Es lebe „Made in Germany“

Seit drei Wochen und noch bis zum 18. Juni ist in Moskau eine Open-Air-Ausstellung der AHK zu deutschen Unternehmen in Russland vor dem Hintergrund der Fußball-Weltmeisterschaft zu sehen. Wer Passanten darauf anspricht, der muss Zeit mitbringen: Viele geraten glatt ins Schwärmen. Hier lesen Sie, warum.

Wer sich ein wenig auskennt in Russland, der muss sich gelegentlich fragen, ob es eigentlich die Deutschen oder nicht vielleicht die Russen sind, die am meisten auf „Made in Germany“ schwören. Deutsche Wertarbeit genießt zwischen Murmansk und Wladiwostok einen geradezu sagenhaften Ruf. Und selbst wer als Deutscher zwei linke Hände hat und nicht mal einen Fahrradreifen zu flicken in der Lage wäre, der erntet in Russland trotzdem so manchen Schulterklopfer dafür, dass er doch aus dem Land der Ingenieure und Handwerker kommt.

Aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, auch kein „Russland-Meister“. So hat die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer ihr Projekt zur Fußball-Weltmeisterschaft genannt: Ein Buch, eine Webseite und eine Ausstellung zeigen, was deutsche Unternehmen in Russland leisten. Der Ruf kommt also nicht von ungefähr. Mit dem Titel „Russland-Meister“ wird nicht nur auf den fußballerischen Anlass verwiesen, sondern auch darauf, dass Deutschland traditionell „Investitions-Weltmeister“ im größten Land der Erde sei, wie es bei der Projektvorstellung hieß.

Hingucker: die Ausstellung zum Projekt „Russland-Meister“ der AHK auf dem Arbat. © Tino Künzel

Die Ausstellung an zwei Standorten in Moskau, die sich bei Spaziergängern großer Beliebtheit erfreuen, sollte ursprünglich bis zum 5. Juni laufen, inzwischen wurde sie bis zum 18. Juni verlängert. Auf der Flaniermeile Arbat mitten im Stadtzentrum und unter schattigen Bäumen in einer Grünanlage am Tschistoprudnyj Bulwar sind drei Dutzend deutsche Unternehmen in großflächigen Bildern porträtiert. Die Aufnahmen stammen vom renommierten deutschen Fotografen Hans-Jürgen Burkard und seinem russischen Partner Evgeny Kondakov. Dazu gibt es jeweils dreisprachige Erklärungen. Die Wirkung lässt nicht auf sich warten. Spaziergänger stutzen, halten inne, werden neugierig – und können sich oft nicht losreißen, bis sie alles angesehen haben. Zum Beispiel die Mednikows, Marina und Wladimir. Sie staunen, dass zehn Prozent des russischen Getreides mit Landmaschinen von Claas eingebracht werden. Und dass Siemens schon seit 165 Jahren in Russland ist, hat sie auch beeindruckt. „Wenn man dauernd von Importsubstitu­tion hört, macht man sich ein völlig falsches Bild und erwartet gar nicht, dass hier so viele deutsche Unternehmen tätig sind“, sagt sie. Er erzählt, dass er in dem Energieunternehmen, für das er arbeitet, ständig mit deutscher Ausrüstung zu tun habe. „Die baust du ein und dann läuft sie, ohne zu klagen. Wenn wir Teile aus Russland verwenden, dann müssen wir sie erst einmal reparieren, bevor wir sie überhaupt nutzen können.“ Beide wünschen den deutschen Firmen in Russland nur „das Beste“. Und dass es noch viel mehr davon geben möge.

Gipsplatten, Fensterrahmen und Autos

Als „Leistungsschau der deutschen Wirtschaft in Russland“ ist die Ausstellung betitelt. Aber die wahre Leistungsschau findet täglich bei den Russen zu Hause statt. Wie etwa bei Jegor, der sich als Physiker und Mathematiker vorstellt und zwar seinen Nachnamen nicht nennen will, aber berichtet, neulich habe er seine Wohnung mit Gipsplatten von Knauf renoviert. Für deutsche Qualität sei er sogar bereit, dass „Doppelte und Dreifache“ zu bezahlen.

Der Raumfahrtingenieur Walerij Molotschew verrät, in seiner Wohnung auf Fensterrahmen von Rehau zu setzen. „Und auf der Datscha habe ich die auch.“ Sowieso ein eigenes Kapitel seien die deutschen Autos. „Da drüben steht mein Audi, ein Q3. Davor bin ich einen Mercedes ML gefahren, das war der beste Wagen, den ich je hatte, nur leider viel zu groß für die Stadt. Vor einem Jahr habe ich ihn verkauft und trauere ihm bis heute nach.“

Artjom Tjutyk kommt aus Perm im Ural. Er war mal zum Praktikum in Deutschland, das hat ihm sehr gefallen. Heute arbeitet er in der Personalabteilung des Pharmazie­giganten Novo Nordisk. „Auch das ist ein internationales Unternehmen. Deshalb bin hier stehengeblieben und habe mir angeschaut, was die Deutschen so alles machen.“ An seinem „guten Verhältnis“ zu Deutschland und den Deutschen habe sich auch in den letzten, konfliktbeladenen Jahren nichts geändert.

Letzteres hört man praktisch pausenlos. Viele scheinen nur auf die Gelegenheit gewartet zu haben, eine kleine Rede auf die deutsch-russische Zusammenarbeit zu halten. Stellvertretend sei die Historikerin Lelia Michailowa genannt. Sie findet die Ausstellung auf dem Arbat „einfach wunderbar“. Schon Katharina die Große, die deutsche Zarin, habe Russland damals eine Blütezeit beschert. „Und auch heute sollten Russen und Deutsche ein gutes Verhältnis pflegen.“ Dass es dafür viele Beispiele gibt, hat ihr nicht zuletzt die Ausstellung gezeigt. „Ich wohne hier um die Ecke, aber davon wusste ja gar nichts und bin so froh, dass ich hier zufällig vorbeigekommen bin. Das ist ein Geschenk des Lebens!“

Tino Künzel

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