Die bunte Welt der russischen Comics

Gibt es eigentlich so etwas wie ein russisches Comic-Multiversum? Wen diese Frage beschäftigt, der konnte auf der Moskauer Comic Con Russia Anfang Oktober eine Antwort finden. Auf dem Geek-Festival stellten über 60 russische Comic-Macher ihre Werke vor.

Comic
Die Auswahl an Comic-Universen ist riesig © igromir.fotoezh.ru

Bereits unter der Zarenherrschaft von Nikolaj I. regten sich Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Ansätze einer russischen Comic-Kultur. Doch erst seit den letzten zwanzig Jahren blüht die Comic-Welt Russlands so richtig auf: Es entstehen Geschichten und Adaptionen im japanischen und amerikanischen Stil. Zu den größten Playern unter den Comic-Verlagen zählen „Bubble Comics“ mit einem eigenen Superhelden-Universum sowie „Comics Publisher“ mit Graphic Novels und Autorencomics aller Art.

Auf der Comic Con Russia gaben diese und andere Verlage sowie etliche Autoren ihren Lesern viel Anlass zur Freude. Der „Bubble“-Verlag präsentierte nicht nur neue „Tagar“-Manga von Marina Priwalowa, sondern auch die Kinderzeichentrickserie „Krutiksy“, die auf den Comic-Büchern von Alexandra Bizjaewa basiert. Letztere handelt von Superhelden und Detektiven der Tierwelt – Hamster Ziggi, Hund Muchtar und vielen andere.

Ein Comic schaffte es sogar auf die Berlinale

Der Verlag stellte auch einen lang erwarteten Film über den Polizeimajor Igor Grom, Spezialist für Kriminalitätsbekämpfung, vor. Eine erste Kostprobe wurde den Fans bereits 2017 geliefert, als Bubble den Kurzfilm „Major Grom“ auf der Berlinale präsentierte. Der Spielfilm „Major Grom: Pestarzt“ soll nun 2019 auf die Leinwand kommen. Eine neue App mit allen „Bubble“-Werken in Digitalform sowie die Karte des originellen Comic-Universums machten schließlich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen aus.

Ein weiteres Highlight boten die beiden Verlage „Komilfo“ und „Molot HardCorp“. Diese stellten auf der Messe ihre Zusammenarbeit an der 120-seitigen Graphic Novel „Rinderbandwurm“ von Wladislaw Pogadajew und Jewgenija Tschaschina vor. Es ist die Geschichte eines Kindes mit unglaublichen Fähigkeiten, das in der russischen Provinz wohnt und der Willkür des Schicksals preisgegeben wird.

Für „Comics Publisher“ präsentierten Autor Stanislaw Tariwerdijew und Koloristin Ekaterina „Ghostlight“ Serowa die neuen Bücher der Reihe „Inquisitor“. Die Serie handelt von einem Geschäftsmann im alternativen Moskau, der gegen das Böse kämpft. Außerdem stellten Alexander Kondratjew und Comiczeichnerin Jewgenija Kotljarowa ihre Fortsetzung vom „Weißen Mann“ vor – eine Detektivgeschichte: Der Albino Pale Arsine kommt als Fremder in eine neue Stadt, als dort plötzlich ein kleines Mädchen ermordet wird. Jetzt muss er den Fall aufklären, um die Einwohner davon abzubringen, ihn für seine Haut- und Haarfarbe zu kriminalisieren und als einen Verbrecher zu brandmarken.

Des Weiteren brachte das Künstlerkollektiv „Garazh“ den autobiografischen Comic „Mafia aus der Garage“ über das eigene Leben als Comic-Zeichner in der modernen Geek-Community heraus. Seit 2016 können deutsche Leser russische Bücher von „Comics Publisher“ auch in Deutschland erhalten – Anna Korosteljewa, die Gründerin des Verlags, präsentiert jährlich russische Autorencomics auf der Frankfurter Buchmesse sowie auf deutschen Comic Cons.

Maria Babkina

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