Das Jubiläum der Primadonna

Sie trat vor Bauarbeitern am Polarkreis auf, sang mit Udo Lindenberg gegen den Kalten Krieg an und stand rund 50 Jahre auf der Bühne: Alla Pugatschowa ist die Grande Dame der sowjetischen und russischen Popmusik. Am 15. April feiert sie ihren 70. Geburtstag. Ein Streifzug durch das Leben der Primadonna.

Lebende Legende, Sängerin, Primadonna: Alla Borissowna Pugatschowa.     /Foto: sova.ponominalu.ru

1954

Als Alla fünf Jahre alt war, lud ihre Mutter eine Musiklehrerein ein, um die musikalische Begabung ihrer Kinder zu überprüfen. Im Gegensatz zu ihrem jüngeren Bruder Jewgenij schlug sich Alla bestens und hinterließ einen starken Eindruck. Ab diesem Tag verband sich ihr Leben fest mit der Musik: Die Nachwuchskünstlerin nahm jeden Tag drei Stunden Klavierunterricht in der Musikschule. Ihre Hartnäckigkeit wurde bald belohnt: Bereits nach ein paar Monaten trat sie bei einem Konzert im Moskauer Haus der Gewerkschaft auf.

1968

Die Sängerin fiel bei der Abschlussprüfung an der Ippolitow-Iwanow- Musikschule durch. Schuld waren ausgedehnte und zeitaufwendige Touren durch Russlands Norden und die Polarregion, wo Alla mit ihrem noch schmalen Repertoire von gerade mal drei Liedern Geologen und Arbeiter aus der Erdölindustrie unterhielt. Zur Strafe musste die Nachwuchskünstlerin, ein Praktikum als Musiklehrerin an einer Moskauer Mittelschule absolvieren. Die Schüler gaben der künftigen Primadonna wegen ihrem kräftigen Organ den Spitznamen „Alka-Kritschalka“, was etwa „Alla, die Schreierin“ bedeutet.

1978

Der psychisch kranke Anatoli Nagijew lauert der inzwischen landesweit bekannten Sängerin vor ihrem Moskauer Wohnhaus auf. Nur durch das beherzte Eingreifen der Hauswärtin kann Schlimmeres verhindert werden. Nagijew hatte im Gefängnis, wo er wegen Vergewaltigung einsaß, immer und immer wieder eine Kassette mit Liedern von Pugatschowa gehört, war darüber verrückt geworden und hatte sich eingebildet, die Stimme der Künstlerin zu hören. Daraufhin beschloss er, sie zu töten. Seinem Wahn fielen insgesamt sechs Frauen zum Opfer, die Pugatschowa mehr oder weniger ähnlich sahen.

1987

Ab den 80er Jahren wird Alla Pugatschowa immer mehr im Ausland bekannt. Auch mit dem deutschen Panik-Rocker Udo Lindenberg tritt die Primadonna auf. Vor allem mit einer Interpretation von „Sag mir, wo die Blumen sind“ und der Friedenshymne „Wozu sind Kriege da?“, sorgt das sowjetisch-deutsche Duo für Furore. Im Jahr 1987 traten die beiden Musiklegenden zusammen bei „Rock für eine kernwaffenfreie Welt“ im damaligen Leningrad auf. Ein Jahr später erschien dann das gemeinsame Album „Lieder statt Briefe“, welches den Dialog zwischen den erstarrten Fronten im Ost-West-Konflikt voranbringen sollte.

1994

Die Klatschzeitungen sind begeistert und das Boulevard-Fernsehen bringt Sonderausgaben: Im Frühjahr 1994 heiratet die mittlerweile 45-Jährige den 18 Jahre jüngeren Popsänger Philipp Kirkorow. Der Künstler mit bulgarischen Wurzeln hatte die Primadonna zum ersten Mal im Alter von neun Jahren bei einem Neujahrskonzert im Kreml getroffen und schüchtern um ein Autogramm gebeten. Seitdem sei er unsterblich in die Sängerin verliebt gewesen und habe nichts unversucht gelassen, um ihr Herz zu erobern, behaupten viele russische Medien. Doch Allas vierter Ehemann sollte nicht ihr letzter bleiben. Denn ironischerweise stellte Kirkorow, der während der Ehe zum Star aufstieg, seiner Frau auch ihren fünften und bis jetzt letzten Ehegatten, den TV-Moderator Maxim Galkin, vor. Auch diese Ehe war ein gefundenes Fressen für die Paparazzi: Der Showman ist 27 Jahre jünger als seine Ehefrau.

 

2009

Die Zeit der Anerkennung ist gekommen: In den Nullerjahren wird Alla Pugatschowa mit zahlreichen Prämien, Preisen und Urkunden für ihr Lebenswerk geehrt. Besonders prestigereich ist dabei die mehrmalige Verleihung des Goldenen Grammophons, der bekanntesten Ehrung des russischen Showbusiness´. Im März 2009 beendet die Diva offiziell ihre Karriere mit einer umfangreichen Abschiedstour. Aber auch im Ruhestand bleibt Pugatschowa weiter umtriebig. Sie tritt der Partei „Gerechte Sache“ bei, eröffnet das Kinderzentrum „Family Club“ sowie die Talenteschmiede „Future Stars“, welche Kinder und Jugendliche auf eine Karriere im Showbusiness vorbereiten soll. Im Jahr 2013 bekommt die zu diesem Zeitpunkt 64-Jährige mit ihrem Mann Zwillinge.

2018

In ihren 60ern gerät Alla Puga­tschowa immer wieder mit Gerüchten um ihren sich verschlechternden Gesundheitszustand und mehrere Schönheitsoperationen in die Klatschpresse. So bekommen die Paparazzi beispielsweise im März 2018 von einem abgesagten Eingriff Wind, mit dem die Primadonna ihrem Gesicht zu mehr Symmetrie und klassischen Konturen verhelfen wollte. Die mit der Prozedur beauftragten Chirurgen weigerten sich, den Eingriff durchzuführen. Das Leben der fast 70-Jährigen sei in Gefahr. Pugatschowa hatte zuvor bereits eine Herzoperation überstanden, sich den Magen verkleinern lassen und Stents setzen lassen. Gesundheitsprobleme stehen auch hinter der Absage eines von vielen erwarteten Auftritts bei einem Konzert des Schlagersängers Leonid Agutin im November desselben Jahres.

Ganna Novytska

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