Der „Deutsche“ aus Karelien: Ein Russe wünscht sich, dass Deutschland Weltmeister wird

Die Webseite des FC Bayern gibt es unter anderem auch auf Russisch. Und das aus gutem Grund: In Russland hat der deutsche Meister nämlich Fans wie Walerij Solomennikow, der aus einer Kleinstadt in Karelien kommt. Bei der WM wird er konsequenterweise der deutschen Mannschaft mit ihren Bayern-Spielern die Daumen drücken.

Zweites Zuhause: Walerij Solomennikow vor der Allianz Arena in München. © Privat

Der größte Fanclub von Bayern München in Osteuropa heißt „Die Roten Fans“. Walerij Solomonnikow ist sein Präsident. Damit ist auch die Marschrichtung für die bevorstehende WM in Russland klar. „Bei allen Turnieren fiebern wir mit der deutschen Nationalmannschaft“, sagt er, „denn in der gibt es ja immer Spieler der Bayern“.

„Die Roten Fans“ haben mehr als 500 Mitglieder aus allen möglichen Regionen Russlands und sogar aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Jeder von ihnen könnte seine eigene Geschichte erzählen, wie er sich für den deutschen Fußball im Allgemeinen und für die Bayern im Besonderen zu interessieren begann. Für Solomennikow fing alles im Jahr 1986 an: die WM in Mexiko, das Finale Deutschland gegen Argentinien. Die Argentinier gewannen 3:2, aber das Herz des Russen aus der Kleinstadt Medweschegorsk am Onegasee in Karelien gewannen die Deutschen. Und von da an war es nur noch ein kleiner Schritt bis zu seiner Liebe für den FC Bayern, die bis heute anhält.

Viele Jahre später stellte sich heraus: Er ist damit nicht allein. Als die Bayern 2008 im UEFA-Cup-Halbfinale bei Zenit St. Petersburg spielten (und beim späteren Pokalgewinner mit 0:4 untergingen), standen auf der Gästetribüne nicht nur deutsche, sondern auch über 20 russische Fans, die sich dort erstmals begegneten. Es folgten die Gründung der „Roten Fans“ und 2009 die Registrierung als Fanklub in München. Der offizielle Status bringt es mit sich, dass Eintrittskarten zugeteilt werden und man zu Treffen mit Spielern und Vereinsführung eingeladen wird. Er sei begeistert, wie der Klub für Kontakte zwischen Spielern und Fans sorge, sagt Walerij Solomonnikow. „Wir fühlen uns als Teil der Mannschaft. Die Spieler haben keinerlei Starallüren. Wenn wir uns mit ihnen treffen, dann geht es sehr familiär und gleichberechtigt zu.“

Zu Hause hat er eine ganze Sammlung an Fotos mit den Spielern und Autogrammen. „Unser Haus ähnelt einem Museum des FC Bayern“, lacht der Chef der „Roten Fans“. Er selbst kleidet sich gern von Kopf bis Fuß in Fanartikeln ein. Seine Kinder – Solomennikow ist vierfacher Familienvater – stehen ihm dabei in nichts nach. Und auch seine Frau hat sich im Fanshop schon das eine oder andere bestellt. Sie pflegt ein dialektisches Verhältnis im Fußball – eigentlich ist sie nämlich Fans von Borussia Dortmund. „Ein Großteil ihrer Verwandtschaft sind Russlanddeutsche, die in der Nähe von Dortmund wohnen“, nimmt Walerij die Gattin in Schutz.

In Solomennikows Familie sind Groß und Klein in den Vereinsfarben Rot-Weiß ausstaffiert. © Privat

In Medweschegorsk ist er für die Einheimischen längst der „Deutsche“, der „Bayer“. Man hat sich an seine Leidenschaft gewöhnt. Früher musste er sich hin und wieder Fragen gefallen lassen, wie man nur den Deutschen die Daumen drücken könne. „Bist du etwa kein Patriot?“ Da fragte er dann zurück: „Ihr fahrt deutsche Autos, seid ihr etwa keine Patrioten?“ Patriotismus habe mit all dem doch nichts zu tun. „Dass ich für die Bayern bin, hindert mich in keiner Weise daran, mein Heimatland zu lieben.“

Und nun also die WM im eigenen Land. Solomennikow hatte sich rechtzeitig Karten für die Vorrundenspiele „unserer“ deutschen Mannschaft besorgt, wie er sich ausdrückt, gegen Mexiko, Schweden und Südkorea. Die DFB-Elf hält er für den großen Favoriten  auf den Titel, trotz starker Konkurrenz von Frankreich, England oder Brasilien. Russland traut er zumindest eine gute Rolle als Gastgeber zu. „Ich denke, die Ausländer werden angenehm überrascht sein. Allein die Tatsache, dass kostenlose Züge für Ticketinhaber verkehren werden, neu und mit allem Komfort, spricht doch Bände. Das hat es noch nirgendwo gegeben. Bei uns wird alles viel toller!“

Jelena Karpenko

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