schon vor Corona positiver entwickelt: Er war – abgesehen von einer Stagnation 2012 – sowohl bei den Ausfuhren als auch bei den Einfuhren kontinuierlich gewachsen und lag 2019 um 39,1 Prozent über dem Ergebnis von 2010. Auch im Corona-Jahr ging er mit –8,3 Prozent weit weniger stark zurück als der Russland-Handel.

Während die deutschen Ausfuhren nach Russland im vergangenen Jahr um 12,8 Prozent geringer waren als 2019, brachen die Einfuhren aus Russland sogar um 30 Prozent ein. Dies ist vor allem den tieferen Preisen für Rohstoffe geschuldet: Ein Fass Urals-Öl war 2020 im Schnitt ein Drittel weniger wert als 2019, ein Kubikmeter Erdgas kostete ein Viertel weniger.

Russlands Anteil an den Gesamt­importen Deutschlands hat sich im vergangenen Jahrzehnt stark verringert. Während er 2012 den Höchstwert von 4,8 Prozent erreichte und 2019 immerhin bei 2,8 Prozent lag, betrug er im Corona-Jahr 2020 nur noch 2,1 Prozent. Auf der Exportseite verhält es sich ähnlich. Nach dem Rekord von 3,5 Prozent im Jahr 2012 lag der Anteil Russlands an den Gesamtexporten Deutschlands 2019 bei 2 Prozent und 2020 bei 1,9 Prozent.

Russlands Anteil am deutschen Handel seit 2012 halbiert

Dies führte dazu, dass auf Russland vor neun Jahren 4,1 Prozent, vor zwei Jahren 2,4 und 2020 nur noch 2 Prozent des deutschen Gesamthandels entfielen. Der größte Flächenstaat der Erde rutschte auf Rang 14 der Handelspartner Deutschlands ab. Russland tauschte umgekehrt mit Deutschland 2020 noch 7,4 Prozent seiner Waren und Dienstleistungen aus. Deutschland bleibt für Russland ein wichtiger Handelspartner. Doch auch hier ist seit Ausbruch der Ukraine-Krise ein Schwund nicht zu übersehen (2010: 8,4 Prozent, 2014: 9 Prozent).

Die Dynamik des Handels zwischen Deutschland und Russland – und insbesondere die der deutschen Exporte nach Russland  – korreliert deutlich mit der unsteten wirtschaftlichen Entwicklung Russlands: In den 1990er Jahren, dem für Russland schwierigen Transformationsjahrzehnt, blieb das Exportvolumen relativ klein und schwankte zwischen 3,2 Milliarden Euro im ersten postsowjetischen Jahr 1992 und dem vorübergehenden Höhepunkt von 8,4 Milliarden Euro im Jahr 1997, bevor 1998 die Rubelkrise ausbrach und der Export auf 5,1 Milliarden zurückging.

Ab 1999, als sich die russische Wirtschaft zunächst rasch erholte und dann – von steigenden Ölpreisen angetrieben – merklich zu expandieren begann, setzte eine Phase intensiveren und nachhaltigeren Wachstums der deutschen Ausfuhren ein, sodass 2008, ehe sich die Weltfinanzkrise niederschlug, Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von 32,3 Milliarden Euro nach Russland ausführen konnte. Nach einem Einbruch im Finanzkrisen-Jahr 2009 (20,6 Milliarden Euro) kam es ab 2010 zu einem erneuten Anstieg auf den Rekordstand von 38,1 Milliarden Euro im Jahr 2012, als der Euro noch 40 Rubel und somit 2,3-mal weniger als heute kostete.

Deutsche Exporte wieder auf dem Stand von 2006

Seitdem war die Dynamik der deutschen Exporte zumeist rückläufig. Als sich das russische Wirtschaftswachstum im Jahr 2013 aufgrund vieler Ineffizienzen und trotz des Urals-Ölpreises von 108 US-Dollar pro Fass auf 1,3 Prozent verlangsamte, gingen die deutschen Ausfuhren um 2,3 Milliarden Euro auf 35,8 Milliarden Euro zurück, im Zuge der Ukraine-Krise und der westlichen Sanktionen ab 2014 um weitere 14,3 Milliarden Euro auf nur noch 21,5 Milliarden Euro im Jahr 2016.

Nachdem 2019 wieder ein etwas höherer Wert (26,5 Milliarden Euro) erreicht wurde, ließ die weltweite Corona-Krise die deutschen Ausfuhren erwartungsgemäß schrumpfen, und zwar auf 23,1 Milliarden Euro, was in etwa dem Wert von 2006 entspricht. Falls es Russland im laufenden Jahr gelingt, seinen im internationalen Vergleich eher geringen BIP-Verlust des Corona-Jahres (3 Prozent) ganz oder weitestgehend wettzumachen, wovon viele russische und internationale Experten ausgehen, sollten auch die deutschen Exporte wieder zulegen.

Dieser Text stammt aus dem AHK-Morgentelegramm, einem exklusiven Newsletter für Mitglieder der AHK Russland. Mehr über die AHK erfahren Sie unter russland.ahk.de.

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