WM in Russland? „Da musst du hin!“

Mit der Gruppenauslosung wurde zuletzt der finale Countdown für die Fußball-WM 2018 in Russland eingeläutet. Auch Kasan gehört in einem halben Jahr zu den elf Austragungsorten. Einer, der die Millionen­stadt an der Wolga gut kennt, ist Moritz Bauer – der 25-jährige österreichische National­spieler steht in Diensten des russischen Erstligisten Rubin Kasan. Im Interview schwärmt der Verteidiger von den äußeren und inneren Werten seines zweiten Zuhauses.

Die berühmteste der vielen Schokoladenseiten von Kasan: der Kreml mit seinen Kirchturmspitzen und Minaretten. / RIA Novosti

Viele haben Kasan gar nicht auf der Landkarte.

Ich hatte es auch nicht auf der Landkarte. Aber dann habe ich mir das hier im Sommer 2016 zwei Tage angeschaut und war überzeugt. Absolut überragende Stadt, und auch die Infrastruktur des Klubs ist Wahnsinn. Wir haben nicht zuletzt die WM-Arena für 45.000 Leute: Ist ja auch geil, in so einem Stadion spielen zu dürfen. Ich hätte es bereut, wenn ich damals nicht zugesagt hätte.

Wie viele Zuschauer kommen denn zu den Heimspielen von Rubin?

Das ist ein bisschen abhängig vom Wetter, aber auch vom Gegner. Manchmal über 20.000, manchmal auch nur 5000, wenn es Anfang Dezember richtig kalt ist und man gegen einen Abstiegskandidaten spielt.

Wie nimmst Du die Fankultur bei Rubin und in Russland wahr?

Als angenehm. Ich würde sagen, es geht gesitteter zu. Alle, wirklich alle klatschen bei einer gelungenen Aktion. Die Stimmung in den Stadien finde ich fast besser als in der Schweiz. Aber klar, mit der deutschen Bundesliga ist das noch nicht vergleichbar.

Kann Kasan all die WM-Besucher aufnehmen?

Die Infrastruktur ist hervorragend. Unterkünfte gibt es auch genügend. Es ist der nationale Anspruch, Russland im besten Licht zu präsentieren. Da wird alles herausgeputzt, um ein absolut perfektes Bild abzugeben. Ich mache mir keine Gedanken, dass das nicht bis ins kleinste Detail reibungslos funktioniert.

Worauf können sich die anreisenden Fans einstellen?

Jeder Ausländer wird hier mit offenen Armen empfangen. Unglaublich gastfreundlich, überhaupt nicht oberflächlich. Das Gemeinschaftsgefühl, die Hilfsbereitschaft – das ist viel mehr verankert als in unseren Breitengraden. Jedem, der mich fragt, sage ich: Du sollst da nicht  hinfahren, du musst!


Bewegte Bilder zu Kasan und Tatarstan, dessen Hauptstadt es ist? Wir haben für Sie einige Links zusammengestellt:
www.youtube.com/watch?v=FsCEzAJV13c (Promovideo über Tatarstan)
www.youtube.com/watch?v=RvjolxUbfWs (Video mit Landschaftsbildern)
www.youtube.com/watch?v=3QA5AoIHMmo (Fifa-Kurzfilm zu Kasan)
www.youtube.com/watch?v=MNS47TRAQCQ (Tatarstan-Video aus der wunderbaren Trickfilm-Reihe Multirussia, in der Knetfiguren die russischen Regionen erklären)
www.youtube.com/watch?v=QX3u8LNFs_0 (Spielbericht Rubin Kasan gegen Anschi Machatschkala 6:0  vom 19. August 2017, Moritz Bauer trägt die Rückennummer 23)


Wie gefällt Dir Kasan als Stadt?

Sehr! Das Zentrum ist fast schöner hergerichtet als in Europa: die Parks, die Flussufer, die Boulevards. Jeder, der mich besucht hat, ging mit einem Staunen nach Hause und sagte: Ich kann absolut verstehen, warum du dich so wohlfühlst. Vor der WM wird noch einmal unglaublich viel investiert und aus dem Boden gestampft.

Kasan ist als Hauptstadt von Ta­tar­stan sowohl russisch als auch ta­ta­risch geprägt. Wie erlebst du das?

Es ist ein Gefühl von miteinander, nicht gegeneinander. Spannungen wie anderswo haben wir hier keine. Im Gegenteil: Tataren sind mit Russen verheiratet, das ist gar kein Problem.

Gibt es etwas, das Du an Kasan vermissen wirst, wenn Du einmal weiterziehst?

Ich bin hier ja nicht im Urlaub, aber klar würden mir einige Sachen fehlen. Auf der anderen Seite hat mir diese Erfahrung auch gezeigt, dass es mal ganz gut ist, aus der Komfortzone herauszukommen, den Horizont zu erweitern. In der Eigenverantwortung habe ich einen großen Schritt nach vorn gemacht. In Russland weht zum Teil ein kühlerer, strengerer Wind, dem muss man standhalten. Ich glaube, das bringt einen neben dem Sportlichen auch auf der menschlichen Seite und im Leben weiter. Ich bin ein neugieriger Mensch.

Wirst du selbst denn die WM-Tage in Kasan verbringen?

Ich will auf jeden Fall ein Spiel besuchen. Natürlich wäre es schöner gewesen, selbst spielen zu können. Wir sind alle geknickt, dass es für Österreich nicht geklappt hat mit der Qualifikation. Aber dann wäre man für die Dauer der WM in einem Hotel gewesen, jetzt kann ich sie hautnah miterleben. Das ist vielleicht gar nicht so verkehrt.

Interview: Dennis Grabowsky, Mitarbeit: Mandy Ganske-Zapf

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