Russland führt digitalen Rubel ein

Der Rubel bekommt einen digitalen Ableger. Die Regierung verspricht sich davon mehr Sicherheit. Banken warnen indes vor Liquiditätsproblemen.

Nicht alle russischen Banken sind vom Kryptorubel überzeugt. (Foto: Youtube)

Eigentlich ist die russische Regierung kein großer Freund von Kryptowährungen. Seit vielen Jahren sind Bitcoin und Co der Zentralbank ein Dorn im Auge. Bereits seit 2018 arbeitet der Staat daran, digitale Währungen zumindest einzuschränken. Schließlich seien Kryptowährungen eine große Gefahr für die Finanzstabilität, aber auch für Geldwäsche und Verbraucherschutz, erklärte Zentralbank-Vorstandsmitglied Alexej Gusnow damals der Nachrichtenagentur Interfax. 

An dieser Haltung hat sich bis heute nicht viel geändert. Im vergangenen Jahr legte die Regierung nach. Zwar dürfen Russen Kryptowährungen besitzen und auch mit ihnen handeln. Bezahlen können sie in Russland damit jedoch nicht. Bis Jahresmitte müssen zudem Staatsbedienstete ihre Vermögenswerte in Kryptowährungen offenlegen. Auch über eine Besteuerung wird nachgedacht. 

Idee ist nicht neu

Experten halten die neue Regelung für einen Kompromiss. Denn die Zentralbank würde Kryptowährungen am liebsten ganz verbieten. Umso überraschender erscheint da auf den ersten Blick die Nachricht, dass noch in diesem Jahr der Kryptorubel eingeführt werden soll. Ganz neu ist diese Idee nicht. Bereits 2017 spielte man mit dem Gedanken. Warum man die Währung brauchte, wusste man nicht, kommentierte die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ damals. Jetzt scheint die Richtung klar zu sein. Man wolle die Geldströme im Land besser kontrollieren. Schließlich werden Geldscheine oft für Zahlungen im grauen Bereich genutzt, heißt es bei der Zentralbank. 

Trotz seines Namens ist der neue Kryptorubel keine Kryptowährung wie etwa der Bitcoin. Die Menschen sollen die digitale Währung zum Sparen oder Einkaufen nutzen, schwebt der Zentralbank vor. Abgelegt wird der Kryptorubel nicht auf dem Konto, sondern in einem „elektronischen Portemonnaie“. Wie zu erwarten, sieht die Zentralbank im neuen, dritten Rubel (neben Scheinen und Münzen und den Konten) nur Vorteile.

Banken wehren sich

So sollen internationale Überweisungen einfacher und Zahlungen durchsichtiger werden. Und natürlich sollen die Kosten sinken. Auch für die Wirtschaft erhofft sich die Zentralbank positive Effekte. Dank des neuen Rubels werden Innovationen vorangetrieben und die Digitalwirtschaft unterstützt, heißt es. In seiner Eigenschaft als präsidialer Sondervertreter für Digitalisierung ist Dmitrij Peskow überzeugt, dass die neue Währung den Kampf gegen die Armut im Land voranbringt, da Hilfsgelder besser gesteuert werden können. 

Andere Geldhäuser teilen die Begeisterung nicht. Russlands größtes Kreditinstitut Sber moniert,  dass sich die Ausgaben und Risiken im Zusammenhang mit der Einführung des Kryptorubels nicht rechnen. Laut Schätzungen kommen auf den Bankensektor Kosten von 20 bis 25 Milliarden Rubel (224 bis 280 Millionen Euro) zu, um die Währung gegen Cyberattacken abzusichern. Allerdings ist die Branche noch nicht bereit, diese Summen aufzubringen. Neben hohen Kosten fürchten Russlands Banken auch den Abfluss von Geld. Zwischen zwei und vier Billionen Rubel (22,5 bis 45 Milliarden Euro) könnten in den ersten drei Jahren nach der Einführung bei den Geldinstituten verloren gehen, schätzt die Sber. Die Folge wären Liquiditätsprobleme und damit höhere Zinsen für die Verbraucher.

Die Zentralbank bringe unnötige Irritationen in ein funktionierendes System, glaubt Pjotr Puschkarjow. „Für die Banken ist die Einführung des digitalen Rubels momentan mit dem Anbringen eines fünften Rades an einem recht gut fahrenden Auto vergleichbar“, kritisierte der Chef-
analytiker des Finanzdienstleisters Teletrade. Wjatscheslaw Martynow von der Russischen Vereinigung für Kryptowirtschaft, Künstliche Intelligenz und Blockchain sieht im Kryptorubel sogar einen Schritt in die sowjetische Vergangenheit. 

Auch wenn die Zentralbank im Kryptorubel die Zukunft sieht, will sie das Bargeld nicht abschaffen. Schließlich ist es außerhalb der Millionenstädte immer noch das gängigste Zahlungsmittel. Oft fehlt dort einfach die Infrastruktur.  

Daniel Säwert

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