Deutsches Know-how für die russische Abfallreform

Russland wird in den kommenden Jahren Milliarden in die Abfallwirtschaft investieren – ein vielversprechender Markt für deutsche Unternehmen. Die AHK will Kooperationen mit einem neuen Internetportal fördern.

Bei der feierlichen Einweihung des neuen Online-Portals © AHK

Um die 60.000 Müllkippen gab es noch in den 1970er Jahren in Deutschland, so Matthias Schepp, Vorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Er erzählt eine Anekdote aus seiner Mainzer Kindheit, wo es unter den Jungs eine Mutprobe war, es möglichst lang im Gestank der benachbarten Müllkippe aufzuhalten. Und heute sei das Gelände rekultiviert, es befinde sich dort ein Golfplatz.

Deponien für Hausmüll gibt es heute in Deutschland kaum mehr und die Recyclingquote ist die höchste in Europa. Bei der Abfallwirtschaft gehört Deutschland zu den führenden Nationen. Die nun in Russland beschlossene Abfallreform, für die laut Präsident Wladimir Putin in den kommenden Jahren mehr als 300 Milliarden Rubel (etwa 4,25 Milliarden Euro) investiert werden sollen, ist daher ein potenziell gigantischer Markt für deutsche Unternehmen.

Um hier von Anfang an am Ball zu sein, hat die AHK ein Online-Portal erstellt, dass deutsche und russische Unternehmen der Abfallwirtschaft zusammenbringen soll. Unterstützt wurde sie dabei vom Bundesumweltministerium im Rahmen der „Exportinitiative Umwelttechnologien“. Dieses Portal namens „germantech“ wurde am 20. November in Moskau feierlich vorgestellt. Zur Präsentation im 90. Stock des „Federazija“-Hochhauses in Moskau-City waren Industrievertreter aus Deutschland und Russland sowie russische Umweltpolitiker eingeladen.

„Russland sucht noch seinen Weg“

Deutschland hat nicht nur eine Vorreiterrolle bei der Technologie, sondern auch hinsichtlich der Gesetzgebung über die Finanzierung. Russland müsse hier noch seinen Weg suchen, so Matthias Schepp. Er warb für das deutsche Modell des Verursacherprinzips, bei dem die Hersteller von Waren für die Verpackungen derselben Abgaben bezahlen. „Normalerweise würde ein Wirtschaftsverband nicht für Abgaben plädieren, doch dieses System funktioniert in Deutschland gut.“ Er gab jedoch zu bedenken, dieses Prinzip gehe am Ende zu Lasten des Verbrauchers, die für die Mehrkosten aufkommen müssten.

Die deutsche Gesetzgebung hat in der Tat bereits das Interesse der russischen Umweltpolitik geweckt. Nuritdin Inamow, Leiter des internationalen Departements des russischen Umweltministeriums, betonte etwa die ähnlichen Strukturen beider Länder: Sowohl in Deutschland als auch in Russland lägen die meisten Befugnisse in den Bundesländern respektive Regionen. Daher habe man zunächst einmal die entsprechenden Gesetze aus Bayern und Baden-Württemberg übersetzt. „Wir können nichts kopieren, jedes Land hat seine Spezifika“, so Inamow, doch es seien wertvolle Impulse von den deutschen Gesetzen ausgegangen.

Vorzeigeregion Mordwinien

Besonders erfreut zeigte er sich über die Entwicklung in der Republik Mordwinien und deren Hauptstadt Saransk, etwa 600 Kilometer südöstlich von Moskau. Dort ist das deutsche Unternehmen Remondis als regionaler Entsorgungsdienstleister tätig.

Juri Medjankin, Minister für Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutz in Mordwinien hebt das Engagement des Unternehmens hervor. Vieles habe sich verändert, auch in der Einstellung der Bevölkerung zum Müllproblem. Die Republik gilt heute in Russland als Vorbildlich in Sachen Recycling. Nicht nur bei der Mülltrennung selbst, sondern auch bei der Bildung. Es wächst eine neue Generation heran, die das Thema sehr ernst nimmt.

Mordwinien zeigt, dass Russland ein vielversprechender Markt für deutsche Unternehmen ist. Ein weiteres Beispiel ist etwa der russische Anlagenbauer Intertechelectro, der mit deutscher Unterstützung bei Tjumen eine große Abfallsortieranlage gebaut hat. Tatjana Mazidowski, Business-Developement-Leiterin des Unternehmens, sagte, man stehe kurz davor, ein deutsch-russisches Konsortium zu gründen, um voneinander zu profitieren. „Wir hoffen, den Weg, den Deutschland in 40 Jahren zurückgelegt hat in fünf Jahren zu schaffen“, gab sie sich optimistisch. Das Unternehmen habe auch den Außenmarkt im Auge, etwa die GUS-Staaten und Afrika.

Für weitere deutsch-russische Kooperationen steht nun das neue Portal „germantech“ der AHK zur Verfügung. Unternehmen können dort ihr Portfolio darstellen und nach geeigneten Partnern suchen.

Kommentare

Kommentare

Newsletter

Wir bitten um Ihre E-Mail: