Grusel in einem Moskauer Escape Room

Durchs Rätsellösen in die Freiheit. So begeistern Escape Rooms als Gruppenspiel für Freunde oder Familien. Im Mittelpunkt steht das Lösen komplexer Aufgaben. Moskauer Spiele hingegen setzen vor allem auf Gruselfaktor und Horrorfilm-Szenarien. Und versetzen ihre Gäste in Angst und Schrecken. Die MDZ hat ein schauriges Modell ausprobiert.

Ab in den Ofen! © mir-kvestov.ru

Nur eine kleine Kerze spendet Licht im Eingangsbereich, sonst ist es stockfinster. „Setzt euch. Das ist das Haus eures Onkels“, steigt Nastja ohne Umschweife (auf Englisch) in das Spiel ein, und erklärt: „Euer Onkel ist tot.“

Die Information der Spielleiterin passt zur schaurigen Atmosphäre des Escape Rooms. Der neben einer Autowerkstatt am Jausa-Ufer gelegene Ort heißt „Bellas Haus“ und wird für die nächsten 60 Minuten unser neues Zuhause sein. Es ist einer der zahlreichen „Quests“ in Moskau, wie die beliebten Aktiv-Gruppenspiele auch genannt werden. Dabei wird eine Gruppe von Leuten in einen Raum oder Bereich gesperrt und muss sich durch das Lösen von Rätseln daraus befreien. Das Motto in „Bellas Haus“ lautet Puppenspielhorror. Unsere Aufgabe: eine Nacht im Haus des Onkels überstehen, damit es uns gehört. Wir werden eine Treppe hochgeführt, in eine schummrige Kammer.

Bevor unsere wenig redselige Spielleiterin die Tür zuknallt, erwähnt sie noch kurz: „Euer Onkel hatte viele Puppen. Aber zu einer pflegte er ein besonderes Verhältnis.“

Das Spiel beginnt. Spätestens als das Licht ausgeht, weichen anfängliche Witzeleien aufsteigender Beklemmung. Ein Knall, ein Lichtblitz – und ein undefinierbares Knäuel mit Armen und Beinen kommt aus der Dunkelheit schreiend und jammernd auf uns zugekrochen. Nach einem weiteren Lichtblitz ist der Spuk plötzlich wieder vorbei. Vorerst. Was folgt, ist ein hektisches Suchen nach Hinweisen und Lösen verschiedenster Aufgaben. Hilfsmittel? Dürftiges Kerzenlicht, versteckte Zettelchen und zeitweise Tipps einer Stimme, die aus den Tiefen des Hauses kommt.

Stresslevel im Dauerhoch

Falsche Antwort oder zu langes Suchen – es knallt und die Gruppe wird von einem schreienden, axtschwingenden Geist heimgesucht, der das Stresslevel im Dauerhoch hält. Die Angst ist real. Dabei werden wir durch verschiedene Räume gejagt, in jedem gilt es eine Aufgabe zu lösen: Wir suchen Werkzeuge und müssen sie an ihren richtigen Platz hängen – eine Luke öffnet sich zum nächsten Raum. Wir finden nicht alle nötigen Holzwürfel – ein Teilnehmer wird auf den Dachboden entführt. Wir stoßen auf einen Schlüssel – der verschwundene Freund taucht mit dem passenden Schloss auf.

Für Freude über gelöste Aufgaben ist aber keine Zeit, es droht der nächste Schreckmoment und wartet das nächste Rätsel. Nach viel Sucherei und zahlreichen Geisterattacken ist die letzte Aufgabe schließlich klar: Ein Sarg von Kindergröße muss in einen Ofen geschoben werden. Im Sarg liegt die besondere und für den Spuk verantwortliche Puppe des Onkels. Mit dem „Verbrennen“ des Sarges samt Puppe stirbt nun auch der Geist, der uns stetig heimsuchte.

Der Puppenspuk löst sich mit einem Seufzen in Luft auf und die Dunkelheit weicht einem matten Lichtschein, der den Weg gen Ausgang zeigt. Wir verlassen die stickigen Kammern und werden von Nastja im Eingangsbereich erwartet. „Alles Ok?“

Schweißgebadet und erschöpft bejahen wir. Ein kleines Abenteuer ist zu Ende, das Haus gehört uns. Was aber vor allem bleibt, ist die Freude, dem Schrecken entkommen zu sein – gruselig, ob Spiel oder nicht. Informationen zu „Bellas Haus“ und einer Vielzahl weiterer „Quests“ gibt es auf mir-kvestov.ru.

Fiete Lembeck

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