Mit 15 PS nach St. Petersburg: „Trecker-Willi“ auf großer Fahrt

Inzwischen ist er schon wieder auf dem Heimweg: Der 81-jährige Niedersachse Wilfried Langner hat mit einem eher seltenen Verkehrsmittel das russische St. Petersburg erreicht: per Traktor! Doch für den Weltenbummler war diese hohe Form des Reisens ganz normal.

Traktor

Traktor mit Wohnwagen: St. Petersburg hat schon viel gesehen, aber das? / Nadeschda Rybaltschenko

Dass man auf seinen Arzt hören sollte, ist nichts Neues – vor allem im hohen Alter. Auch der Rentner Wilfried Langner aus dem niedersächsischen Lauenförde im Landkreis Holzminden ist der Gesundheit zuliebe dem Rat seines Arztes gefolgt, nicht ins schwüle Argentinien zu reisen. Aber „Trecker-Willi“, wie er in seiner Heimat genannt wird, blieb nicht einfach zu Hause: Er nahm stattdessen Kurs auf das milde St. Petersburg, auch das eine Empfehlung des Arztes. Wie immer saß er dabei hinterm Steuer eines grünen Oldtimer-Traktors Marke Deutz D15. Baujahr 1961. Mehr als 15 Pferdestärken und 18 Stundenkilometer schafft sein betagter Trecker alias „Robert“ nicht. Knapp anderthalb Monate brauchte Langner deshalb für die etwa 3500 Kilometer Landstraße über Polen, Kaliningrad und die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland bis nach St.  Petersburg, wo er Anfang Juli eintraf und ein großes Hallo auslöste.

Traktor

Willi sorgte mitten in der Stadt für einen veritablen Medienauflauf. / Nadeschda Rybaltschenko

Fotos zeigen den Deutschen, wie er von Medienvertretern umringt ist. „Ich wurde hier wirklich mit offenen Armen empfangen“, erzählt „Trecker-Willi“ am Telefon. Politische Motive habe er keine. „Ich wollte einfach nur Land und Leute kennenlernen.“ Ganz ohne Zwischenfälle verlief die Reise nicht: In Kaliningrad brach eine Achse, die jedoch mit Hilfe von Ansässigen repariert werden konnte. Kurz vor der russischen Grenze verlor Langner in Estland dann auch noch seine Fahrzeugpapiere.

„Der Traktor ist eine sehr angenehme Art und Weise zu reisen. Dadurch, dass man in Schrittgeschwindigkeit auf Landstraßen unterwegs ist, sieht und erlebt man viel mehr“, so der gelernte Baumaschinenmonteur. Auf dem Weg nach St.  Petersburg habe er auch einige Einladungen erhalten  – unter anderem ins ferne Sibirien und in den Ural.

In St. Petersburg erlitt der Rentner eine Art Kulturschock. „Es waren einfach zu viele Eindrücke auf einmal bei der Fahrt durch die Stadt“, berichtet Langner, den es sofort wieder „zurück in ländlichere Gefilde“ zog. Entsprechend gönnte er sich und „Robert“ die Ruhe eines abgelegenen Campingplatzes in der weiteren Umgebung der Stadt.

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Und sein Talisman ist immer dabei. / Nadeschda Rybaltschenko

Seit 2006 ist Langner mit dem Traktor unterwegs, reiste mit seiner über eine Tonne schweren Maschine unter anderem in die Schweiz, nach Mallorca und zum Nordkap nach Norwegen. Unterwegs beschützt den elffachen Großvater dabei ein Teddybär, den ihm eine seiner Enkeltöchter geschenkt hat. Organisatorisch erhält er tatkräftige Unterstützung von seinen Kindern: Die Familie tüftelt die Reiseroute aus und kümmert sich gegebenenfalls um Visa.

Seine Abenteuerlust bewirke bei anderen Rentnern regelrechte „Verwunderung – aber auch Begeisterung“, verrät Langner. Wenn alles nach Plan läuft, dann kommt er Ende August wieder in Lauenförde an. Und wohin geht es als Nächstes? „Das steht noch in den Sternen“, sagt er. „Vorher muss ich mal meinen Arzt fragen.“

Christopher Braemer

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